Abschlussplänum bei der 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Uli Deck)

Ökumenischer Rat der Kirchen

Weltkirchenrat in Karlsruhe mit Friedensappell beendet

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Am Donnerstag ging der Weltkirchenrat in Karlsruhe zu Ende. Mehr als 4.000 Teilnehmende aus aller Welt trafen sich, um über theologische und politische Themen zu debattieren.

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Neun Tage lang haben Delegierte aus rund 350 orthodoxen, protestantischen und anglikanischen Kirchen aus aller Welt bei der 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Karlsruhe diskutiert und gebetet. Die katholische Kirche und auch jüdische sowie muslimische Geistliche waren als Gäste geladen. Mit stehenden Ovationen wurde die Vorsitzende des ÖRK-Zentralausschusses, die Kenianerin Agnes Abuom, verabschiedet. Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm wurde am Nachmittag zum Nachfolger gewählt. Bedford-Strohm, der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), ist der erste Deutsche in dieser Funktion.

Zum Abschluss des Weltökumene-Gipfels haben die Delegierten den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine scharf verurteilt. Die Abgesandten bekräftigten am Donnerstag nachdrücklich, dass Krieg mit dem Wesen Gottes unvereinbar sei. Den Ukraine-Krieg verurteilte die Vollversammlung als "illegal und nicht zu rechtfertigen".

Weltkirchenrat warnt vor nuklearen und autonomen Waffen

Der Weltkirchenrat rief am Donnerstag auch zur Ächtung von Nuklearwaffen auf und forderte alle Staaten auf, den internationalen Atomwaffensperrvertrag zu unterzeichnen. Zugleich brauche es ein weltweites Verbot von autonomen, computergesteuerten Waffensystemen wie Drohnen und Killerrobotern, heißt es in einer verabschiedeten Erklärung. Christen müssten Widerstand leisten gegen den "militärisch-industriellen Komplex", der seine Gewinne aus Kriegen und Gewalt generiere.

Im Mittelpunkt der Versammlung stand auch der Klimawandel. Die Mitglieder des ÖRK kommen heute vorwiegend aus Kirchen in Afrika, Asien, der Karibik, Lateinamerika, dem Nahen und Mittleren Osten sowie dem pazifischen Raum. Diese erhoben zum Klimawandel ihre Stimme, denn besonders indigene Völker sind mit den direkten Folgen des Klimawandels konfrontiert. Dies werde bislang bei der Bekämpfung der Erderwärmung zu wenig berücksichtigt, hieß es. "Uns läuft die Zeit davon!" - dieser Satz steht immer wieder in dem Text zur Klimakrise, den der Weltkirchenrat am Donnerstag verabschiedet hat. Die Vollversammlung forderte eine globale und nationale Vermögens- und CO2-Steuer, mit der die Armut bekämpft werden soll.

Welche Themen noch diskutiert wurden, darüber berichtet Claudia Bathe aus der SWR Redaktion Religion, Migration, Gesellschaft:

ÖRK beschließt Israel-Palästina-Resolution

Der Weltkirchenrat hat zum Abschluss auch zu einem gerechten Frieden im Nahen Osten aufgerufen. "Wir sind der Meinung, dass nur durch ein Ende der Besatzung und eine gerechte, umfassende und dauerhafte Friedensregelung die Sicherheit sowohl der Palästinenser als auch der Israelis gewährleistet werden kann", heißt es in einer von den 655 Delegierten entgegengenommenen Erklärung. Sie prangert Menschenrechtsverletzungen an, bezeichnet diese aber ausdrücklich nicht als "Apartheid". Dies war im Vorfeld von manchen Kirchen gefordert worden.

Der Ökumenische Rat der Kirchen steht seit Jahren in der Kritik, im Nahost-Konflikt einseitig Partei für die Palästinenser zu ergreifen. Immer wieder weist der Weltkirchenrat diese Vorwürfe zurück.

Weltkirchenrat fordert mehr Gerechtigkeit für Indigene

Der Weltkirchenrat hat ein Ende der Diskriminierungen von indigenen Völkern gefordert. Die Mehrheit der Indigenen litten weltweit unter Marginalisierung, Hunger und Armut, kritisierte der ÖRK. Häufig würden sie von ihrem Land vertrieben, weil Staaten und Unternehmen dort Rohstoffe ausbeuten wollten. Der Dachverband rief seine Mitgliedskirchen auf, mehr zur Wahrung und Durchsetzung von Indigenen-Rechten zu tun. Dies sei auch im Kampf gegen den Klimawandel und für Umweltschutz wichtig. Ein eigenes ÖRK-Programm zur Förderung und Unterstützung junger Indigener soll aufgelegt werden. Die Kirchen werden auch aufgerufen, die eigene Verantwortung bei der Verfolgung und Diskriminierung von Indigenen zu bekennen und Schritte der Versöhnung zu gehen. Konkret werden die Verbrechen gegen Sami in Nordeuropa und Indigene in Kanada genannt. Die Kirchen stünden in der Verantwortung, so der ÖRK weiter, zur "Heilung von geschichtlichen und generationenübergreifenden Traumata der indigenen Völker" beizutragen.

Kirchen ziehen positive Bilanz

Die Auslandsbischöfin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Petra Bosse-Huber, zog ein positives Fazit der ökumenischen Begegnung von Christen aus aller Welt. Es habe anrührende Begegnungen, inspirierende Gottesdienste und Gebetszeiten gegeben. Es gebe eine "neue Leidenschaft" für das ökumenische Netzwerk der Kirchen weltweit.

Die Landesbischöfin der gastgebenden badischen Landeskirche, Heike Springhart, bezeichnete es als Hoffnungszeichen des Christentreffens, dass "die christlichen Kirchen über alle Divergenzen hinweg verbunden sind". Es gebe ein großes Verständnis von Einheit und Versöhnung. "Wir haben die Geschichten von Versöhnung und die Leidenschaft für Recht und Gerechtigkeit geteilt", sagte Springhart.

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