Babypuppe im Wärmebett der Babyklappe Karlsruhe  (Foto: SWR, Foto: Johannes Stier )

Hilfe für Mütter in absoluter Notlage

Seit 20 Jahren in Karlsruhe: letzter Ausweg Babyklappe

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Im Sommer 2001 wurde in Karlsruhe die erste Babyklappe in Baden-Württemberg eingerichtet. Nach dem Vorbild der Hamburger Babyklappe, der ersten ihrer Art bundesweit.

"Projekt Findelbaby“ heißt das komplette Angebot für Mütter in Karlsruhe, zu dem neben der Babyklappe auch ein Notruf und die vertrauliche Geburt gehören. Zu finden ist die Übergabestation für Babies seit 20 Jahren in einem Haus im Karlsruher Stadtteil Neureut in einer ruhigen Wohnsiedlung.

26 Babys sind in 20 Jahren abgegeben worden

An der hellen Hausfassade ein Hinweis “Zur Übergabestation“, in einer Nische ein Fenster, darunter eine weiße Klappe mit einem Griff. 26 Babys sind in 20 Jahren hier abgegeben worden. Die Babyklappe ist eine anonyme Übergabemöglichkeit für Mütter, die sich ein Leben mit ihrem Baby nicht vorstellen können.

"Ohnmacht gegenüber der eigenen aktuellen Lebenssituation, und die Unvorstellbarkeit die Verantwortung für ein Kind zu übernehmen."

Dem Baby eine bessere Zukunft bieten

Durch eine Tür kann der Säugling in ein Wärmebett gelegt werden. Dann wird eine Mitarbeiterin alarmiert, die kommt und kümmert sich um das Kind. In der Babyklappe befindet sich ein Brief für die Mütter, in der Telefonnummern zu finden sind und Hilfsangebote. Es bleibt die Hoffnung auf einen Kontakt und die Nachfrage zum eigenen Kind.

Brief an die unbekannte Mutter in der Babyklappe Karlsruhe  (Foto: SWR, Foto: Johannes Stier )
Brief an die unbekannte Mutter in der Babyklappe Karlsruhe Foto: Johannes Stier

Bereitschaftspflegefamilie und Abwarten

Grundsätzlich kommt ein Kind aus der Babyklappe erstmal in eine Bereitschaftspflegefamilie, immer mit der Maßgabe, dass sich die leibliche Mutter noch melden kann. Auch später, wenn das Kind zur Adoption frei gegeben wird, wird darauf hingewiesen, dass sich die Mutter noch melden könnte.

Kritik besonders am Anfang

Vor 20 Jahren war es schwer Akzeptanz gegenüber der neuen Einrichtung herzustellen. Die Frage tauchte auf, ob eine Babyklappe rechtlich einwandfrei sei oder womöglich sogar verboten. Die Mütter wurden angefeindet, erzählt Anneliese Reinhard, die von Anfang an dabei war. Aber es muss Menschen geben, die den Müttern helfen, denn die wissen nicht was sie tun sollen, sagt sie.

"Die kriegen ein Kind und haben keinen Partner. Vielleicht auch keine Familie, oder glauben nicht, dass die Familie helfen kann".

Die geöffnete Klappe der Übergabestation an der "Babyklappe"in Karlsruhe  (Foto: SWR, Foto: Johannes Stier )
Die geöffnete Klappe der Übergabestation an der "Babyklappe"in Karlsruhe Foto: Johannes Stier

Lösung in einer absoluten Notlage

Die Babyklappe finanziert sich aus Spenden. Dahinter stehen die Diakonie und die Hardtstiftung in Karlsruhe. Michael Schröpfer vom Vorstand der Hardtstiftung erklärt, die Babyklappe sei für Menschen, die es nicht schaffen, sich mitzuteilen und auf ihre schwierige Lage aufmerksam zu machen. Die Abgabe des Kindes sei ein großer Schritt für die Mütter, aber dann auch eine Lösung in einer absoluten Notlage.

"Weil Mütter eine hohe Verantwortung übernehmen, für das Kind eine bessere Zukunft zu suchen."

Das "Projekt Findelbaby" der Hardtstiftung und der Diakonie Karlsruhe bietet Rat und Hilfe rund um die Uhr unter 0800 - 62 72 134.

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