Traktor bringt Saat auf Feld aus (Foto: dpa Bildfunk, Armin Weigel)

Hintergrund

Gaggenauer Deponie: Was steckt hinter der PFC-Entsorgung?

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PFC-verseuchte Ackerböden im Raum Rastatt und Baden-Baden bereiten den Menschen in der Region seit Jahren Sorgen. Der Landkreis Rastatt lässt jetzt prüfen, ob die Deponie in Gaggenau-Oberweier für die verunreinigte Erde geeignet ist. Was dahinter steckt - ein Überblick.

Die Entsorgungsanlage "Hintere Dollert" in Gaggenau-Oberweier (Kreis Rastatt) eignet sich als Deponie für die Lagerung von mit PFC verunreinigten Böden. Das ist das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie, die jetzt von einem Karlsruher Ingenieursbüro vorgestellt wurde. SWR Reporter Wolfgang Hörter beantwortet die wichtigsten Fragen.

Bedeutet das, dass die verunreinigten Ackerböden auf der Deponie entsorgt werden sollen?

Nein, das heißt es nicht. Es geht nicht darum, Ackerflächen zu sanieren, indem man sie großflächig ausbaggert. Solche Ideen gab es zu Beginn als die PFC-Verseuchung bekannt wurde. Aber inzwischen weiß man, das ist unrealistisch. Es geht ja um fast 600 Hektar Ackerfläche, die man tief ausbaggern müsste. Die Kosten würden in die Milliarden gehen.

Worum geht es dann?

Hier geht es jetzt ganz einfach um private Häuslebauer oder Gewerbebetriebe, die ein Haus errichten wollen und dann Erdaushub entsorgen müssen. Wenn der mit PFC-verseucht ist, handelt es sich um Sondermüll, der bisher in andere Bundesländer oder gar ins Ausland gebracht werden muss, weil es hier keine zugelassene Deponie gibt. Und das ist teuer. Deswegen will das Landratsamt Rastatt eine regionale Möglichkeit schaffen auf der Deponie in Gaggenau-Oberweier. Die soll ohnehin modernisiert werden. Eine Machbarkeitsstudie sagt jetzt, dass es auch möglich ist, die Deponie so sicher zu bauen, dass dort PFC-verunreinigte Erde entsorgt werden kann. Die Pläne stehen aber ganz am Anfang. Da muss noch ein langes Genehmigungsverfahren durchgeführt werden. Bis also auf der Deponie in Gaggenau-Oberweier PFC-verseuchte Erde gelagert werden darf, dauert das mindestens noch acht Jahre.

Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat neue PFC-Richtwerte als Empfehlung herausgegeben. Was heißt das für die Verbraucher hier in der Region?

PFC steht für eine ganze Stoffgruppe, nämlich für mehr als 3.000 verschiedene chemikalische Verbindungen. Die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde hat jetzt eine Empfehlung für vier dieser Verbindungen herausgegeben. Bei Studien hat sich nämlich gezeigt, dass diese Chemikalien negative Auswirkungen auf das Immunsystem haben können – insbesondere bei Kindern. Deshalb sollte man nicht mehr als 4,4 Nano-Gramm pro Kilogramm eigenem Körpergewicht davon zu sich nehmen.

Was heißt das jetzt konkret?

Da muss jetzt das Bundesinstitut für Risikobewertung eine entsprechende Richtlinie ausarbeiten. Bisher gibt es ja für PFC keinerlei Grenzwerte, sondern immer nur Empfehlungswerte. Lebensmittel aus den PFC-Gebieten in unserer Region werden ja jedes Jahr im sogenannten Vorernte-Monitoring untersucht. Und bei hohen PFC-Werten werden sie aus dem Verkehr gezogen. Die vier PFC-Verbindungen um die es jetzt geht, reichern sich weniger in Obst und Gemüse an, sondern eher in Tieren. Hinzukommt, dass sie bei uns der Region eher eine eher geringere Rolle spielen. Das ist sozusagen eine kleine gute Nachricht. Sie wurden bei dem Monitoring eher selten gefunden.

Nachrüstung für Mülldeponie PFC-Erde soll auf Gaggenauer Deponie entsorgt werden

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