Ausgedoerrter Nadelholzwald , abgestorbene Baeume im Schwarzwald nahe Furtwangen. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Winfried Rothermel | Winfried Rothermel)

Trockenheit, Unwetter, Hochwassergefahr

Klimafolgen in BW: Oberrheingraben, Rhein-Neckar-Raum und Mittelgebirge besonders betroffen

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Oliver Linsenmaier
Bild von Oliver Linsenmaier (Foto: privat)

Wegen der globalen Erderwärmung dürfte das Wetter in Zukunft immer extremer werden. Das könnte manche Regionen in Baden-Württemberg komplett verändern. Doch es gibt erhebliche regionale Unterschiede.

Die negativen Auswirkungen des Klimawandels werden sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten auch in Baden-Württemberg immer stärker bemerkbar machen. Laut Landesanstalt für Umwelt (LUBW) werden sich die Menschen rund um den Oberrheingraben und im Rhein-Neckar-Raum auf spanische Temperaturen einstellen müssen. Im Schwarzwald dürfte die 30-Grad-Marke im Sommer regelmäßig geknackt werden, während es im ganzen Land im Winter wohl massive Niederschläge geben wird. Ein Überblick.

Hitze und Trockenheit verändern Baden-Württemberg

In ganz Baden-Württemberg wird es in den kommenden Jahren immer wärmer werden. Besonders heiß wird es dann aber im Rhein-Neckar-Raum. Schon jetzt werden hier die höchsten Temperaturen im Land gemessen. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Nur das Niveau wird sich weiter nach oben verschieben. Laut Expertinnen und Experten der LUBW könnte die Jahresmitteltemperatur im Rhein-Neckar-Raum gegen Ende des Jahrhunderts im schlechtesten Fall bei bis zu 16 Grad liegen. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg lag die Jahresmitteltemperatur im etwas kühleren Jahr 2021 bei 8,8 Grad, im sehr heißen Jahr 2020 waren es 10,2 Grad.

Der Temperaturanstieg würde für die Menschen am Oberrheingraben bedeuten, dass die 30-Grad-Marke im Sommer viel häufiger geknackt wird. Aktuell sind es etwa 20 heiße Tage pro Jahr, künftig könnten es bis zu 60 Tage mit mehr als 30 Grad sein.

Doch schon jetzt sieht SWR-Wetterreporter Michael Kost, wie sich die Landschaft zwischen Basel und Mannheim verändert:

Doch werden die Temperaturen überall im Land steigen. Laut Modellrechnungen der LUBW könnte es in den Hochlagen des Schwarzwaldes durchschnittlich so warm werden, wie aktuell am Oberrheingraben - der wärmsten Region Baden-Württembergs. Zudem würde auch die Zahl der heißen Tage mit Temperaturen über 30 Grad im Schwarzwald auf 20 pro Sommer steigen.

Wegen aktueller Trockenheit: Probleme bei Umstellung von Forstwirtschaft

Extreme Trockenheit und geringe Niederschläge werden aus der Sicht von Kost in Zukunft zu erheblichen Problemen führen, wie beispielsweise dem Absinken des Grundwasserspiegels. Schon jetzt trocknen in Baden-Württemberg manche Flüsse teil- und zeitweise aus, wie beispielsweise die Dreisam. Auch die Land- und Forstwirtschaft müsse umgestellt werden. Doch das Gegensteuern sei aufgrund der aktuellen Trockenheit gar nicht so einfach, meint Kost: "Die jungen Pflanzen, die jetzt in den Waldumbau investiert wurden, müssen intensiv bewässert werden. Sonst vertrocknet die Zukunft im eigenen Wald. Das ist schon dramatisch, wenn man das sieht."

Niederschläge und Unwetter in BW nehmen zu

Eine negative Entwicklung sieht die LUBW auch bei den Niederschlägen. Diese werden regional weiterhin stark variieren. Allerdings wird es künftig im Sommer wohl immer trockener, im Winter dagegen immer nasser, milder und größtenteils frostfrei. Der Niederschlag würde sich also stärker auf die vierte Jahreszeit konzentrieren.

