Eine Mitarbeiterin vom Gesundheitsamt tropft eine Flüssigkeit auf einen Corona-Schnelltest.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleul)

Corona-Infektionen steigen exponentiell

Chefarzt befürchtet vierstellige Sieben-Tage-Inzidenz in Pforzheim

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Pforzheim hat bereits jetzt die landesweit höchste Sieben-Tage-Inzidenz und die Corona-Zahlen steigen weiter an. Aktuellen Modellen zufolge könnte die Inzidenz in den nächsten zwei Wochen vierstellig werden.

Binnen fünf Tagen ist die Sieben-Tage-Inzidenz in Pforzheim von knapp 250 auf über 360 gestiegen. Rund 1.000 neue Fälle wurden in den letzten sieben Tagen registriert und der Trend geht nach oben. Der Anstieg der Fallzahlen könnte noch Tage, wenn nicht sogar Wochen dauern, sagt Felix Schuhmacher, Chefarzt am Pforzheimer Helios Klinikum.

"Wir sprechen von einem exponentiellen Wachstum."

Inzidenz in Pforzheim bald über 1.000?

Schuhmacher geht sogar davon aus, dass die Inzidenz in Pforzheim demnächst vierstellig werden könnte und beruft sich dabei auf Modellrechnungen der Uniklinik Freiburg. Bisher hätten sich die Prognosen größtenteils erfüllt.

Wo die aktuell hohen Fallzahlen herkommen, ist nicht klar. Es gibt einen Corona-Ausbruch in einem Pflegeheim und es seien viele größere Familien infiziert, so die Leiterin des Pforzheimer Gesundheitsamts Brigitte Joggerst. Außerdem wisse man, dass viele Menschen, die sich nicht impfen lassen, oft auch die Corona-Regeln nicht befolgen. Weitere Hotspots sind aber nicht bekannt.

Welche Folgen hätte eine vierstellige Inzidenz?

Noch sei die Stimmung im Gesundheitsamt gut, sagt die Leiterin des Pforzheimer Gesundheitsamts Brigitte Joggerst. Man habe bereits Abläufe angepasst, um sich auf die neue Situation mit den erhöhten Infektionszahlen einstellen zu können. "Wie sehr wir das aber noch bewältigen werden können, ist uns unklar", so Joggerst weiter. Ab einem bestimmten Punkt müsse man das System ändern und könne nicht mehr alle Infizierten kontaktieren und über die Quarantäne informieren.

"Das wird hart für uns."

Dann müsse man sich auf vulnerable Einrichtungen wie Pflegeheime sowie Schulen und Kitas beschränken und das Virus sonst "durchlaufen lassen". Außerdem müssten die niedergelassenen Ärzte organisatorisch so unterstützt werden, dass sie den Kliniken den Rücken freihalten können. Die niedergelassenen Ärzte müssten die Corona-Infizierten, die ambulant versorgt werden können, in den Praxen behandeln, damit die Menschen nicht in Massen in den Kliniken kommen.

Klinikpersonal ist erschöpft

Die Kliniken sind bereits jetzt schon am Anschlag, sagt der Leiter Intensivstation des Pforzheimer Helios Klinikums. Man müsse schließlich nicht nur Corona-Patienten behandeln, sondern auch andere Notfälle. "Das ist für das ärztliche und pflegerische Personal inzwischen eine schwierige Aufgabe, zumal das Personal nach zwei Jahren zeitweise an der körperlichen und psychischen Belastungsgrenze angelangt ist", so Schuhmacher. Das betreffe die meisten Kliniken in Baden-Württemberg.

Am Pforzheimer Helios-Klinikum landen laut Schuhmacher fast nur Ungeimpfte auf den Intensivstationen. Dabei seien die Patientinnen und Patienten mittlerweile viel jünger als in den ersten Corona-Wellen. Die jüngste Patientin war rund 20 Jahre alt.

Corona-Positive sollen nicht auf Anruf des Gesundheitsamts warten

Bereits jetzt bittet das Gesundheitsamt alle Menschen, die positiv auf Corona getestet wurden, sich sofort selbst in Quarantäne zu begeben und nicht auf einen Anruf des Gesundheitsamts zu warten. Wer sich mit Corona infiziert hat, muss mindestens 14 Tage in Quarantäne, egal ob man geimpft ist oder nicht. Mittlerweile werden Kontaktpersonen nicht mehr vom Gesundheitsamt infomiert, es sei denn, es gibt mehr als fünf Ausbrüche im selben Umfeld. In diesen Fällen ermittelt und informiert das Gesundheitsamt weiterhin die Kontakte des oder der Infizierten.

Karlsruher Abwassermonitoring sagt stark steigende Zahlen voraus

Auch in Karlsruhe werden höhere Fallzahlen erwartet. Das Abwasser-Monitoring im Stadt-und Landkreis Karlsruhe zeigt derzeit eine stark ansteigende Infektionsrate. "Die derzeit gemessenen Werte liegen in einem ähnlichen Bereich wie im Winter 2020 oder im späten Frühjahr 2021", erklärt Andreas Thiem, der zuständige Abteilungsleiter am Forschungsinstitut Technologiezentrum für Wasser in Karlsruhe.

Warum die Abwasser-Kurve derzeit einen deutlich stärkeren Anstieg anzeigt, als die Zahlen des Robert-Koch-Instituts, ist noch unklar. Mit relativer Sicherheit könne man jedoch sagen, dass die Infektionsrate in den kommenden Wochen weiter nach oben gehen werde. Eine Angleichung kann zeitverzögert passieren, da die Virenlast im Abwasser früher ansteigt.

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SWR