Halsbandsittiche sitzen auf einem Baum. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Martin Gerten/dpa | Martin Gerten)

Klimazukunft 2050

So verändert der Klimawandel die Natur in Baden-Württemberg

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Axel Weiß
Stefanie Peyk
Rafaela Rübsamen

Wir schreiben das Jahr 2050. In der Oberrheinebene gilt der Kuckuck als ausgestorben. Wälder sterben ab, kleine Flüsse trocknen zeitweise aus - ein Szenario in Schlaglichtern.

Durch den Klimawandel wandern bis 2050 rund 2.100 Pflanzenarten nach Europa ein, andere sterben aus. Während in Brandenburg die Artenzahl um ein Drittel abnimmt, nimmt sie in Süddeutschland um knapp ein Drittel zu. Auch in der Tierwelt hat der Klimawandel Gewinner und Verlierer produziert. Lebensräume wurden vernichtet oder haben sich verschoben. Kälteliebende Arten hat es nach Norden gezogen. Tiere, die die Wärme lieben, haben sich bei uns weiter ausgebreitet.

Alle Vögel sind schon da - außer der Kuckuck

2050 gilt der Kuckuck in der Oberrheinebene als ausgestorben. Wenn der Langstreckenzieher aus seinem Winterquartier zurückkehrte, waren seine Wirtsvögel wegen des Klimawandels immer öfter schon fertig mit dem Brüten. Keine Chance, den potentiellen Zieheltern dann noch ein Kuckucksei unterzuschieben.

2050 gibt es im Schwarzwald keine Auerhühner mehr

Nachdem die Zahl der Auerhühner trotz zahlreicher Rettungsbemühungen und Förderprogramme bereits 2016 auf nur noch 400 geschrumpft war, gab der Klimawandel den großen Vögeln den Rest. Immer öfter war im Winter in den Höhenlagen des Schwarzwaldes der Schnee ausgeblieben oder fiel nur kurz und in zu geringen Mengen. Im Schnee hatten sich die Auerhühner aber immer Höhlen zum Schutz gegen Fressfeinde angelegt. Ohne diesen Schutz wurden sie leichte Beute für Füchse oder Habichte. 

Ein wildlebender Halsbandsittich fliegt durch einen Park (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte)
Halsbandsittiche sind Gewinner des Klimawandels. Die Nachfahren entflohener Käfigtiere breiten sich immer weiter aus. picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte

Der Große Abendsegler ist in BW ausgestorben

Der große Abendsegler, eine Fledermaus-Art, wurde Opfer des Klimawandels und auch des Kampfes gegen ihn. Jahrzehntelang machten viele Tiere im Winter Station in Baden-Württemberg. Alljährlich wurden aber Tausende der im Frühjahr und Herbst weite Strecken fliegenden Tiere durch Windkraftanlagen getötet, die lange keine Abschaltautomatik besaßen. Dazu kamen die Zerstörung von Quartieren in alten Häusern aufgrund energetischer Gebäudesanierungen und ein Mangel an Nahrungsinsekten. Den Rest gab der Fledermaus-Art, die sich wie ein Zugvogel verhält, dann der Klimawandel hierzulande. Die Klimaerwärmung beeinflusste das Wanderverhalten: Ihre Überwinterungsgebiete verlagerten sich 200 Kilometer nach Norden. Bis 2100 werden es sogar um 500 Kilometer sein. 

Im Südwesten gibt es 2050 kaum noch Igel

Die Insektenfresser sind verhungert, weil durch gestiegene Temperaturen ihre Winterstarre zu früh abgebrochen wird. Solange es kühl genug ist, fahren Igel zwischen November und April ihren Stoffwechsel herunter und schlafen. Werden sie zu früh wach, finden sie zu wenig zu fressen, um zu überleben.

Ein junger Igel (Erinaceus europaeus) in einem Garten (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Jonas Walzberg)
Auch die Igel könnten es durch den Klimawandel schwer haben. picture alliance/dpa | Jonas Walzberg

Halsbandsittiche haben sich ausgebreitet

Die grünen Halsbandsittiche stammen ursprünglich aus den Savannen Afrikas. Die Nachfahren entflohener Käfigtiere haben sich ab 1990 zunächst entlang des Rheins in Parks angesiedelt. 2050 sind sie in allen größeren Städten des Landes zu finden. Mittlerweile werden die Papageienvögel immer wieder bejagt und vertrieben, weil sie nicht nur sehr lärmend leben, sondern vor allem, weil sie gern in die Wärmedämmung der Häuser Löcher hacken, um darin zu nisten.