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Gefahr von Hochwasserkatastrophen wird größer

Außerdem gehen die Expertinnen und Experten davon aus, dass Starkregenereignisse zunehmen werden und damit auch die Gefahr von Hochwasserkatastrophen steigt. Das sieht auch Wetterreporter Kost: "Wenn die Temperaturen höher sind und mehr Energie in der Luft ist, werden auch die Unwetter kräftiger. Kurzzeitige Starkregenereignisse in Verbindung mit der Trockenheit werden das verschärfen, denn die ausgetrockeneten Böden können die Feuchtigkeit gar nicht aufnehmen. Das ist wie versiegelt und dann schießt das Wasser darüber hinweg."

Besonders gefährlich könnte es laut Kost in den Mittelgebirgen werden. Überall da, wo es enge Täler und Bäche oder Flüsse gibt, sei ein gewisses Potential vorhanden. Also im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb, im Odenwald und dem Allgäu. "Über dem Bergland bilden sich schneller Gewitter als über dem Flachland. Und überall da ist man in Folge von Extremwetter einer größeren Gefahr von Hochwasser und Überschwemmungen ausgesetzt", sagt der Wetterexperte.

Dabei verweist Kost neben der noch sehr präsenten Flutkastastrophe im Ahrtal in Rheinland-Pfalz auch auf Braunsbach im Kreis Schwäbisch Hall. Dort hatte im Mai 2016 eine Flutwelle den Ortskern überrollt. Über 100 Gebäude wurden stark beschädigt, es entstand ein Gesamtschaden von rund 100 Millionen Euro. 

Metropolregionen an großen Flüssen in BW gefährdet

Darüber hinaus verweist die LUBW auf die beiden großen Flüsse in Baden-Württemberg, den Rhein und den Neckar. Diese würden bei extremem Hochwasser "sehr hohe Schadenspotentiale" aufweisen, "vor allem in den Metropolregionen Rhein-Neckar sowie Stuttgart". Doch auch fernab von den großen und auch kleinen Gewässern könnten sich durch extremen Starkregen lokale Überflutungen ergeben, warnt die LUBW.

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Belastung durch Ozon steigt

Derweil wird über die Ozonbelastung heutzutage kaum noch gesprochen. Doch durch die globale Erwärmung könnte sie künftig wieder stärker in den Fokus rücken. Denn: "Eine verstärkte Ozonbildung tritt dabei besonders an Sommertagen bei stabilen Hochdruckwetterlagen mit starker Sonneneinstrahlung, hohen Lufttemperaturen und Trockenheit auf", teilt die LUBW mit.

Zwar sind die Ozonbelastungen im Land in der Spitze seit den 1990er Jahren zurückgegangen. Doch die mittlere Ozonbelastung nimmt zu. Auch der Zielwert zum Schutz der Gesundheit sei in den vergangenen Jahren zunehmend überschritten worden, erklärt die LUBW. Dass dieser Trend im vergangenen kühlen Sommer 2021 unterbrochen wurde, werten die Expertinnen und Experten als Beleg für einen Anstieg in den kommenden Jahren und Jahrzehnten, wenn es wärmer wird.

Hitzewellen mit wenig Wind problematisch

"Potential für weiterhin hohe Ozonkonzentrationen haben immer noch und immer wieder heiße, trockene und strahlungsintensive Sommer wie beispielsweise die Sommer der Jahre 2003, 2015 und 2019", heißt es von der LUBW. Vor allem Hitzewellen mit windschwachen Hochdrucklagen führten dazu, dass die Konzentration von Ozon deutlich ansteigt - so beispielsweise auch in diesem Sommer.

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Aktuell ist die Ozonbelastung an den Stadträndern und in den ländlichen Gebieten in Baden-Württemberg höher als in den Städten. Das liegt laut LUBW vor allem daran, dass Stickstoffmonoxid, welches in Autoabgasen enthalten ist, zum Abbau von Ozon beiträgt. Außerdem wird die Ozonbildung neben der Sonneneinstrahlung auch durch sogenannte Vorläufersubstanzen begünstigt. Diese werden zwar vor allem in den Städten produziert, aber oftmals durch Winde aufs Land hinausgetragen.

Ozonbelastung in Städten wird wohl steigen

Für Baden-Württemberg bedeutet das: Die Ozonbelastung wird in Zukunft wohl wieder zunnehmen. Falls sich der Austoß von Stickstoffoxiden in den Städten reduzieren lässt, bedeutet das kurioserweise, dass dort die Belastung steigen wird. Ob sich die Belastung im Gegenzug in ländlichen Regionen verringert, kann die LUBW aktuell noch nicht einschätzen.

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