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Sie hatten die Wahl, dann wurde sie zur Qual: Jetzt starten die Grünen zwar offenbar in Koalitionsverhandlungen mit der CDU - aber unter denkbar schlechten Vorzeichen, kommentiert Iris Volk aus der SWR Redaktion Landespolitik.

Der straffe Zeitplan stand eigentlich schon fest: Erst berät sich die Sondierungsgruppe, dann gibt sie dem Landesvorstand eine Empfehlung und der hätte sie eigentlich nur formal abnicken sollen. Doch es kam anders. Erst diskutierte die Sondierungsgruppe bis in die Nacht und dann probte der Landesvorstand den Aufstand gegen den Ministerpräsidenten.

Kretschmann hätte gerne einfach weiter mit der CDU regiert. Die Union hatte gelobt, verlässlich zu sein - verlässlicher als es in den letzten Jahren der Fall war - und hatte außerdem versichert, den Klimaschutz jetzt aber wirklich für sich entdeckt zu haben. Außerdem könnte auch eine Rolle gespielt haben: Eine CDU, die nicht im Wahlkampfmodus ist, ist eher für Kretschmanns vorsichtigen Kurs in der Corona-Pandemie zu haben, als die FDP.

Iris Volk aus der SWR Redaktion Landespolitik. (Foto: SWR)
Ein Kommentar von Iris Volk aus der SWR Redaktion Landespolitik.

Einige jüngere Gesichter im Landesvorstand

Doch der Landesvorstand sah das anders. Seit 2019 sind dort einige neue Gesichter vertreten, jüngere Leute, die einen Aufbruch wollen - vor allem in der Klimapolitik. Aus ihrer Sicht hat sich die CDU da in den letzten Jahren als Klotz am Bein erwiesen - und der sollte weg. Die SPD war der erklärte Wunschpartner - und um gemeinsam mit der SPD zu regieren, hätte man die FDP in Kauf genommen, die sich nun in den letzten Jahren auch nicht gerade als Speerspitze der Umweltbewegung hervorgetan hat. Aber ebenso wie die CDU haben die Liberalen Besserung gelobt und konnten damit offenbar die grüne Parteibasis überzeugen.

Und vielleicht auch die Parteispitze in Berlin, der eine Ampel in Baden-Württemberg als leuchtendes Signal für die Bundestagswahl im Herbst durchaus gelegen gekommen wäre. Denn das hätte gezeigt: Es geht auch ohne die CDU.

Es geht ein Riss durch die grüne Partei

Doch jetzt ist die CDU wieder im Boot, auch wenn die dürre Pressemitteilung der Grünen sich so liest, als seien sie immer noch nicht ganz überzeugt von dieser Idee. Aber ja, eine weitere Sondierungsrunde am Samstag mit der CDU soll "die Grundlage für kommende Koalitionsverhandlungen" bilden.

Damit hat Kretschmann sich vorerst durchgesetzt. Aber es ist auch mehr als deutlich geworden: Es geht ein Riss durch die grüne Partei in Baden-Württemberg. Auf der einen Seite steht der beliebte Spitzenkandidat, dem die Grünen einen nicht unerheblichen Teil ihres guten Wahlergebnisses zu verdanken haben, der aber in Sachen Klimaschutz bisher keine Wunder vollbracht hat. Auf der anderen Seite die Basis, die mehr erreichen will, die zu neuen Ufern aufbrechen wollte und auf die - Pandemie hin oder her - ein grün-schwarzes "weiter so" so stabil wirkt wie eingeschlafene Füße.

CDU darf sich als ungeliebtes Anhängsel fühlen

Dieser Riss war schon länger da, wurde durch gute Wahlergebnisse aber bisher überdeckt. In den Koalitionsverhandlungen schwächt er jetzt die Position der Grünen. Die CDU darf sich als ungeliebtes Anhängsel fühlen, und könnte sich jetzt doch fragen, ob es das eigentlich wert ist. Und sie könnte sich fragen, wie verlässlich eigentlich die Grünen als Koalitionspartner noch sein werden, wenn der konservative Kretschmann von seiner Basis künftig häufiger und entschiedener herausgefordert wird.

Vielleicht war es die richtige Entscheidung, mitten in der Corona-Krise, eine Wirtschafts- und Klimakrise vor Augen, am Bewährten festzuhalten und kein Experiment zu dritt zu starten. Den Weg dahin haben die Grünen aber gründlich verstolpert.

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