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Während die Schulen in anderen Bundesländern wegen des harten Lockdowns auf Homeschooling umsteigen, heißt es in Baden-Württemberg weitestgehend "Ferienverlängerung". Damit macht es sich das Kultusministerium zu leicht, kommentiert SWR-Kulturredakteurin Susanne Kaufmann.

Susanne Kaufmann, Redaktionsleiterin Kunscht! und SWR2 Landeskultur Baden-Württemberg. (Foto: SWR)
Susanne Kaufmann, SWR-Kulturredakteurin, kommentiert einfach mal als Mutter.

Die Diskussion mit unserer jüngsten Tochter begann schon Montagabend. Sie erklärte, dass sie vor Weihnachten nun eine zusätzliche Ferienwoche habe, während ich von Schreibtischzeiten und Arbeitsplänen sprach. Dann kam eine E-Mail unseres Gymnasiums mit dem Betreff "Verlängerte Weihnachtsferien". Darin der fettgedruckte Text: "Aufgaben oder Fernunterricht sind vom Ministerium für die Klassenstufen 5 bis 10 nicht vorgesehen. Es handelt sich um eine Ferienverlängerung."

Das Kultusministerium macht es sich zu leicht

Mein erster Impuls: Die Schule macht es sich zu leicht. Mein zweiter Impuls: Das baden-württembergische Kultusministerium macht es sich zu leicht. Als die Schulen am Sonntagnachmittag rotierten, Hunderte Rektorinnen und Rektoren im ganzen Land sich fragten, was tun? - war die zuständige Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) auf digitaler Wahlkampftour.

Andere Bundesländer wie das Saarland, Bayern, Thüringen und NRW beschlossen Sonntag "Lernen von zu Hause aus". Sie halten die Schulpflicht auch in der letzten ursprünglich geplanten Unterrichtswoche vor Weihnachten hoch. Und Susanne Eisenmann, die CDU-Ministerpräsidentin werden möchte? Erklärt im Fernsehen ihren Ärger über leichtfertige Schulschließungen und wirft der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina - die immerhin Lernen daheim fordert - vor, "nicht auf der Höhe der Zeit" zu sein. Dann verordnet sie vorgezogene Ferien für fast alle, ausgenommen die Abschlussklassen.

Ich als Mutter finde das bedenklich

Kinder finden das geil. Ich als Mutter finde das bedenklich - vor allem in einem Jahr, in dem wegen Corona sowieso schon viel zu viel Unterricht ausgefallen ist. Viele Klassen hinken mit dem Lehrstoff hinterher, und viele Kinder haben nicht das gelernt, was sie hätten lernen können. Das gilt nicht nur für die aus bildungsfernen Schichten, die am schlimmsten von der Misere betroffen sind.

Baden-Württemberg war einmal ein Land, in dem die Bildung hochgehalten wurde. Schon im ersten Lockdown war ich perplex, wie wenig Vorgaben von oben kamen. Die Schulen konnten weitgehend selbst entscheiden, ob sie digitalen Unterricht machten oder nicht und wenn ja in welchem Umfang. Ob sie Hausaufgaben kontrollierten oder nicht oder vielleicht sogar mit Anmerkungen auf digitalem Weg zurückschickten an die Kinder.

Kultusministerium bremst engagierte Schulen aus

Mittlerweile - so sollte man zumindest meinen - steht die Struktur. Alle wussten, dass ein zweiter Lockdown kommen würde, und die Schulen hätten von einem Tag auf den nächsten umschalten können auf Fernunterricht. Stattdessen gibt das baden-württembergische Kultusministerium den meisten Kindern pauschal frei und bremst mit dieser Ansage sogar engagierte Schulen aus.

Wie sollen Kinder lernen, wie wichtig Lernen ist, wenn sie für diese Tage nicht mal Aufgaben bekommen, nach all den Ausfällen in diesem Jahr? Danke an die Mathelehrerin unserer Tochter und an alle anderen Lehrerinnen und Lehrer, die es gewagt haben, vor dieser ungeplanten Ferienwoche noch Material zum Üben auf die Online-Plattformen hochzuladen. Trotz der Ansage von Kultusministerin Susanne Eisenmann. Wir haben für unsere Kinder jetzt Lernbücher gekauft. Frohe Weihnachten!

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