Junge Leute sitzen an einem Tisch zusammen und stoßen mit ihren Gläsern an. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich)

Neue Corona-Verordnung in Baden-Württemberg

Keine Beschränkungen bei privaten Treffen ab Montag - Schüler in Freizeit von Testpflicht befreit

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Am Montag soll die neue Corona-Verordnung in Baden-Württemberg in Kraft treten. Im privaten Bereich wird es dann keinerlei Beschränkungen und Auflagen mehr geben - vorerst.

Private Zusammenkünfte und Feiern werden mit der neuen Verordnung völlig frei gegeben. "Das gilt für die gesamte Bevölkerung", sagte der Amtschef im baden-württembergischen Sozialministerium, Uwe Lahl, im Interview mit dem SWR. Es könne allerdings sein, dass irgendwann Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte ausgesprochen würden - und zwar dann, wenn bei ihnen eine zu hohe Infektionsrate festgestellt würde.

PCR-Tests bei Stadionbesuchen und Popkonzerten

Überall dort, wo Besucherinnen und Besucher engen Körperkontakt haben, müssen Menschen ohne Corona-Impfung in Baden-Württemberg voraussichtlich einen negativen PCR-Test vorlegen - also auch in Stadien. "Der Torschrei in einem Fußballstadion ist auch mit intensivem Körperkontakt verbunden. Das haben wir bei der Europameisterschaft gesehen", erläuterte Lahl. Engen Körperkontakt gebe es auch bei Popkonzerten.

Wenn sich vor der Bühne Pulks bildeten, würden Abstände nicht eingehalten. Anders bei Konzerten mit Sitzplatz, so Lahl. Hier würden Ungeimpfte keinen PCR-Test, sondern nur einen Schnelltest benötigen. Das gilt auch für Friseur- oder Restaurantbesuche. Die Tests muss dann jeder selbst zahlen. Bei den teureren PCR-Tests geht Lahl davon aus, dass sie mittelfristig zwischen 30 und 40 Euro kosten.

Die 3G-Regel soll nach dem Willen von Bund und Ländern die Einschränkungen nach Inzidenzen ablösen - in Baden-Württemberg schon ab Montag. SWR-Redakteur Markus Pfalzgraf mit den Details.

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Tests für Kinder nur in der Schule

"Die Kinder sind frei, die müssen sich nicht testen lassen", erläuterte der Amtschef weiter. Schüler und Schülerinnen würden nach den Ferien zweimal pro Woche in den Schulen getestet. Das reiche auch für Restaurantbesuche außerhalb der Unterrichtszeit aus. Es müsse lediglich ein Schülerausweis oder eine Bescheinigung vorgelegt werden. "Über 18 haben sie dann die Erwachsenen, die auch Schüler sein können, und für die gilt natürlich impfen", sagte Lahl.

Kinder, die noch nicht zur Schule gehen, seien sowieso weiterhin von der Testpflicht ausgenommen. Das Testen in den Kitas erfolge nur in Absprache mit den Eltern.

Weihnachtsmarkt soll wieder stattfinden

Zum Volksfest auf dem Cannstatter Wasen sagte Lahl, das sei verschoben, könne aber im nächsten Jahr wieder stattfinden. Auch für den diesjährigen Weihnachtsmarkt sieht der Amtschef gute Chancen. Bei allem würde gelten: Maske, Abstand und bei Indoor-Veranstaltungen für nicht Geimpfte Tests.

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Neuer Indikator und Prognosen sollen Risiko minimieren

Die neue Corona-Verordnung soll am Wochenende beschlossen werden und am Montag in Kraft treten. Die Inzidenzwerte sollen dann nicht mehr das einzige Kriterium sein, das die Einschränkungen bestimmt. Die Industrie- und Handelskammer Ulm hält dies für einen Vorteil. Andere wiederum kritisieren den Ansatz. "Die Inzidenz spielt weiterhin eine Rolle. Wir werden sie weiterhin auswerten. Genauso wie die Hospitalisierung, die Anzahl der Menschen, die geimpft sind, die Anzahl der Menschen, die auf Intensivstationen liegen", sagte Lahl. Aus diesen Faktoren soll das Risiko für die Bevölkerung eingeschätzt werden.

Der Amtschef des baden-württembergischen Sozialministeriums selbst findet es wichtig, die Belegung der Intensivstationen im Blick zu haben. "Die Inzidenz ist der Anfang einer Kette. Danach kommt die Hospitalisierung und danach kommt die Intensivbehandlung", erklärte Lahl. In den kommenden Wochen soll ein neuer Indikator entwickelt werden. In Zukunft soll es jeden Tag eine Prognose geben, die angeben, wie die Belegung der Intensivbetten in drei Wochen aussehen könnte.

Aktuelle Corona-Situation in Baden-Württemberg

Die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz in Baden-Württemberg ist erneut leicht gestiegen. Sie lag laut Landesgesundheitsamt am Mittwoch (Stand: 12.8., 16 Uhr) bei 23,7. Innerhalb eines Tages wurden offiziell 599 Neuinfektionen gemeldet. Seit Beginn der Pandemie wurden damit 10.434 Todesfälle im Land registriert. Auf den Intensivstationen sind laut DIVI-Intensivregister aktuell 513 Covid-19-Erkrankte in intensivmedizinischer Behandlung. Insgesamt sind derzeit 2.002 Intensivbetten von betreibbaren 2.362 Betten (84,8 Prozent) belegt.

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