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Die Debatte um den fehlenden Impfstoff erreicht nun auch Baden-Württemberg. Obwohl die meisten Kreisimpfzentren startklar sind, verzögert sich der Impfstart gegen das Coronavirus.

Die anhaltenden Engpässe bei der Impfstofflieferung bringen nun auch den Zeitplan der baden-württembergischen Impfkampagne durcheinander. In den rund 50 Kreisimpfzentren (KIZ) werden die ersten Spritzen deshalb eine Woche später als ursprünglich geplant aufgezogen. "Grund hierfür sind die Impfstofflieferungen durch den Bund", teilte das Landesgesundheitsministerium am Donnerstag in Stuttgart mit. Das Land habe bisher knapp 170.000 Impfdosen erhalten, die alle bereits verimpft oder verplant seien. Eine weitere Lieferung mit 82.875 Impfstoffdosen wird für dieses Wochenende erwartet.

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"Es ist nicht möglich und auch nicht sinnvoll, diesen Impfstoff eine Woche lang bis zum Start der Kreisimpfzentren zu bunkern", sagte Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne). "Wir haben immer gesagt: Jede Impfdosis, die hier ankommt, wird auch sofort verimpft." Es mache daher keinen Sinn, die Infrastruktur in den Kreisimpfzentren hochzufahren, wenn kein Impfstoff zur Verfügung stehe.

Lucha kündigte deshalb mehr Tests für Pflegeheime im Land an. "Ab sofort wird das Personal täglich getestet", sagte er dem "Badischen Tagblatt" (Freitag). "Oberstes Ziel muss es sein, die vulnerablen Gruppen bestmöglich zu schützen." Bislang werden die Beschäftigten in den Heimen zwei Mal in der Woche getestet.

BW soll bis Mitte Februar 692.000 Impfdosen erhalten

Erst am 18. Januar wird es laut Biontech weiteren Impfstoff an den Bund geben, der nach Angaben Luchas anteilig den Kreisimpfzentren zur Verfügung gestellt werden soll. Die Verzögerung um vier Tage bis zum neuen Start der KIZ erkläre sich durch den Ablauf, sagte sein Sprecher. Laut Vertrag lägen die Dosen am 20. Januar in Baden-Württemberg vor, danach würden sie aufgetaut und vorbereitet. "Zur Sicherheit haben wir den 22.01. genommen, damit es keine Probleme gibt, falls irgendwo eine Verzögerung auftritt", sagte der Sprecher weiter. Insgesamt soll Baden-Württemberg bis Mitte Februar mehr als 692.000 Dosen erhalten.

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Kritik an Gesundheitsminister Spahn

In den vergangenen Tagen war breite Kritik an der Strategie der Bundesregierung und auch der Länder für das Beschaffen, Verteilen und Spritzen der Impfdosen laut geworden. Oppositionspolitiker und Landespolitiker hatten Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorgeworfen, dass der Impfstart schlecht laufe und er dafür verantwortlich sei. Der Fraktionsvize der FDP im Bundestag, Michael Theurer, hatte einen Untersuchungsausschuss ins Spiel gebracht, die Linke will eine Sondersitzung des Bundestags beantragen und auch der Berliner Koalitionspartner SPD lässt mit seiner Kritik an der Beschaffung von Impfstoffen gegen das Coronavirus nicht locker.

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Moderna-Zulassung führe kurzfristig zu keiner Verbesserung

Eine Entspannung auf kurze Sicht erhofft sich das Landesgesundheitsministerium auch nicht durch die jüngste EU-Zulassung des Impfstoffes des US-Unternehmens Moderna. "Es ist gut, dass nun ein weiterer Impfstoff zugelassen wurde", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Dies werde die Situation auf längere Sicht entspannen. "Von heute auf morgen ist jedoch auch durch den Moderna-Impfstoff keine nennenswerte Steigerung der Impfungen im Land möglich, da die Lieferungen nach Baden-Württemberg - wie in allen anderen Bundesländern - wohl weiterhin auf niedrigem Niveau bleiben", sagte er weiter.

