Menschen stehen vor einer neu eingerichteten Impfstation des Klinikum Stuttgart in der Innenstadt in einer Schlange. (Foto: dpa Bildfunk, SWR, picture alliance/dpa | Marijan Murat - Montage SWR)

Lange Schlangen und Telefonschleife

Kommentar zu Impfterminen: "Nichts aus dem Frühjahr gelernt"

STAND
AUTOR/IN
Anno Knüttgen

Von gähnender Leere in Impfzentren zurück zu langen Schlangen und verzweifelter Suche nach Impfterminen. Als wären wir wieder im Frühjahr 2021 und hätten nichts aus den Problemen gelernt, kommentiert Anno Knüttgen aus der Redaktion Landespolitik.

Lange Schlangen vor Impfbussen, Menschen, die wieder in Telefonschleifen hängen, um endlich einen Impftermin zu bekommen, Impfstützpunkte, in denen die IT-Ausstattung fehlt - einmal kneifen bitte: Nein, das ist tatsächlich nicht das Frühjahr, das ist der Herbst 2021. Und schon wieder macht uns eine schleppende Impfkampagne zu schaffen.

Und wer hat es verbockt?

Fragt man Politikerinnen und Politiker, dann sagen sie meistens: Es liegt daran, dass sich viel zu wenige Menschen haben impfen lassen. Klar, die großen Impfzentren mussten schließen, weil sie am Ende leer standen. Hätten sich im Sommer mehr Menschen impfen lassen, hätten wir heute viele Probleme nicht. Wir hätten gegen die vierte Welle angeimpft, anstatt jetzt höchstens noch gegen die fünfte.

Anno Knüttgen aus der SWR Redaktion Landespolitik Baden-Württemberg (Foto: SWR)
Die Politik war zu lange mit der Bundestagswahl beschäftigt, anstatt sich um bessere Impfmöglichkeiten zu kümmern, kommentiert Anno Knüttgen aus der SWR Redaktion Landespolitik Baden-Württemberg.

Das ist ein Teil der Antwort. Trotzdem hätte es auch nach Schließung der Impfzentren mehr Impfungen geben können. Wenn mehr niedergelassene Ärzte dafür gesorgt hätten. Viele hat allerdings die enorme Bürokratie abgeschreckt, die mit Corona-Impfungen verbunden ist. Darum hat sich lange niemand gekümmert.

Zu viel Wahl-Bewältigung - zu wenig Verbesserung der Impfmöglichkeiten

Und damit sind wir zurück bei den Politikerinnen und Politiker. Zu lange waren sie damit beschäftigt, die Bundestagswahl aufzuarbeiten, Koalitionsverhandlungen zu führen, ihre Parteien neu zu sortieren - und das bis hinein in die Landesregierungen.

Darüber sind wichtige Dinge untergegangen. So wurde zwar der Druck auf Impfskeptiker erhöht, aber wer hat berücksichtigt, dass dadurch tatsächlich wieder mehr Menschen zum Impfen kommen könnten? Und lange schien niemand eingeplant zu haben, dass von Woche zu Woche mehr Auffrischungen fällig werden.

In Baden-Württemberg gab es immerhin eine gute Idee: Mobile Impfteams gehen zu den Menschen, sind schneller einsatzbereit als große Impfzentren. Aber es dauert schon viele Wochen, um das benötigte Personal zusammenzubekommen.

Impfstützpunkte ohne IT-Ausrüstung

Städte und Gemeinden eröffnen inzwischen eigene Impfstützpunkte, warten aber zum Teil auf die IT-Ausrüstung, um die Impfungen dokumentieren zu können. Laptops wurden im September in den Impfzentren abgebaut und mussten erst noch gewartet werden.

Nach fast zwei Jahren Erfahrungen mit Corona wirkt es immer noch so, als würden wir vieles zum ersten Mal ausprobieren. Nochmal kneifen bitte. Tatsächlich: Herbst 2021. Es ist ein Elend.

Baden-Württemberg

Corona-Impfstrategie Baden-Württemberg will die vierte Corona-Welle ohne die Hilfe von Impfzentren brechen

Die Landesregierung hält an ihrer Impfstrategie fest und baut auf die mobilen Impfteams sowie die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte. Die Impfzentren bleiben somit geschlossen.

Baden-Württemberg

Debatte um Booster-Impfungen Keine Wiedereröffnung von Impfzentren in Baden-Württemberg

Auf den Vorschlag von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Impfzentren wieder zu öffnen, reagiert das baden-württembergische Gesundheitsministerium am Montag abweisend.

Baden-Württemberg

Das Coronavirus und die Folgen für das Land Dienstag, 25. Oktober 2022

Corona-Regeln, Zahlen und Impfungen: Die wichtigsten Entwicklungen rund um das Coronavirus in Baden-Württemberg hier im Live-Blog.

STAND
AUTOR/IN
Anno Knüttgen