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Kraichtal oder Karlsruhe: die Meldungen von wildernden Hunden, die Rehe töten, nehmen immer mehr zu. Schuld daran ist Corona. Denn immer mehr Hundehalter sind in Pandemiezeiten mit ihren Tieren im Wald unterwegs.

Allein im Revier von Ulrich Dahm zwischen Unteröwisheim und Bruchsal waren es in einem Jahr annähernd 20 Rehe, die wildernden Hunden zum Opfer gefallen sind. Dabei ist Kraichtal kein besonders wildes Jagdgebiet. Auch in Karlsruhe gibt es immer mehr solcher Vorfälle. Forstamtsleiter Ulrich Kienzler berichtet von acht Rehen, die in zwei Revieren in den Karlsruher Bergdörfern allein in diesem Jahr von Hunden totgebissen wurden.

Der Grund ist einfach: selten waren so viele Menschen im Wald unterwegs, wie in Corona-Zeiten. Und sie werden immer häufiger von Hunden begleitet. Denn auch die Zahl der Hunde hat seit Beginn der Pandemie anscheinend zugenommen, berichtet Forstamtsleiter Ulrich Kienzler.

Viele Hunde sind nicht angeleint

Leider passiert es eben auch immer häufiger, das die Hunde nicht angeleint sind. Weil sie nicht angeleint werden müssen, tun das manche Hundehalter einfach nicht, obwohl sie es besser wissen müssten.  Denn so ein Hund, auch ein ganz lieber und ein ganz gut erzogener hat einen Jagdtrieb.

In jedem Hund steckt ein kleiner Wolf

In jedem Hund, das sagen der Förster und der Jäger gleichermaßen, steckt noch ein kleines Stückchen Wolf. Und selbst, wenn sie bis jetzt noch nie gejagt haben, reicht schon eine zufällige Begegnung, berichtet Ulrich Kienzler. Dann wird aus dem nettesten Hund ein blutrünstiger Jäger.

Oft, ohne das Herrchen oder Frauchen überhaupt etwas davon mitbekommen. Der Hund spürt unmittelbar am Wegesrand ein Stück Wild auf und häufig reicht schon diese eine ganz zufällige Begegnung, um die Urinstinkte zu wecken. Der Hund merkt sich so etwas, berichtet Förster Ulrich Kienzler und wird mit jeder Jagd besser und tödlicher. Deshalb empfiehlt der Forstamtsleiter, die Tiere zumindest jetzt während der sogenannten Brut- und Setzzeit generell anzuleinen.

Schlimme Bilder von getöteten Rehen

Denn es sind schockierende Bilder, die sich häufen. Zu Tode gehetzte Rehe, die sich in Zäunen verfangen haben. Oder Tiere, die von Hunden in bester Wolfsmanier mit einem Kehlbiss zur Strecke gebracht wurden. Ulrich Dahm berichtet von Fällen, in denen wildernde Hunde in seinem Revier noch lebende Rehe angefressen haben.

Wer so etwas einmal gesehen hat, berichtet Ulrich Dahm, der leint seinen Hund in Zukunft an. Aber es gibt eben auch genügend Hundebesitzer, die stehen auf dem Standpunkt:“ ich zahle doch Hundesteuer, der Rest geht mich nichts an“, berichtet der Jäger.

Ein paar Spielregeln helfen

Dabei ist es wirklich nicht schwierig. Ein paar wenige Spielregeln genügen, um wilde Tiere in Wald und Feld zu schützen. Menschen und Hunde sollten die Wege nicht verlassen,  sie sollten möglichst nicht in der Dämmerung unterwegs sein und sie sollten möglichst nicht querfeldein gehen- damit keine wilden Tiere aufgescheucht werden.

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