Einsatzkleidung der Feuerwehr hängt an einer Wand. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Bodo Schackow)

Schutz der Bevölkerung

Katastrophenschutz in BW fehlt die Ausrüstung - Bund will weitere Gelder streichen

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Ein Blackout, Waldbrände, Überschwemmungen - die Szenarien sind vielfältig. Besonders die Flutkatastrophe im Ahrtal hat gezeigt, wie wichtig der Bevölkerungsschutz ist.

Eine gute Ausrüstung sei für den Bevölkerungsschutz immer wichtiger, betonen Katastrophenhelferinnen und -helfer in Baden-Württemberg. Sie fühlen sich in vielen Regionen des Landes vom Bund im Stich gelassen. Der wiederum will künftig bundesweit über 100 Millionen Euro beim Bevölkerungsschutz streichen.

Stefan Hermann ist Kreisbrandmeister im Zollernalbkreis und Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbandes. Er sagte dem SWR, dass der Bevölkerungsschutz in Baden-Württemberg nicht für jede Lage ausreichend gerüstet sei. "Das Stichwort Blackout, Stromausfall, ist ein ganz spannendes Thema. Oftmals haben die Leute die Erwartung, dass der Katastrophenschutz im Falle eines Stromausfalls jedem sofort helfen kann. Das ist sicher nicht der Fall.“

"Sollte der Strom im Winter ausfallen, könnte die Feuerwehr gerade mal sich selbst versorgen."

Der Feuerwehrmann aus Balingen ist unzufrieden mit der vorhandenen Ausrüstung. Bei einer Flut oder einem Erdrutsch habe die Feuerwehr im Zollernalbkreis nur ein Fahrzeug, das in verwüstetes Gelände vorrücken könne, so Hermann.

Eine Gruppe von Feuerwehrleuten aus Baden-Württemberg in Griechenland im Rahmen einer Übung, Schulung nach einem Einsatz zum löschen eines Waldbrandes. (Foto: privat/Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg)
Stefan Hermann, Kreisbrandmeister Zollernalb (ganz rechts) hat Ende Juli diesen Jahres auf dem griechischen Peloponnes beim Löschen von Waldbränden mitgeholfen. privat/Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg

DRK: Bei Stromausfall nicht ausreichend vorbereitet

Ähnliche Kritik kommt aus dem Kreis Esslingen. Dort unterhält der DRK-Landesverband ein Zentrallager. Es ist unter anderem mit Schlafsäcken und Feldbetten gefüllt. Der DRK-Katastrophenschutz-Chef Jürgen Wiesbeck sieht sich bei einem Stromausfall dennoch nicht ausreichend vorbereitet: "Kein Einkaufsmarkt wird uns was verkaufen, weil seine Kassen nicht mehr funktionieren, wir können nicht mehr Tanken gehen, weil die Zapfsäulen mit Strom funktionieren. Also es wird eine ganze Menge passieren. Das dauert nicht lange, es dauert 72 Stunden und dann bricht in und um uns herum eigentlich schon das Chaos aus."

BW-Innenministerium kritisiert Streichungen

Vor diesem Hintergrund kritisiert das baden-württembergische Innenministerium die vom Bund geplanten Einsparungen beim Katastrophenschutz. In einer schriftlichen Mitteilung des Ministeriums an den SWR heißt es: "Die Kürzungen bei der Inneren Sicherheit auf Bundesebene sind absolut unverantwortlich."

Im Mai plante der Bund 286 Millionen Euro in den Bevölkerungsschutz zu stecken. Laut Haushaltsentwurf sind es nur noch 174 Millionen - also über 100 Millionen Euro weniger.

Bund weist Kritik zurück

Das Bundesinnenministerium reagierte auf die Kritik und verwies darauf, dass der Katastrophenschutz eigentlich Ländersache sei. Der Bund ergänze nur und investiere in vielen Bereichen. Für DRK-Mann Wiesbeck ist unterdessen klar: Bund und Land müssten gemeinsam deutlich mehr für den Katastrophenschutz tun.

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