Klimaktivisten mit Fahnen bei einer Kundgebung von Fridays for Future (FFF) in Karlsruhe (Foto: SWR)

Erneuter Aktionstag

Klimastreik in BW: Fridays for Future möchte Druck auf Ampel-Parteien erhöhen

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Die Klimabewegung Fridays for Future hat bei Kundgebungen in mehreren Städten in Baden-Württemberg zu schnellem Handeln aufgerufen. Anlass sind die Koalitionsverhandlungen in Berlin.

Während SPD, Grüne und FDP in Berlin ihre Verhandlungen über eine Ampel-Koalition fortsetzen, sind Klimaaktivistinnen- und aktivisten am Freitag wieder auf die Straße gegangen, um ihre Forderungen an die Politik zu untermauern. Die Bewegung Fridays for Future (FFF) hatte in Baden-Württemberg unter anderem zu Kundgebungen in Bühl (Kreis Rastatt) und auf dem Marktplatz in Karlsruhe aufgerufen.

"Es gibt immer noch viel Spielraum in den Koalitionsverhandlungen und jetzt müssen wir Druck von der Straße aufbauen", so Frederik Knoblauch, der Sprecher der Karlsruher Ortsgruppe von Fridays for Future. "Damit das Klima ganz nach oben auf die Tagesordnung kommt."

500 Teilnehmende bei Kundgebung in Karlsruhe

Rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen am Vormittag zum Demonstrationszug durch die Karlsruher Innenstadt. Neben der Einhaltung des 1,5 Grad Ziels forderten sie die Abschaltung des Kohlekraftwerks RDK7 in Karlsruhe. Auch in Stuttgart gab es eine Aktion der Klimabewegung.

Klimaktivisten bei einer Kundgebung von Fridays for Future (FFF) in Karlsruhe (Foto: SWR)
Klimaktivisten und Klimaktivistinnen in Karlsruhe fordern ein schnelles Handeln beim Klimaschutz von der künftigen Bundesregierung.

Zentrale Aktion am Brandenburger Tor

Bundesweit die größte der Demonstrationen fand in Berlin statt. Aufgerufen hatten dazu neben Fridays for Future über 80 Organisationen, darunter Attac und Greenpeace. Unter dem Motto "Ihr lasst uns keine Wahl" zogen mehrere Tausend Demonstrierende vom Brandenburger Tor durch das Regierungsviertel. Nach Polizeiangaben wurde die angemeldete Zahl von 10.000 Teilnehmenden nahezu erreicht. Laut Veranstalter waren etwa 3.000 Teilnehmende aus dem gesamten Bundesgebiet angereist. Die Demonstrantinnen und Demonstranten riefen unter anderem "Unsere Zukunft ist nicht verhandelbar" und "Hoch mit dem Klimaschutz, runter mit der Kohle". Auf Transparenten hieß es etwa "Power to the People", "Klimakrise ist jetzt" und "We need action".   

Fridays for Future fordert von der künftigen Bundesregierung unter anderem ein Klima-Sofortprogramm für die ersten 100 Regierungstage. So sollen Hindernisse beim Ausbau der Sonnen- und Windenergie ausgeräumt werden und ein verbindlicher Kohleausstieg bis 2030 beschlossen werden. "Die Zeit der Ausreden ist vorbei", so FFF-Bundessprecherin Luisa Neubauer.

Kritik an Schulschwänzenden

Während in Berlin und einigen anderen Bundesländern gerade Herbstferien sind, dürften unter den Demonstrierenden in Baden-Württemberg auch wieder viele Schülerinnen und Schüler gewesen sein, die dafür den Unterricht schwänzten. Der Deutsche Lehrerverband hat das wiederholt kritisiert.

Man lehne es ab, dass die Schulpflicht zugunsten politischer Aktionen aufgehoben wird, so Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger. Das gefährde die politische Neutralität des Staates, der für den Schulbetrieb verantwortlich sei. Es stelle sich die Frage, für welche politischen Aktionen man schulfrei bekommen würde und für welche nicht. "Schule darf nicht zwischen guten und schlechten Aktionen unterscheiden."

Zuletzt über eine halbe Million Teilnehmende

Der letzte bundesweite Klimastreik fand erst vor wenigen Wochen am 24. September statt. Zwei Tage vor der Bundestagswahl demonstrierten damals Menschen in mehr als 470 deutschen Städten. Allein in Freiburg kamen 12.000 Menschen zusammen. Auch in Stuttgart, Karlsruhe, Heidelberg, Ulm nahmen tausende Menschen an den Kundgebungen teil. Fridays for Future bezifferte die Gesamtzahl aller Teilnehmenden auf 620.000.

"Eine Protest-Bewegung muss nerven!"

Den Erfolg von Fridays for Future führt Julia Zilles, Protestforscherin an der Uni Göttingen, darauf zurück, dass die Bewegung strategisch einiges richtig gemacht habe. Im SWR-Interview erklärt sie: "Zum einen haben sie ein Thema besetzt, das bisher nicht ausreichend bearbeitet wurde, und konnten eben mit sehr viel Nachdruck auf dieses Thema setzen. Und sie haben es auch geschafft, durch die Protestform des wöchentlichen Streikens eine dauerhafte Mobilisierung herzustellen."

Dass inzwischen mancher von Fridays for Future genervt sei – auch Menschen, die Klimaschutz eigentlich wichtig finden – spricht aus Zilles‘ Sicht nicht gegen, sondern für die Bewegung. "Eine Protestbewegung darf sehr gerne unbequem sein und in der Kritik stehen. Eine Protestbewegung, die versucht, es allen recht zu machen, schafft sich selbst ab. Es würde nicht mehr berichtet werden, und sie würde keine Aufmerksamkeit mehr für das Thema erhalten. Da macht Fridays for Future es genau richtig, dass sie nach wie vor nerven und ein Stachel sind."

Geschickt sei außerdem, so die Protestforscherin, "dass sie immer gesagt haben: Eigentlich fordern wir ja nur von der Politik ein, dass sie sich an bereits geschlossene Verträge hält und Dinge umsetzt." Zilles ist sich sicher, dass die Bewegung noch länger präsent sein wird, um Klimaschutzmaßnahmen einzufordern.

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SWR