Schnells verschwommenes Bild im Krankenhausflur mit Krankenbett und Krankenschwestern (Foto: Getty Images, Thinkstock -)

Krankenhaus-Rating-Report Krankenhäuser in BW hängen am Tropf

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung hat einen Krankenhaus-Rating-Report vorgestellt. Das Fazit: Die wirtschaftliche Lage der Kliniken in Baden-Württemberg ist besonders schlecht.

Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser in Deutschland war 2017 schlechter als im Jahr zuvor. Das geht aus dem am Mittwoch in Berlin vorgestellten Krankenhaus-Rating-Report des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) hervor. Besonders in Baden-Württemberg sieht es nicht gut aus.

Nur etwas über der Hälfte der Krankenhäuser im Land befindet sich in einem wirtschaftlich soliden Zustand. Ein Drittel ist sogar von Insolvenz bedroht. Die restlichen 15 Prozent kommen gerade noch zurecht. Damit steht Baden-Württemberg im Vergleich der Bundesländer mit deutlichem Abstand auf dem letzten Platz. Das ist das Fazit der Wirtschaftsforscher des RWI. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt sind 12 Prozent der Krankenhäuser von Insolvenz bedroht.

Ein leeres Bett wird über den Flur eines Krankenhauses geschoben (Foto: SWR)
Ein Drittel der Krankenhäuser in Deutschland ist von Insolvenz bedroht.

Großen Kliniken geht es besser als kleinen

Eine zentrale Ursache: Erstmals seit 2005 ging die Zahl der Krankenhausbehandlungen zurück, und zwar um 0,5 Prozent auf rund 19,4 Millionen. Insgesamt schneiden große Krankenhäuser besser ab als kleine, Kliniken in freigemeinnütziger und privater Trägerschaft besser als öffentlich-rechtliche Häuser. Auch ein hoher Grad an Spezialisierung beeinflusst das Rating positiv.

Seit Jahren fordern die Wissenschaftler Strukturreformen im deutschen Krankenhauswesen und beklagen eine Unterfinanzierung der Häuser. Die zurückliegenden guten Jahre seien zu wenig genutzt worden. "Der Handlungsdruck dürfte im nächsten Jahrzehnt weiter steigen", sagt Boris Augurzky vom RWI. Außerdem sind die Krankenhausstrukturen aus Sicht der Wissenschaftler in vielen Regionen ungünstig, insbesondere durch hohe Standortdichte, viele kleine Einheiten und eine geringe Spezialisierung.

Lucha: Förderung reicht aus

Der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) macht für den Missstand Mängel in der Betriebskostenfinanzierung der Krankenhäuser im Land verantwortlich. Die schlechten Ergebnisse ließen sich weder durch die Krankenhausstruktur des Landes noch durch ungenügende Förderung erklären. Bei der Investitionsförderung nehme Baden-Württemberg bundesweit eine Spitzenstellung ein, so Lucha.

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