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Susanne Eisenmann zieht sich nach der Wahlniederlage in Baden-Württemberg aus der Politik zurück. Das sagt viel über sie selbst, aber noch mehr über die CDU, kommentiert Markus Pfalzgraf aus der Redaktion Landespolitik.

Vielleicht war es ein tragisches Missverständnis zwischen Susanne Eisenmann und der CDU, als sie die Spitzenkandidatur übernahm und nicht der damals umstrittene Landeschef Thomas Strobl. Ihm trauten viele einen Sieg bei der Landtagwahl nicht zu, Eisenmann dagegen schon: zupackend, klare Ansagen, nicht gerade zimperlich - sie war der Anti-Strobl, eine Macherin, kein Zauderer.

Auch Eisenmann hatte gegen Winfried Kretschmann eigentlich keine Chance, aber die wollte sie nutzen. Eine Spitzenkandidatin mit Profil, weiblich, jünger als der Amtsinhaber, ein Hauch von Großstadt-CDU, aber mit unruhigem Wesen und eigenem Kopf. Gegen Kretschmann geht es nur mit Personalisierung, hatten sie in der Parteizentrale erkannt. Vielleicht hat die CDU geglaubt, Eisenmann schon einfangen zu können, mit einer gut geplanten Kampagne.

Markus Pfalzgraf, SWR Landespolitik (Foto: SWR, SWR)
Markus Pfalzgraf aus der SWR-Redaktion Landespolitik kommentiert. SWR

"Wer Eisenmann nimmt, bekommt Eisenmann"

Aber die Strategen in der Partei bekamen zu spüren: Wer Eisenmann nimmt, bekommt Eisenmann. Dass sie sich nicht viel sagen lassen würde, war absehbar. Dass sie sich aber so mit ihren Getreuen einmauert, dass sie für manche in der Partei nicht mehr erreichbar war, das hat in dem Ausmaß dann vielleicht doch überrascht. "Beratungsresistent" wurde sie genannt. Sicher hat sie auch mit ihrem etwas ruppigen Kommunikationsstil einige verprellt, auch als Kultusministerin in der steinigen Schullandschaft.

Konsequenter Rückzug: Eher eine Ausnahme in der CDU

Im Moment des Rückzugs zeigt sich der Charakter: Viele hätten Eisenmann zugetraut, trotz der Niederlage Forderungen zu stellen oder zumindest andere in ihrem Rückzug mitzureißen. Aber sie übernimmt Verantwortung und versucht gar nicht erst, sich trotzdem einen Zipfel Macht zu sichern, wie der vorige Spitzenkandidat Guido Wolf oder jetzt Fraktionschef Wolfgang Reinhart. Dass das in der CDU überrascht, sagt auch etwas über die Partei aus.

Eisenmann bleibt Eisenmann

Jetzt endet zumindest vorerst die politische Karriere der Susanne Eisenmann. Sie endet mit einem Missverständnis. Aber auch in diesem Moment ist Eisenmann ganz Eisenmann: Sie hat entschieden.

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