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SWR-Wirtschaftsredakteur Michael Wegmer (Foto: SWR, Michael Wegmer)

Im vergangenen Jahr hat Daimler 700 Millionen Euro gespart - dank Kurzarbeitergeld aus öffentlichen Kassen. Jetzt die Dividende zu erhöhen, ist taktlos, kommentiert Michael Wegmer.

Wahrscheinlich klinge ich wie meine eigene Mutter, wenn ich das sage. Aber so etwas macht man einfach nicht. Die Dividendenerhöhung von Daimler mag formal in Ordnung sein, aber sie ist, höflich formuliert, sehr taktlos.

Vergegenwärtigen wir uns die Gesamtsituation: Deutsche Autobauer haben im vergangenen Jahr viel gejammert, Unterstützung vom Staat gefordert. Kaufprämien für alles und jeden, auch für Verbrenner. Produktionsstillstand in Deutschlands Schlüsselindustrie wegen Corona - eine Katastrophe! Große Konzerne haben die E-Mobilität verschleppt, und tun jetzt so, als sei die anstrengende und teure Transformation vom Himmel gefallen und hätte sie völlig überrumpelt.

Bei Daimler-Beschäftigten wird gespart, Aktionäre werden gepampert

Über Daimler hängt seit rund eineinhalb Jahren ein Sparplan, immer wieder verbal verschärft vom Chef. Personal wird abgebaut, an allen Standorten heftig um Arbeitsplätze gerungen.

Teile der Belegschaft mussten 2020 in Kurzarbeit, verbunden mit Einbußen. Ein Kriseninstrument übrigens, für das nicht nur Arbeitgeber in die Sozialkassen einzahlen - das könnte man meinen, wenn man Daimler argumentieren hört - sondern auch alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über ihren Anteil für die Arbeitslosenversicherung.

Schon Daimler-Coronabonus war fragwürdig

Ich fand es vor ein paar Monaten schon unglücklich, dass Daimler nach so viel Krisengerede und reduzierten oder ganz gestrichenen Jahresprämien für Beschäftigte am Ende doch noch großzügig einen kleinen Corona-Bonus für alle ankündigte.

Nachdem die Unternehmenszahlen im zweiten Halbjahr überraschend gut waren. Ein Bonbon vor Weihnachten, wahrscheinlich um die schlechte Stimmung im Konzern zu beruhigen.

Leidet Daimler an Realitätsverlust?

Mit der Dividendenerhöhung beginne ich zu glauben, dass bei Daimler das einsetzt, was wir der Politik oft vorwerfen: ein Realitätsverlust. Auch große Arbeitgeber im Land sollten ein Gespür für die Stimmung in der Gesellschaft haben. Vorne Jammern und hinten Geld Rauswerfen hat noch nie so wenig in die Zeit gepasst wie heute.

Stuttgart

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