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Etwa 800 Impfungen täglich in KIZ geplant

In Baden-Württemberg soll es insgesamt 50 KIZ geben, die meisten davon sind bereits startklar. Weitere neun Zentrale Impfzentren (ZIZ) setzen seit Ende Dezember die ersten Spritzen in Freiburg, Offenburg (Ortenaukreis), Karlsruhe und Heidelberg sowie in Rot am See (Kreis Schwäbisch Hall), Tübingen und Ulm. In Stuttgart werden zwei ZIZ ausgestattet, auch in Mannheim gibt es ein großes Impfzentrum. Während die ZIZ bereits seit Mitte Dezember betriebsbereit sind, sollte es auf Kreisebene eigentlich ab dem 15. Januar 2021 losgehen. Nach den Berechnungen des Ministeriums sind für die Kreisimpfzentren täglich etwa 800 Impfungen geplant. Später im Jahr soll die Impfung auch beim Hausarzt möglich sein.

Über 10.000 Freiwillige wollen Impfzentren unterstützen

Bisher haben sich landesweit über 10.000 freiwillige Helfer für den Einsatz an Impfzentren gemeldet. Die Resonanz sei überwältigend und zeige die große Hilfsbereitschaft in der aktuellen Situation, sagte Regierungspräsidentin Sylvia Felder (CDU) am Donnerstag in Karlsruhe. Die vier Regierungspräsidien im Land übernehmen die Koordination der Meldungen und leiten diese an die Betreiber der örtlich zuständigen Impfzentren weiter. Die Behörden bitten die Freiwilligen um Verständnis dafür, dass es aufgrund der großen Resonanz und den organisatorischen Herausforderungen beim Aufbau der Zentren derzeit zu Verzögerungen bei der Rückmeldung kommen kann. Grundsätzlich erfolge eine Kontaktaufnahme unmittelbar durch die Impfzentren, falls dort ein entsprechender Unterstützungsbedarf bestehe. "Allerdings wird der Impfprozess noch eine lange Zeit andauern, so dass auch eine spätere Kontaktaufnahme nicht ausgeschlossen ist."

Bisher 42.899 Impfungen in BW

Bis Donnerstag wurden laut Ministerium landesweit 42.899 Menschen geimpft. Die meisten der bundesweit Geimpften wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts aus beruflichen Gründen geimpft. Es kann sich dabei zum Beispiel um Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte mit sehr hohem Ansteckungsrisiko und um Personal in der Altenpflege handeln. Zudem wurde das Präparat inzwischen bundesweit mehr als 168.000 Bewohnern von Pflegeheimen verabreicht. Die Impfungen können derzeit auch wegen hohen Alters und/oder aus medizinischem Anlass geboten sein.

Impfdosen werden wegen zweiter Impfung zurückgehalten

In Baden-Württemberg erklärt sich die Diskrepanz zwischen den 170.000 erhaltenen Impfdosen und den bislang mehr als 42.000 gespritzten Portionen unter anderem durch die notwendige zweite Impfung, für die etwa die Hälfte der Lieferungen zurückgehalten wird.

"Zweitens kommt es letztlich auf die Strategie an", sagte der Ministeriumssprecher. "Ein Bundesland, das zunächst vor allem auf mobile Impfteams in Pflegeheimen setzt, wird am Ende auch eine niedrigere Impfquote haben als ein Land, das am Anfang bereits stark in Zentren impft." Impfungen durch mobile Teams in Heimen müssten geplant, die Anfahrten organisiert werden. "Es vermag zwar auf den ersten Blick in der Statistik besser aussehen, schnell zu impfen", sagte der Ministeriumssprecher. Es mache aber am Ende keinen Unterschied, denn der Impfstoff sei überall Mangelware und es könne nur genutzt werden, was geliefert werde.

Kritik an Lucha von der FDP

Die FDP gibt sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden. Lucha habe stets gewusst, wie viel Impfstoff das Land erhalte. "Wenn er nun behauptet, es sei zu wenig geliefert worden, so will er nur von seiner eigenen organisatorischen Überforderung ablenken", sagte FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke. Er schlug erneut vor, ältere Menschen durch die Krankenkassen einladen zu lassen.

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