Klinikum Karlsruhe (Foto: SWR)

Anschuldigungen in sozialen Netzwerken

Fehlende Impfung, schlechte Behandlung? Klinikum Karlsruhe weist Vorwürfe zurück

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Markus Bender

Im Fall eines verstorbenen Patienten am Städtischen Klinikum Karlsruhe soll am Donnerstag die Obduktion stattfinden. Oberbürgermeister Mentrup hat unterdessen das Klinikpersonal in Schutz genommen.

Hintergrund ist ein Video, das im Internet kursiert. Damit werden gegen das Städtische Klinikum Karlsruhe schwere Anschuldigungen erhoben werden. Den Vorwürfen zufolge soll ein Mann dort wegen einer fehlenden Corona-Impfung nicht richtig behandelt worden und kurze Zeit später gestorben sein.

Bei Polizei und Staatsanwaltschaft waren mehrere Anzeigen wegen des Falls eingegangen. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe hat jetzt ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet und eine Obduktion beantragt. Dadurch soll geklärt werden, ob ein Tod vorsätzlich oder fahrlässig oder durch fremdes Verschulden verursacht wurde. Es werde in alle Richtungen ermittelt.

Karlsruher Polizei prüft Echtheit des Videos

Die Polizei Karlsruhe prüft außerdem die Echtheit des Videos. Es ist offenbar nicht zu erkennen, ob dieses Video tatsächlich in Räumen des Karlsruher Klinikums entstanden ist. In der sieben Sekunden langen Sequenz ist ein älterer Mann mit freiem Oberkörper zu sehen, der auf einer Matratze am Boden liegt. Der Mann röchelt stark. Wer das Video aufgenommen hat, ist noch nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der im Video zu sehende Mann auch das Todesopfer ist.

Unterlassene Behandlung - Klinikum Karlsruhe weist Vorwürfe zurück

Das Städtische Klinikum Karlsruhe weist die erhobenen Vorwürfe in einer Stellungnahme ausdrücklich zurück. Das Klinikum hat Strafanzeige gestellt und prüft derzeit mögliche weitere rechtliche Schritte.

"Es sind entgegen jeglicher Faktenlage unwahre Tatsachen behauptet worden, die auch im mutmaßlichen wohlverstandenen Interesse des Verstorbenen als verleumderisch bezeichnet werden können."

Das Krankenhaus habe eine umfassende Behandlungspflicht gegenüber allen Patientinnen und Patienten, die es in jedem Fall und unabhängig vom individuellen Impfstatus der behandlungsbedürftigen Personen grundsätzlich uneingeschränkt wahrnehme, heißt es in der Stellungnahme.

Hat der Patient die Behandlung verweigert?

Im Raum steht, dass der Patient möglicherweise eine Behandlung abgelehnt hat. In der Stellungnahme heißt es: "Zu berücksichtigen sind allerdings auch die Grenzen der ärztlichen Behandlungspflicht, wenn einwilligungsfähige Patienten im Einzelfall indizierte Therapie- und Behandlungsmaßnahmen in Kenntnis der medizinischen Faktenlage oder aufgrund fehlender Krankheitseinsicht ausdrücklich ablehnen."

Der Vorwurf, dass Patienten nicht wie üblicherweise im Klinikbett versorgt würden, sei ebenfalls differenziert zu betrachten. So könne es in sehr seltenen Einzelfällen aus präventiven Gründen zur Unfallvermeidung und Sturzprophylaxe erforderlich sein, Patienten auf einer Matratze auf dem Boden zu versorgen, um Verletzungen vorzubeugen.

"Das kommt zu dem Stress, den die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den vielen Infektionen im Moment haben, auch noch oben drauf. Und das ist auf Dauer sicherlich nicht durchzuhalten."

Oberbürgermeister stellt sich vor Klinik-Personal

Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) betonte am Mittwoch, dass die Anschuldigungen gegen das Städtische Klinikum natürlich aufgearbeitet würden. Er appellierte, zu einer angemessenen Diskussion zurückzufinden. Das sowieso schon überlastete Gesundheitswesen dürfe nicht durch Generalverdachte und beleidigende Vorwürfe unter Druck gesetzt werden.

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