Lagebesprechung vor der Übung mit radioaktiven Stoffen (Foto: SWR)

Einsatz von ABC-Abwehrkommando und LKA

Nukleare Gefahrenabwehr: Experten üben am Karlsruher KIT mit radioaktiven Stoffen

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Am KIT Campus Nord haben Einsatzkräfte des Umweltministeriums und der Landesanstalt für Umwelt am Dienstag Einsätze zur nuklearen Gefahrenabwehr geprobt.

Geübt wurde am Vormittag am KIT Campus Nord in Karlsruhe in Szenarien mit echten radioaktiven Stoffen. Die möglichen Fälle reichten von Erpressung durch radioaktiv verseuchte Lebensmittel bis hin zu Altstoffen aus Röntgengeräten bei einer Praxisauflösung. Geübt wurde auch das Anlegen von Schutzanzügen und das Finden der radioaktiven Quellen mit geeigneten Messgeräten.

ABC-Abwehrkommando aus Bruchsal auch dabei

An der Übung des Kompetenzzentrums Strahlenschutz des baden-württembergischen Umweltministeriums waren auch Vertreter des Landeskriminalamtes (LKA) und der Bundeswehr beteiligt. Unter anderem ging es um zivil-militärische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der sogenannten nuklearspezifischen Gefahrenabwehr. Auf diesem speziellen Gebiet gibt es landesweit nur wenige Experten. Bei dem Übungsszenerio waren auch Experten des ABC-Abwehrkommando aus Bruchsal (Kreis Karlsruhe) dabei und beobachteten die Abläufe.

SWR Reporter Martin Besinger war bei der Übung dabei:

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"Wegen der Erfahrungen, die wir in letzter Zeit gemacht haben, glaube ich, dass solche Gefahrenlagen teilweise schon sehr konkret sind."

Eine Frau zieht für eine radioaktive Übung einen Schutzanzug an (Foto: SWR)
Bevor die Übung mit radioaktiven Stoffen beginnt, muss dieser Spezial-Schutzanzug angezogen werden.

Immer wieder Bedrohung durch radioaktive Stoffe

Die Gefahr von solchen Fällen sei präsent, so die Experten. Erst im August hatte ein Unbekannter einen Koffer im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt abgestellt, mit dem Hinweis, es befänden sich radioaktive Stoffe darin. Im französischen Colmar hatte ein 26-Jähriger im September Rohrbomben gebaut, die mit radioaktiven Uranstaub befüllt waren.

Nukleare Gefahrenabwehr nach 11. September wichtiger denn je

Nach dem 11. September 2001 werden Fälle von Kontamination in der Luft regelmäßig geübt. Je nach Gefahrenlage wird das Landeskriminalamt (LKA), die Bundeswehr, das Bundesamt für Strahlenschutz oder auch das Sondereinsatzkommando (SEK) hinzugezogen - in besonders kritischen Fällen wird auch mit internationalen Spezialisten zusammengearbeitet. Radioaktive Stoffe sind so vielfältig, dass der Umgang damit immer neu gelernt und entsprechende Verfahren angepasst werden müssen.

"Wir haben eine jahrzehntelange Expertise im Bereich Strahlenschutz und wir haben hier auch die Möglichkeit, mit offenen strahlenden Stoffen umzugehen."

Nirgendwo kann man solche radioaktive Gefahrenlagen so gut üben wie am KIT Campus Nord in Karlsruhe. Nach Auskunft der Experten können dort für Übungszwecke bestimmte Stoffe, wie etwa Fluor 18, hergestellt werden, die sich nach zwei Stunden wieder abbauen.

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