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Das Sozialministerium hat am Mittwoch seine Pläne zur Corona-Impfstrategie konkretisiert. Demnach soll es zahlreiche weitere "Kreisimpfzentren" in Baden-Württemberg geben.

Nach den bereits bekannten zentralen Impfzentren in Freiburg, Offenburg, Karlsruhe, Heidelberg, zwei in Stuttgart, Rot am See, Tübingen und Ulm - die bis Mitte Dezember betriebsbereit sein sollen - hat das Ministerium nun auch die Standorte für die sogenannten Kreisimpfzentren festgelegt. "Diese sollen am 15. Januar 2021 betriebsbereit sein", erklärte Landesgesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) in einer Mitteilung.

Laut Sozialministerium sollen in jedem Stadt- und Landkreis zusätzlich zu den zentralen Impfzentren ein bis zwei weitere Zentren aufgebaut werden. Neben den stationären Impfzentren soll es auch mobile Teams geben, die zum Beispiel Menschen in Pflegeheimen impfen. Außerdem arbeite das Ministerium derzeit an einem Konzept für Impfungen in Kliniken, das die Möglichkeit biete, Personal zu impfen. Unklar ist allerdings nach wie vor, wer in den Zentren und Mobilen Teams arbeiten kann - und wer es tun wird. "Zur Personalgestellung wird es notwendig sein, alle freien Kapazitäten zu sammeln", teilte das Ministerium mit, ohne Details zu nennen. Gesucht werden neben Ärzten auch medizinisches Fachpersonal, Security-Mitarbeiter, Dolmetscher, Fahrer, Reinigungskräfte und Aushilfen für die Registrierung. An manchen Standorten soll auch die Bundeswehr eingesetzt werden.

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Wer wird als Erstes gegen das Coronavirus geimpft?

Die Priorisierung der Impfungen bestimmt laut Ministerium der Bund. Die Strategien "werden nach Zulassung des Impfstoffs weiter konkretisiert". Jedoch ist bereits jetzt bekannt, dass zuerst Personengruppen, wie "medizinisches Personal, Personal in kritischen Infrastrukturen und vor allem vulnerable Personengruppen geimpft werden sollen". Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte am Dienstag im Deutschlandfunk: "Unser Ziel ist es, dass bereits im Januar die ersten Risikogruppen und Pflegebeschäftigen geimpft sind." Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, betonte jedoch: Direkt nach der Zulassung eines Impfstoffes könne es auf keinen Fall genug für alle geben. Denn die Pandemie betreffe nicht nur Deutschland und die EU, sondern die ganze Welt. Der Professor spricht sich daher für eine Priorisierung aus - also wer vorrangig welche Impfstoffe erhalten soll.

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Wo kann ich mich künftig impfen lassen?

Insgesamt sind 50 Kreisimpfzentren im Land geplant. Weitere zehn zentrale Impfzentren wird es wie bereits erwähnt in Freiburg, Offenburg, Karlsruhe und Heidelberg sowie in Rot am See, Tübingen und Ulm geben. In Stuttgart werden zwei Zentren ausgestattet. Hier eine Übersicht der Kreisimpfzentren unterteilt in die jeweiligen Regierungsbezirke:

Regierungsbezirk Karlsruhe

  • Stadt Baden-Baden: Im Kurhaus
  • Kreis Rastatt: Schwarzwaldhalle in Bühl
  • Neckar-Odenwald-Kreis: Obertorzentrum in Mosbach
  • Rhein-Neckar-Kreis: "Parsa"-Halle in Sinsheim und eins in Weinheim
  • Kreis Calw: DEKRA-Hotel Wart in Altensteig
  • Enzkreis: Appenberg-Halle in Mönsheim
  • Kreis Karlsruhe: EGO Halle 4 in Sulzfeld und im Praktiker-Baumarkt in Bruchsal

Regierungsbezirk Stuttgart

  • Kreis Böblingen: Messehalle in Sindelfingen
  • Kreis Esslingen: Messe Stuttgart und Gewerbegebäude Zeppelinstraße in Esslingen
  • Kreis Ludwigsburg: MM Studio in Ludwigsburg (Doppelstandort)
  • Kreis Heidenheim: Congress Centrum in Heidenheim
  • Ostalbkreis: Ulrich-Pfeifle-Halle in Aalen
  • Main-Tauber-Kreis: Berufliches Schulzentrum in Bad Mergentheim
  • Stadt Heilbronn: Stauwehrhalle Horkheim (Bisher Messehalle Intersport Red-Blue)
  • Kreis Heilbronn: Tiefenbachhalle in Ilsfeld
  • Kreis Göppingen: Werfthalle in Göppingen
  • Hohenlohekreis: Hohenlohe-Sporthalle in Öhringen
  • Rems-Murr-Kreis: Rundsporthalle in Waiblingen
  • Kreis Schwäbisch Hall: Halle in Wolpertshausen

