In einer Grundschule steht ein Luftfilter in einem Klassenzimmer. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Arne Dedert)

Maximal 2.500 Euro pro Gerät

Corona: Kommunen in BW können ab Montag Luftfilter für Schulen bestellen

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Die Schulen in Baden-Württemberg können ab Montag Luftfilter für ihre Klassenzimmer bestellen. Laut einer Richtlinie der Landesregierung übernimmt das Land bis zu 50 Prozent der Kosten.

Das Kultusministerium hat am Freitag die lang erwartete Richtlinie zur Förderung von mobilen Luftfiltern veröffentlicht. Damit können die Kommunen als Träger der Schulen ab kommenden Montag Luftfilter bestellen. Das Land übernimmt bis zu 50 Prozent der Kosten dafür, maximal aber 2.500 Euro pro Gerät. Gefördert werden nur die Kosten für Beschaffung und Inbetriebnahme. Die laufenden Kosten übernimmt das Land nicht. Das Förderprogramm soll bis Ende Juli 2022 laufen.

Kommunen hatten auf genaue Angaben gedrängt

Fünf Wochen dauern die Sommerferien in Baden-Württemberg noch. Doch die kommunalen Schulträger wurden langsam ungeduldig und warteten auf eine Entscheidung der Landesregierung. Vom Städtetag Baden-Württemberg hieß es, erst wenn die Richtlinie veröffentlicht sei, könne man die Förderanträge stellen. Auch der Gemeindetag Baden-Württemberg hatte zuvor erklärt, Städte und Gemeinden seien als Schul- und Kitaträger darauf vorbereitet, sofort loszulegen. Der jeweilige Bedarf sei geklärt, so der Gemeindetag.

Engpässe bei Luftfilteranlangen befürchtet

Ohnehin ist es weiter fraglich, ob überhaupt genügend Luftfilteranlagen für alle Klassenzimmer in Deutschland auf dem Markt sind. Beim Ludwigsburger Filterspezialisten Mann und Hummel geht man zum Beispiel davon aus, dass bis zum Ende der Sommerferien nicht alle interessierten Schulen beliefert werden können. Vielmehr werde die Ausstattung bis "weit ins kommende Schuljahr" dauern.

Ludwigsburg

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Landesregierung wollte Förderprogramme aufeinander abstimmen

Die Landesregierung hatte die lange Wartezeit mit Abstimmungsbedarf begründet. Das Staatsministerium erklärte, die Förderung sollte so gestaltet werden, dass die Kommunen größtmöglichen Nutzen aus den Geldtöpfen von Bund und Land ziehen könnten. "Wir wollten sicherstellen, dass sich das Bundes- und das Landesprogramm nicht kannibalisieren", so eine Sprecherin.


60 Millionen will das Land den Schulen zur Verfügung stellen, um Luftfilteranlagen anschaffen zu können.
Der Bund hatte kurzfristig ebenfalls Fördermittel in Höhe von 26 Millionen Euro zugesagt. Mit den Landesmitteln und den Zuschüssen aus den Kommunen sollen Schulen und Kitas in Baden-Württemberg also insgesamt 120 Millionen Euro für den Kauf von Luftfilteranlagen und Co2-Ampeln bekommen. Auf jeden Fall wird die Anschaffung von Luftfilteranlagen ein großer Kraftakt: In Baden-Württemberg gibt es mehr als 70.000 Schulklassen.

Wie wirksam sind Luftfilter?

Stoßlüften oder Luftfilter? Diese Frage nach der richtigen Taktik im Kampf gegen das Coronavirus in Klassenzimmern und Kita-Räumen beschäftigt Experten, Politiker, Eltern und Schüler nun schon seit rund einem Jahr. Die einen halten Luftfilteranlagen für eine wirkungsvolle Maßnahme, andere zweifeln die Notwendigkeit der Anschaffung von zehntausenden Geräten an.

Dieser Artikel von SWR Wissen vergleicht mehrere Studien zum Thema Raumluftreiniger:

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Eine Studie der Universität Stuttgart im Auftrag der Stadt Stuttgart kommt zum Beispiel zu dem Ergebnis, dass regelmäßiges Lüften effektiver sei als Luftreinigungsgeräte - unter anderem wegen des hohen Geräuschpegels der Geräte. Wissenschaftler vom Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik der Universität der Bundeswehr schreiben dagegen in ihrer Studie, die Möglichkeit, durch regelmäßiges kurzes Lüften die Viruslast im Klassenzimmer zu reduzieren, werde stark überschätzt. Zumal das Lüften gerade im Winter Erkältungen fördere.

Wie wirken Luftfilter? Darüber hat der SWR am 22. Juli so berichtet:

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GEW kritisiert Landesregierung seit Monaten

Viel Kritik an der Corona-Politik der grün-schwarzen Landesregierung kommt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie fordert seit Monaten die Regierung um Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) auf, für die Klassenzimmer und Kita-Räume Luftfilter anzuschaffen.

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Die GEW-Vorsitzende Monika Stein warf den Verantwortlichen in dieser Woche vor, sich bei der Vorbereitung auf das nächste Schuljahr wegzuducken und in aller Ruhe abzuwarten, wie die Inzidenzen sich entwickeln.

Mehrere Städte und Gemeinden sind schon vorgeprescht

Während viele Städte und Gemeinden also noch auf die Richtlinie der Landesregierung warten, haben einige Kommunen bereits den Kauf von Luftfilteranlagen beschlossen. So hat die Stadt Ettlingen (Kreis Karlsruhe) beschlossen, in Eigenregie 231 dieser Anlagen zu kaufen. Der Kreis Calw will 300.000 Euro für Luftfilteranlagen in den kreiseigenen Schulen zur Verfügung zu stellen. In Weil der Stadt (Kreis Böblingen) hat sich eine Gemeinschaftsschule selbst Geräte angeschafft.

So hat der SWR am 6. Juli über die Heinrich-Steinhöwel-Schule in Weil der Stadt berichtet:

Video herunterladen (2,9 MB | MP4)

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Förderprogramm von 60 Millionen Euro vor", so Ministerpräsident
Winfried Kretschmann (Grüne).
Doch aufgrund der hohen Nachfrage, die für diese Anlagen besteht, ist es fraglich, ob auch alle Schulen rechtzeitig versorgt werden. "Wir können im Moment noch circa 2.000 Geräte bauen", sagt Daniel Ehrhardt, Geschäftsführer des Luftreiniger-Herstellers UlmAIR. Der bundesweite Bedarf gehe allerdings in die Hunderttausende. Hinzu komme eine zehn bis fünfzehnwöchige Lieferzeit für bestimmte Bauteile, die für die Luftfilter-Anlagen benötigt werden.
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