Intensivstation im Krankenhaus (Foto: SWR)

Hilferufe aus Intensivstationen

Kommentar zur Landespolitik in der vierten Pandemie-Welle: "Ich versteh’s nicht."

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Die Intensivstationen laufen voll und die Landesregierung schweigt zur Corona-Lage in BW. Konzertiertes Handeln wäre auch in der vierten Welle gefragt, kommentiert Anno Knüttgen aus der SWR-Redaktion Landespolitik.

Was macht eigentlich die Landesregierung? In Pforzheim, im Enzkreis, im Landkreis Karlsruhe sind die Intensivstationen voll, in Stuttgart fahren Notärztinnen und -ärzte mit Erkrankten im Kreis, aus Ulmer Krankenhäusern schallen Hilferufe. Und die Landesregierung? Von der ist dazu tagelang nichts zu hören.

Anno Knüttgen aus der SWR Redaktion Landespolitik Baden-Württemberg (Foto: SWR)
Anno Knüttgen aus der SWR-Redaktion Landespolitik Baden-Württemberg

Mit Ampel-Koalitionsverhandlungen beschäftigt?

Die Hälfte des Kabinetts war in Berlin mit Koalitionsverhandlungen beschäftigt, da blieb womöglich wenig Zeit für anderes. Stopp, einer hat sich gekümmert. Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) sendet einen Impfappell nach dem anderen, schickt Impfteams, setzt sich ein für kürzere Bestellfristen beim Impfstoff und weniger Impf-Bürokratie. Und ja, die Landesregierung hatte Vorbereitungen getroffen für die vierte Welle, mit einem neuen Stufenplan und einem System von 3G- und 2G-Beschränkungen.

Außerdem sind viele geimpft. Aber nach einem halben Jahr lässt der Impfschutz nach. Und auch Geimpfte können das Virus weitertragen, zum Beispiel an die völlig ungeschützten Kinder. Die sitzen ohne Masken in den Schulen. Viele Schüler und Schülerinnen, Lehrkräfte und Eltern wollen die Maskenpflicht zurück, dürfen das aber in den Schulen selbst ausdiskutieren. Denn das Kultusministerium zögert, führt die Maskenpflicht nicht wieder ein.

Corona-Lage in BW: "Inzidenzen steuern auf 600er-Marke zu"

Ich versteh’s nicht. In einzelnen Landkreisen bewegen sich die Inzidenzen auf die 600er-Marke zu, Intensivstationen laufen voll - und aus der Landesregierung heißt es jetzt: Bei Bedarf können Patientinnen und Patienten in andere Krankenhäuser verlegt werden. Wenn es so weitergeht wie jetzt, werden aber überall die Intensivbetten knapp. Nicht nur für Corona-Patienten, auch für Unfallopfer und Menschen mit Herzinfarkten. Das ist nicht die Zeit, um die Hände in den Schoß zu legen!

Zu spät, zu wenig: Doppelt so viele Impfteams angekündigt

Am Donnerstag kündigte der Ministerpräsident an: Die Zahl der mobilen Impfteams wird verdoppelt. Klingt gut und soll für 23.000 Impfungen am Tag reichen. Nach SWR-Berechnungen wären allerdings 100.000 nötig. Diese Lücke schließen die Hausärztinnen und -ärzte nicht.

Wir brauchen mehr Ideen, mehr Tempo, mehr Handeln. Die Pandemie ist, leider, nicht vorbei. Jetzt ist nochmal volle Konzentration gefragt. Doch in Baden-Württemberg haben wir stattdessen wieder wertvolle Zeit verloren, im Kampf gegen Corona.

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