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Immer häufiger kommen sie am helllichten Tag aus dem Wald und laufen durch die Stadt: Wildschweine bleiben nicht mehr im Wald. Immer häufiger muss deshalb auch die Karlsruher Polizei ausrücken.

Erst vergangene Woche war eine Bache mit zwei Frischlingen am Durlacher Tor an einem Nachmittag mitten in Karlsruhe unterwegs. Das sorgt nicht nur für Erheiterung bei Passanten: wenn mal wieder eine Rotte Wildschweine aus dem Hardtwald in Richtung Karlsruher Innenstadt unterwegs ist, dann ruft das sofort auch die Polizei auf den Plan.

Wildschweine können lebensgefährlich sein

Vergangenen Freitag jedenfalls war die Polizei am Adenauerring  gleich mit fünf Streifenwagen und Blaulicht im Einsatz. Polizeisprecher Ralf Minet hält das nicht für übertrieben. Wildschweine können lebensgefährlich sein, berichtet der Polizist. Die Aufgabe der Polizei sei es gewesen, das Gebiet möglichst komplett abzusperren und die Tiere in den Wald zurück zu treiben.

"Wildschweine in der Stadt sind für uns eine Gefahrenlage"

Ralf Minet, Sprecher des Polizeipräsidiums Karlsruhe

Zwei Tiere hätten absichtlich ein Auto angegriffen, berichtet die Polizei, ein verletztes Tier habe eine Gruppe von Grundschülern umgerannt. Zum Glück sei nichts passiert. Aber das hätte auch anders ausgehen können, so Minet, der darauf verweist, das in exotischeren Ländern selbst Tiger einen Bogen um ausgewachsene Keiler machen.

Waldbesucher scheuchen Wildschweine auf

Auch für den Leiter des Karlsruher Forstamtes, Ulrich Kienzler, sind Wildschweine am Durlacher Tor mitten am Tag eine Neuheit. Aber das Schweine überhaupt tagsüber in der Karlsruher Innenstadt gesichtet werden, hat einen bestimmten Grund:  Aufgrund der Corona-Pandemie sind viel mehr Menschen auch im Karlsruher Stadtwald unterwegs. Und das zu jeder Tages- und Nachtzeit. Da kommt keine Sau zur Ruhe und wenn die Waldbesucher dann auch noch querfeldein durchs Revier streifen, geraten die Schweine schnell mal in Panik.

Wildschweine geraten in Panik

Und ein panisches Wildschwein achtet eben auch nicht mehr darauf, wo es hinrennt, womöglich mitten hinein ins dichtestes Menschengewühl. Geschehen ebenfalls Ende vergangener Woche, da wurde ein wildes Schwein bei der Fridays-For-Future-Demo auf dem Schlossplatz gesichtet. Förster Kienzler ist sich sicher: das Tier muss kurz zuvor von einem Waldbesucher erschreckt worden sein.

Population hat enorm zu genommen

Das Problem mit den Schweinen in der Stadt hat aber noch andere Gründe: zum einen berichten Förster und Jäger davon, dass die Wildschweinpopulation in den Wäldern Mittelbadens in den vergangenen Jahren schon exorbitant angestiegen ist, weil die Winter mild waren und das Futterangebot reichlich. Zum anderen ist jetzt gerade die Zeit, in der die sogenannten "Überlaufer" unterwegs sind, die erst noch ihr Revier finden müssen, um eigene Rudel zu gründen.

Anfüttern ist völlig falsch

Ein weiterer Grund, speziell in Karlsruhe ist, dass die Wildschweine absichtlich oder unabsichtlich angefüttert werden. Es gibt Menschen, die werfen Essensreste für die Wildschweine in den Wald. Das lockt die Tiere an, genauso, wie nicht ordentlich entsorgte Überreste der letzten Grillparty, womöglich still und heimlich zwischen den Bäumen entsorgt. Das ist für Schwarzkittel ebenfalls ein Festessen.

"Wildtiere dürfen unter keinen Umständen gefüttert werden."

Ulrich Kienzler, Leiter des Karlsruher Forstamtes

Wer einem Wildschwein begegnet, egal ob in der Stadt oder im Wald, der sollte nicht stehen bleiben, sondern am besten weiter gehen oder fahren, um die Sau nicht zu provozieren. Ansonsten, so Kienzler, könnte es auch hilfreich sein, auf eine Bank am Wegesrand zu steigen. "Wildschweine greifen nur an, um ihre Brut zu schützen oder wenn sie sich selbst angegriffen fühlen".

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