Symbolbild: Wärmepumpe mit Hand am Bediendisplay (Foto: picture-alliance / Reportdienste, DPA Silas Stein )

Viele Heizungen müssen ausgewechselt werden

Wärmepumpe im Altbau: Diese Erfahrungen hat ein Paar aus Karlsruhe gemacht

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Peter Lauber

Wärmepumpen werden aktuell heiß diskutiert. Die Bundesregierung sieht darin eine treibende Kraft der Energiewende. Ziel: beim Heizen weg von Gas und Öl hin zu erneuerbaren Energien.

Die Frage, die sich viele Menschen stellen: Für wen ist die Wärmepumpe tatsächlich geeignet, kann ich die auch bei mir einbauen lassen? Vor allem Besitzer älterer Häuser, die an einen Heizungstausch denken, sind verunsichert: Funktioniert das auch bei alter Bausubstanz, macht es Sinn ohne Dämmung? Denn oft ist zu hören, eine Wärmepumpe sei nur möglich in neuen Gebäuden mit Fußbodenheizung. Ein Hausbesitzer aus Karlsruhe-Hohenwettersbach hat es gewagt, trotz einem älteren Haus.

Wärmepumpe nur in Neubauten? Ehepaar aus Karlsruhe zeigt, dass es geht

Das Ehepaar Baumhof wohnt in einem Mehrfamilienhaus aus den 1950er Jahren. Vor drei Jahren wollte Holger Baumhof eine Erdwärmepumpe, nur hatte er zunächst niemanden gefunden, der sie ihm einbaut. Denn nach der gängigen Meinung ist so eine Wärmepumpe nur in Neubauten mit guter Dämmung möglich.

Schon oft hat Holger Baumhof interessierten Bekannten und Nachbarn seine Wärmepumpe präsentiert. Das Dreifamilienhaus wurde zuvor mit Gas beheizt, doch die Anlage machte immer mehr Probleme, die Wartung wurde immer teurer, erzählt der Hausbesitzer. Öl und Gas kamen für ihn nicht mehr in Frage. Es blieb nur eine Wärmepumpe. Aber die schien in einem unsanierten Altbau aus dem Baujahr 1953 nicht sinnvoll zu sein, wie er ständig hörte:

"Ich dachte, ich brauche eine Hochtemperaturheizung. Oder wenn Wärmepumpe, dann brauche ich eine Fußbodenheizung. Wären über 20.000 Euro gewesen, pro Wohnung."

Holger Baumhof begann zu recherchieren, holte verschiedene Meinungen ein und traf auf Heizungsbauer Christian Preuss. Der schaute sich das Gebäude genauer an, berechnete die benötigte Mindestmenge an Heizenergie. Und kam schließlich zu dem Ergebnis, dass es funktioniert, obwohl das Haus 70 Jahre alt ist.

Die Wärmepumpe läuft seit Jahren problemlos. Der häufig geäußerten Meinung zum Trotz, dass Altbau und Wärmepumpe nicht zusammenpassen. Der Heizungsbauer erklärt, es kursiere in den Köpfen, Wärmepumpen funktionierten nur mit Flächenheizung. Zum Beispiel mit einer Fußbodenheizung, aber das sei nicht so.

"Ob das ein Gebäude von der Jahrhundertwende oder von 1950 ist: Man kann festhalten, dass es in 90 Prozent aller Fälle trotzdem gut funktioniert."

Von außen sieht man heute von der Wärmepumpe nur noch einen Deckel. Das ganze Projekt hat allerdings viel Planung, Zeit und Geld gekostet. Rund 50.000 Euro hat das Ehepaar Baumhof für die komplette Installation der Erdwärmepumpe bezahlt.

Neben dem Einbau im Keller waren zwei Bohrungen notwendig, über 100 Meter tief. Dann wurden Leitungen gelegt, die die Wärme seitdem aus der Erde holen. Die Wärmepumpe arbeitet zuverlässig und ist dabei auch rentabel.

Altbau von 1953 in Karlsruhe.Hohenwettersbach mit einer modernen Wärmepumpe ausgestattet (Foto: SWR, Foto: Felix Wnuck )
Ein Altbau in Karlsruhe-Hohenwettersbach wurde mit einer modernen Wärmepumpe ausgestattet.

So funktioniert eine Wärmepumpe

Vereinfacht gesagt, entnimmt eine Wärmepumpe der Umgebungsluft oder dem Erdreich Energie. Diese wandelt die Wärmepumpe nach dem umgekehrten Kühlschrankprinzip in Wärme um. Aus einen Kilowatt Strom entstehen vier Kilowatt Heizenergie. Da sei so ziemlich die effizienteste Methode, zu heizen, sagt auch Ferdinand Schmidt, Experte für Gebäudetechnik am Karlsruher Institut für Technologie, KIT:

"Die Wärmepumpe wird eine sehr große Rolle spielen. Und sie entwickelt sich definitiv weiter. Also gerade die neue Generation mit Propan als Kältemittel, ist noch einmal deutlich besser in der Effizienz."

Alle Bewohner seien zufrieden, sagt Holger Baumhof, es werde warm zu jeder Jahreszeit und die Kosten seien moderater geworden. Und der Experte für Gebäudetechnik vom KIT, Ferdinand Schmidt, erklärt: Was hier in Karlsruhe-Hohenwettersbach funktioniere, das könne auch in anderen alten Häusern klappen.

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