Regierungsbezirk Tübingen

  • Alb-Donau-Kreis: Alb-Donau-Center in Ehingen
  • Kreis Reutlingen: Kreuzeiche-Stadion in Reutlingen und im Tribünengebäude
  • Kreis Ravensburg: Oberschwabenhalle in Ravensburg
  • Kreis Tübingen: Paul-Horn-Arena in Tübingen
  • Zollernalbkreis: Zollern-Alb-Kaserne (ehemalige LEA) in Meßstetten
  • Kreis Sigmaringen: Kaserne Sporthalle in Hohentengen
  • Bodenseekreis: Messe Friedrichshafen
  • Kreis Biberach: Gemeindehalle in Ummendorf

Regierungsbezirk Freiburg

  • Kreis Waldshut: Stadthalle in Tiengen
  • Kreis Konstanz: Stadthalle in Singen
  • Ortenaukreis: Rheintalsporthalle in Lahr und in der Messe Offenburg-Ortenau
  • Kreis Rottweil: Stadthalle in Rottweil
  • Kreis Emmendingen: Ehemaliger Aldi-Markt in Kenzingen
  • Kreis Lörrach: Freizeitcenter Impulsiv in Lörrach
  • Kreis Breisgau-Hochschwarzwald: Müllheim
  • Schwarzwald-Baar-Kreis: Halle des Tennisclubs TCS Schwenningen
  • Kreis Tuttlingen: Kreissporthalle in Tuttlingen

Stadtkreise

  • Stadtkreis Stuttgart: Noch nicht final gemeldet
  • Stadtkreis Karlsruhe: Kongresszentrum Schwarzwaldhalle in Karlsruhe
  • Stadtkreis Freiburg: voraussichtlich Freiburg Messe
  • Stadtkreis Ulm: Messe Ulm, Halle 5 und Teilbereich Halle 6
  • Stadtkreis Heidelberg: Gesellschaftshaus Pfaffengrund in Heidelberg
  • Stadtkreis Mannheim: Maimarktareal

Wie soll das Impfen ablaufen?

  • In Baden-Württemberg sollen telefonische Anmeldungen für Impftermine unter der Telefonnummer 116 117 ermöglicht werden.
  • Auch über eine App sollen Termine vereinbart werden.
  • Die Impfzeiten sind täglich von 7 Uhr bis etwa 21 Uhr geplant.
  • Pro Standort sollen an den Kreisimpfzentren etwa 800 Impfungen am Tag durchgeführt werden - 1.500 Impfungen täglich an den zentralen Impfzentren.
  • Die Kreisimpfzentren im Land sollen aktuell bis Juni 2021 bestehen bleiben - eine Verlängerung ist bei Bedarf nicht ausgeschlossen.
  • Das Ministerium geht derzeit mit einer Impfung von zwei Dosen aus - mit einem Abstand von 21 bis 28 Tagen. Termine dafür sollen gleichzeitig vergeben werden.

Wann kommt der Corona-Impfstoff?

Die Mainzer Firma Biontech und der US-Pharmariese Pfizer haben bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (Ema) die Zulassung ihres Corona-Impfstoffs in der Europäischen Union beantragt. Der Antrag auf eine bedingte Marktzulassung sei am Montag eingereicht worden, teilten Biontech und Pfizer am Dienstag mit. Am Montag hatte auch der US-Konzern Moderna bei der Ema einen entsprechenden Antrag für seinen Impfstoff gestellt. Die Ema will die Anträge noch im Dezember prüfen. Eine Entscheidung steht noch aus.

Ziel der Landesregierung ist, rechtzeitig zur ersten Lieferung des ersehnten Corona-Impfstoffs ausreichend Zentren für die Logistik und Personalfragen rund um die Massenimpfung bereitzustellen. Erste Lieferungen des Impfstoffs könnte es nach den Erwartungen des Landessozialministeriums im Laufe der kommenden Wochen geben. Insgesamt werde das Land vorbereitet sein, neun Millionen Baden-Württemberger impfen zu lassen, hatte Lucha zuletzt versichert.

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