Längere Vegetationszeit hat Vor- und Nachteile

In der Periode von 1971 bis 2000 war die Vegetationszeit, in der Pflanzen aktiv sind und wachsen, in Baden-Württemberg rund 239 Tage lang, nach 2070 wird sie voraussichtlich 52 bis 69 Tage länger sein. Das ist einerseits schön, da die Pflanzen mehr Zeit zum Wachsen haben. Es gibt aber vor allem ein Problem: Es treten immer häufiger Frostschäden auf, weil noch Spätfröste möglich sind, die dann die Pflanzen im bereits aufgeblühten Zustand erwischen. Die Blüten sterben ab, die Ernten fallen aus.

Eingewanderte Pflanzen können Probleme machen

Unter den eingewanderten Pflanzen sind auch gefährliche wie der Riesenbärenklau, der voraussichtlich 2050 eine Landplage geworden ist. Nach Berührung mit der über zwei Meter hohen Pflanze kommt es leicht zu Verbrennungen der Haut. Besonders Kinder sind betroffen und können nicht mehr ohne Beaufsichtigung oder vorherige Kontrolle des Gebiets draußen spielen.

Der Schwarzwald ist kaum wiederzuerkennen

Die Höhenstufen im Schwarzwald haben sich durch drei Grad höhere Temperaturen um 300 bis 500 Meter nach oben verschoben. Die Hochlagen sind geprägt durch Wassermangel und sinkende Grundwasserspiegel. Bodensaure Nadelwälder sind in den Höhenlagen des Südschwarzwalds völlig verschwunden. Aber auch Borstgrasflächen und Bergmähwiesen gibt es fast keine mehr. Es ist zu trocken und zu warm. Während der Bergahorn sich in den Wäldern halten kann, hat die Buche selbst auf 1.000 Höhenmetern massive Probleme. Ihr fehlt im Hochsommer das Wasser. Dafür wird im Hochschwarzwald auf ersten Feldern Mais angebaut. Die nördlichen und mittleren Schwarzwaldhänge zum Rheintal sind inzwischen frei von Fichten und Kiefern. Nur die Douglasie hat die Trockenheit ausgehalten, wenn sie auch immer wieder durch Schadpilze geschwächt wird. Am besten machen sich Eichen und Esskastanien.

Die Wassertemperaturen im Rhein sind 2050 um zwei Grad gestiegen

Das klingt zunächst nach wenig, bedeutet aber, dass vor allem im Sommer der Sauerstoffgehalt des Wassers deutlich abnimmt. Das wiederum heißt Stress für viele Wassertiere und kann auch zu Fischsterben führen. Für die Schifffahrt auf dem Rhein wird Niedrigwasser immer öfter zum Problem.

Kleine Flüsse und Quellen trocknen im Sommer zeitweise aus

Erstmals hatte sich das bereits im trockenen Jahr 2018 gezeigt: die Dreisam, die durch Freiburg zum Rhein fließt, trocknete im Bereich des Kaiserstuhls zeitweilig aus. Und auf der Schwäbischen Alb wurde die Schmiecha trocken. Regional versiegen vor allem in Karstgebieten wie der Alb inzwischen selbst Quellen, die früher auch in trockenen Jahren noch Wasser gegeben hatten. Aus zahlreichen Quellen fließt gar kein Wasser mehr.

Giftige Bakterien verhindern das Baden in den Seen

Noch 2021 waren die allermeisten Gewässer und Badeseen in Baden-Württemberg in einem guten Zustand, war das Baden ein verbreitetes sommerliches Vergnügen und bot willkommene Abkühlung. Durch die Erwärmung kam es aber immer häufiger zur Verbreitung von Blaualgen, die das Wasser mit giftigen Stoffen belasteten. Baden wurde so immer seltener möglich. Sauerstoffmangel sorgte auch für ein häufiges Umkippen von immer mehr Seen, die zudem oft schon im Frühsommer völlig mit Grünalgen zuwuchsen.

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