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Die Corona-Zwangspause macht sich auch bei den Kinobetreibern in Baden-Württemberg bemerkbar. Während Autokinos im Land boomen, wird die Luft für die klassischen Kinos trotz Finanzhilfen dünner.

Die Corona-Krise verlangt Kino-Fans und Betreibern viel Geduld ab. Manche fragen sich, wie lang sie die Zwangspause noch durchhalten. Die Corona-Krise könnte nach Ansicht von Sascha Keilholz, dem neuen Chef des Filmfestivals Mannheim-Heidelberg, schlimmstenfalls das Ende etlicher Programm-Kinos bedeuten.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Keilholz: Corona könne ein Kinosterben auslösen

"Es trifft alle ähnlich hart, die Programm-Kinos trifft es aber am schmerzlichsten, während kommunale Kinos in der Regel von den Gemeinden unterstützt werden und viele konzerngeführte Multiplexe noch Reserven haben", sagte Keilholz. Corona könne ein Kinosterben auslösen - nach Jahren einer leicht ansteigenden Zahl der Filmtheater, insbesondere in städtischen Gebieten.

Zudem verändert sich das Verhalten der Kunden - davon profitieren in erster Linie Streamingdienste wie Netflix und Amazon. "Wenn neue Filme zuerst online laufen, geht den Kinos die Exklusivität verloren und sie haben immer weniger Zeit, einen Film auszuwerten und damit auch weniger Einnahmen", so Keilholz.

Landesverband fordert Notfall-Hilfen

Die Klagen der Kinos bleiben nicht ungehört: So bekommt jedes gewerbliche Kino im Land, das im vergangenen Jahr einen Preis der Medien- und Filmgesellschaft des Landes Baden-Württemberg (MFG) erhielt, einen Zuschlag von 5.000 Euro. Davon profitieren rund 60 Art-House-Kinos von 255 Kinos zwischen Main und Bodensee. Zudem verzichtet die MFG in diesem Jahr auf alle Rückzahlungen aus Kinoinnovationsdarlehen. Die MFG-Aufsichtsratsvorsitzende, Staatssekretärin Petra Olschowski, betont: "Wir brauchen die Kinos als Orte des sozialen Zusammenhalts und als kulturelle Zentren."

Autos stehen um 20:05 Uhr im Drive In Autokino. Im Gegensatz zu herkömmlichen Kinos darf das Autokino trotz der Ausbreitung des Coronaviruses offen bleiben, es keinen Kundenkontakt gibt. So findet der Ticketverkauf findet nur online statt und die Snackbar ist geschlossen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa (Archiv))
Während herkömmliche Kinos wegen des Coronavirus geschlossen bleiben müssen, sind die Autokinos - wie hier in Kornwestheim - gut besucht (Archiv). picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa (Archiv)

Die kommunalen Kinos sehen sich zwar in Bedrängnis, sind aber anders als Programmkinos nicht nur auf Einnahmen aus Tickets angewiesen. In Baden-Württemberg legt das Land die Hälfte der jeweiligen kommunalen Zuschüsse obendrauf. Der Verband Kommunale Kinos Baden-Württemberg befürchtet trotzdem Insolvenzen. Denn nicht jede Kommune werde und könne finanziell einspringen. Ein spezieller Notfalltopf des Landes tue not, heißt es in einem Brief des Landesverbandes an das Kunstministerium. "Kino ist Lebensmittel und gehört zur Daseinsvorsorge", meint Verbandsvorstand Reiner Hoff.

Hoffnungsschimmer Autokino?

Kinoerlebnisse garantieren derzeit nur Autokinos, darunter das traditionelle Autokino in Kornwestheim bei Stuttgart. Autokinos ermöglichen während der Corona-Krise das Filmerlebnis im Großformat ohne gegen die Abstandsregeln zu verstoßen. Wegen der neuen Besucheranstürme kommt es sogar vermehrt zu Staus.

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