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Flüchtlinge aus islamischen Ländern, die zum Christentum konvertiert sind, geben ihren Glaubenswechsel oft als Asylgrund an. Deshalb prüfen Gerichte, ob dieser Schritt echt oder vorgetäuscht ist. Das sorgt für Diskussionen.

In einigen Ländern des Nahen Ostens ist eine Konversion vom Islam zu anderen Religionen verboten und kann mit schweren Strafen geahndet werden. Somit ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass abgelehnten Konvertiten bei einer Rückführung in ihren Herkunftsländern Verfolgung droht.

Notwendige Religionsprüfung

Der Glaubenswechsel kann aber auch vorgetäuscht sein. Deshalb hat der Staat das Recht, die Gründe für einen Asylantrag zu prüfen. Darauf hat jetzt noch einmal eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung mit dem Titel "Religiöse Konversion im Asylprozess" hingewiesen. Wörtlich heißt es dort: "Wenn aber das staatliche Recht (…) verlangt, dass die religiöse Identität eines Asylbewerbers zu überprüfen ist, so gibt es von Verfassungs [sic] wegen keinen Grund, diese Überprüfung nicht vorzunehmen."

Schwierige Glaubensprüfung

Doch wie prüft man einen Glauben? In der Praxis werden den konvertierten Asylbewerbern von Richtern immer wieder Wissensfragen gestellt. Dieses Abfragen von Glaubenswissen steht in der Kritik. So lehnt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, diese Vorgehensweise ab. Sie sei "sehr fragwürdig" und könne nicht als Grundlage  verwendet werden, wenn "darüber entschieden wird, ob jemand ernsthaft glaubt".

Jüngst wurde der Asylantrag eines aus dem Iran stammenden christlichen Konvertiten abgelehnt, der mittlerweile in Winterbach (Rems-Murr-Kreis) lebt. Während das Stuttgarter Verwaltungsgericht Stuttgart urteilte, er sei nur zum Schein zum Christentum übergetreten, zeigt sich der evangelische Pfarrer von Winterbach entsetzt über den Richterspruch, den er als "höchst fragwürdiges Ergebnis" bezeichnet. In vielfältiger Form engagierte sich der Iraner in der evangelischen Kirche, etwa als Bibelkreisleiter, ehrenamtlicher Dolmetscher für Glaubenskurse und als Helfer bei Festen und Ausflügen. Er selbst sagt, eine Rückkehr in seine alte Heimat wäre lebensgefährlich.

Justizminsterium: "Christlicher Glaube, kein Asylgrund"

Das Bekenntnis zum christlichen Glauben sei noch kein Asylgrund, sagt das baden-württembergische Justizministerium. Vielmehr müsse ein Gericht zur Überzeugung gelangen, dass dem Betroffenen in seinem Heimatland eine Verfolgung wegen seiner Religion drohe. "Ich habe ein großes Vertrauen darin, dass die Verwaltungsgerichte ihre Entscheidungen in jedem Einzelfall mit großer Sorgfalt treffen", sagt Justizminister Guido Wolf (CDU).

Schwierigkeit: Muslimische Übersetzer

Besonders schwierig ist es in diesem Zusammenhang, wenn der Asylbewerber kein Deutsch spricht. So wies der Stuttgarter Flüchtlingspfarrer Joachim Schlecht Ende Oktober im SWR darauf hin, dass im Prüfungsverfahren oft muslimische Übersetzer zur Hilfe genommen werden. Diesen ist aber vielfach die christliche Terminologie und ihre Bedeutung fremd - was zu großen Missverständnissen führen kann. 

Unüberbrückbare Diskrepanz

Es herrscht eine fast unüberbrückbare Diskrepanz zwischen dem berechtigten Anspruch des Staates, einen konvertierten Asylbewerber auf die Stichhaltigkeit seiner Fluchtgründe zu überprüfen, und der Unmöglichkeit, die Lauterkeit eines Religionswechsels zu verifizieren.

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