Klinikum Karlsruhe (Foto: SWR)

Ermittlungen zu Video im Netz

Todesfall im Städtischen Klinikum Karlsruhe: Patient war Corona-positiv getestet

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Der unter unklaren Umständen im Städtischen Klinikum Karlsruhe verstorbene Patient war nach SWR-Informationen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob der Mann die nötige Behandlung abgelehnt hat.

Wie die Staatsanwaltschaft Karlsruhe auf SWR-Nachfrage mitteilte, war der Patient bei seiner Aufnahme im Städtischen Klinikum per Schnelltest positiv auf das Coronavirus getestet worden. Man gehe jetzt auch der Frage nach, ob der Mann sich gegen die notwendige Behandlung wehrte und ob er dadurch zu Tode kam.

Vorläufiges Obduktionsergebnis: Patient starb an Lungenentzündung

Nach einem vorläufigen Obduktionsergebnis starb der Patient an Atemversagen bei schwerer Lungenentzündung. Die endgültige Todesursache werde aber erst in einigen Wochen feststehen, so die Staatsanwaltschaft. Auch ob der Verstorbene tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert war, sei Gegenstand weiterer Ermittlungen.

Wurde Patient wegen fehlender Impfung nicht ausreichend behandelt?

Im Internet hatte ein Video für Aufsehen gesorgt, das einen Mann auf einer Matratze am Boden zeigt, offenbar in hilfloser Lage. Aus Kreisen von Corona-Gegnern war der Vorwurf laut geworden, dass der Patient nicht adäquat behandelt worden sei, weil er keine Corona-Impfung gehabt habe. Ein Angehöriger habe sich in die Klinik "reingeschlichen" und den Patienten "röchelnd und unversorgt" auf einer Matratze am Boden vorgefunden und gefilmt, heißt es in einer Mitteilung an die Medien. Am Freitag vor einer Woche sei er dann verstorben.

Wegen des Videos waren bei der Polizei mehrere Anzeigen gegen das Städtische Klinikum eingegangen. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe hatte daher ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet. Man ermittle in alle Richtungen.

Klinikum Karlsruhe weist Vorwürfe entschieden zurück

Das Städtische Klinikum Karlsruhe wies die erhobenen Vorwürfe in einer Stellungnahme ausdrücklich zurück. Das Klinikum hat Strafanzeige gestellt und prüft derzeit mögliche weitere rechtliche Schritte.

"Es sind entgegen jeglicher Faktenlage unwahre Tatsachen behauptet worden, die auch im mutmaßlichen wohlverstandenen Interesse des Verstorbenen als verleumderisch bezeichnet werden können."

Das Krankenhaus habe eine umfassende Behandlungspflicht gegenüber allen Patientinnen und Patienten, die es in jedem Fall und unabhängig vom individuellen Impfstatus der behandlungsbedürftigen Personen grundsätzlich uneingeschränkt wahrnehme, heißt es in der Stellungnahme.

Hat der Patient Behandlung selbst abgelehnt?

Im Raum steht, dass der Patient möglicherweise eine Behandlung abgelehnt hat. In der Stellungnahme heißt es: "Zu berücksichtigen sind allerdings auch die Grenzen der ärztlichen Behandlungspflicht, wenn einwilligungsfähige Patienten im Einzelfall indizierte Therapie- und Behandlungsmaßnahmen in Kenntnis der medizinischen Faktenlage oder aufgrund fehlender Krankheitseinsicht ausdrücklich ablehnen."

Nach SWR-Informationen soll der Patient auf einer Corona-Station des Klinikums gelegen haben. Dort soll er sämtliche Maßnahmen wie Sauerstoffgabe von Anfang an abgelehnt haben.

Der Vorwurf, dass Patienten nicht wie üblicherweise im Klinikbett versorgt würden, sei ebenfalls differenziert zu betrachten. So könne es in sehr seltenen Einzelfällen aus präventiven Gründen zur Unfallvermeidung und Sturzprophylaxe erforderlich sein, Patienten auf einer Matratze auf dem Boden zu versorgen, um Verletzungen vorzubeugen.

Oberbürgermeister Mentrup verteidigt Klinik-Personal

Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) betonte am Mittwoch, dass die Anschuldigungen gegen das Städtische Klinikum natürlich aufgearbeitet würden. Er appellierte, zu einer angemessenen Diskussion zurückzufinden. Das sowieso schon überlastete Gesundheitswesen dürfe nicht durch Generalverdachte und beleidigende Vorwürfe unter Druck gesetzt werden.

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