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Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hat mit ihrer Forderung, Kitas und Grundschulen am 11. Januar zu öffnen, einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Was will sie erreichen? Das fragt sich Anno Knüttgen aus der SWR-Redaktion Landespolitik Baden-Württemberg.

Anno Knüttgen aus der SWR Redaktion Landespolitik Baden-Württemberg (Foto: SWR)
Anno Knüttgen, SWR-Redakteur der Landespolitik Baden-Württemberg

Auch für weitere Klassen, vor allem Abschlussklassen, solle es wieder Präsenzunterricht geben, unabhängig von den Inzidenzzahlen. So hat es Eisenmann in einem Interview gesagt. Und dabei bleibt sie auch, sie dementiert nichts.

CDU-Spitzenkandidatin hat Empörung einkalkuliert

Was hat sie sich dabei nur gedacht? Susanne Eisenmann (CDU), Kultusministerin von Baden-Württemberg, gibt vor Weihnachten ein Interview, von dem sie weiß, dass es nach Weihnachten veröffentlicht wird. Und macht sich da schon Gedanken darüber, wie es nach Neujahr in Schulen und Kitas weitergehen soll. Vereinfacht zusammengefasst fordert sie, sehr viele Schüler auf jeden Fall wieder in die Schule zu schicken – ganz egal, wie sich die Corona-Lage entwickelt.

Das ist zumindest konsequent, denn wie sich die Corona-Lage entwickelt, konnte sie zum Zeitpunkt des Interviews nicht ansatzweise wissen. Aber warum lehnt sie sich so weit aus dem Fenster? Dafür habe ich zwei Erklärungen. Die eine: Eisenmann ist CDU-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl. Der Wahlkampf beginnt. Sie braucht Aufmerksamkeit. Die ist ihr mit solch einer Forderung sicher. Die folgende Empörung hat sie einkalkuliert. Vor so etwas hat Eisenmann sich noch nie gefürchtet. Es ist aber riskant. Das Spiel mit der Empörung sichert Aufmerksamkeit, Wählerstimmen eher nicht.

Lehrer haben schwächere Schüler bei Präsenzunterricht besser im Blick

Erklärung zwei für Eisenmanns Vorschlag: Sie ist felsenfest überzeugt. Präsenzunterricht ist das Beste für die Kinder. Sie lernen besser in der Gruppe. Lehrer haben schwächere Schüler viel besser im Blick als beim Fernunterricht. Viele Schüler haben zu Hause zu wenig Hilfe. Und es stimmt ja auch, dass es für Lehrer eine ungeheure Belastung wäre, gleichzeitig Fern- und Präsenzunterricht für zwei Gruppen zu organisieren – so wie es beim Wechselunterricht der Fall wäre.

Es gibt also durchaus gute Argumente, für das, was Eisenmann fordert. Indem Eisenmann das so resolut und bedingungslos tut, will sie das Gewicht ihrer Argumente hervorheben. Aber auch damit geht sie ins Risiko. Eisenmann kann resolut, konsequent und unerbittlich sein bis es knallt. Wenn aber die Länderchefs am Ende anders entscheiden, die Schulen geschlossen bleiben, dann geht Eisenmann mit ihrer Position unter.

Eigentlich fehlt es an digitaler Ausrüstung im Schulbetrieb

Hätte sie die kleine Einschränkung gemacht, alles müsse abhängig sein von der Zahl der Corona-Infizierten, dann hätte sie eine Rückfall-Position. Dann hätte sie empathischer gewirkt gegenüber allen, die sich vor einer Ansteckung fürchten. Vielleicht gibt es aber noch einen weiteren Grund dafür, dass Eisenmann sich so gar nicht darauf einlassen will:

Baden-Württemberg ist immer noch nicht darauf vorbereitet, große Teile der Schüler zu Hause zu unterrichten. Immer noch fehlt es an digitaler Ausstattung, an Lehrern, die fit sind für den Fernunterricht. Wenn es nach den Ferien auf diese Weise weiterginge, und nicht mit mehr Unterricht in den Schulen, dann könnte das Ganze schnell peinlich werden. Und zwar vor allem für Kultusministerin Eisenmann, die CDU-Spitzenkandidatin im Wahlkampf.

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