Eines der sechs Becken der neuen vierten Reinigungsstufe im Karlsruher Klärwerk (Foto: SWR)

Neue Reinigungsstufe im zweitgrößten Klärwerk in BW

Wie das Abwasser im Klärwerk Karlsruhe besser von Hormonen und Medikamenten gereinigt wird

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Nach mehrjähriger Bauzeit wurde am Montag der Neubau einer vierten Reinigungsstufe im Klärwerk Karlsruhe eröffnet. Dadurch kann das Wasser noch besser gereinigt werden.

Mit Hilfe der zusätzlichen Reinigungsstufe können sogenannte Mikroschadstoffe und Spurenstoffe aus dem Abwasser entnommen werden. Dazu zählen zum Beispiel Medikamentenreste, Hormone oder auch Kontrastmittel aus Röntgenaufnahmen. Die Anlage ist die größte in Betrieb befindliche ihrer Art in Baden-Württemberg.

Kleinste Schadstoffe werden mit Aktivkohle gefiltert

Stoffe wie Hormone sind nicht nur schädlich für den Menschen, sondern auch für die Umwelt, betont die Stadt Karlsruhe. Die Reinigung in der neuen vierten Stufe des Klärwerks erfolgt mit einer sogenannten Pulveraktivkohle-Adsorptionsanlage. Sie besteht unter anderem aus sechs Becken mit rund 1.870 Kubikmetern Inhalt. Hier werden rund 80 Prozent der Spurenstoffe gebunden und entfernt.

Mit dieser Technik sei auch zukünftig eine sichere Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte möglich, heißt es weiter.

"Die Reinigungsstufe bedeutet auch in den nachgelagerten Flüssen eine große Entlastung sowohl für die Pflanzen- als auch für die Tierwelt."

Vierte Reinigungsstufe in Karlsruher Klärwerk fertiggestellt (Foto: SWR)
Auch eine Entlastung für die Pflanzen- und Tierwelt: die vierte Reinigungsstufe in Karlsruher Klärwerk.

Land unterstützt Ausbau der Kläranlagen

Der Bau der vierten Reinigungsstufe im Klärwerk im Karlsruher Stadtteil Neureut hat rund 70 Millionen Euro gekostet. Das Land hat das Projekt mit 20 Prozent gefördert. Nach Angaben des baden-württembergischen Umweltministeriums sind im Land bereits 23 Anlagen mit der auch in Karlsruhe verwendeten Pulveraktivkohletechnik in Betrieb. Weitere 25 Anlagen befinden sich im Bau. Mittel- und langfristig sollen laut Ministerium mehr als 50 weitere dazukommen.

"Mit einem Filter ist sozusagen alles weg!"

Die neue, über 70 Millionen Euro teure Anlage in Karlsruhe-Neureut (Foto: Pressestelle, Stadt Karlsruhe Sabine Enderle)
Die neue, über 70 Millionen Euro teure Anlage in Karlsruhe-Neureut. Pressestelle Stadt Karlsruhe Sabine Enderle

Zweitgrößtes Klärwerk in BW steht in Karlsruhe

Für das Klärwerk in Karlsruhe-Neureut ist die Fertigstellung ein wesentlicher Schritt. Das zweitgrößte Klärwerk in Baden-Württemberg leitet das gereinigte Abwasser von rund 850.000 Menschen in den Rhein. Ausbau und Modernisierung werden fortgesetzt. So soll die Anlage in den kommenden Jahren zu einem klimafreundlichen "Klärwerk 2035" ausgebaut werden. Dafür wird etwa eine UV-Anlage eingebaut, die zusätzlich Keime im Wasser abtötet.

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