Musiklehrer und Nostalgiker Tobias Krieger (Foto: SWR)

Digital-Verweigerer ohne Handy und Computer

Analog statt digital: "Ich muss nicht jeden Mist mitmachen!"

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Wir schreiben hier einen Online-Artikel über Tobias Krieger aus Karlsruhe. Er wird diesen Artikel vermutlich nie in seinem Leben lesen, denn er ist Digital-Verweigerer.

Die Menschen in Karlsruhe kennen Tobias Krieger als den Mann auf dem Hochrad. Das ist sein Markenzeichen. Seit Jahrzehnten sammelt der Musiklehrer historische Fahrräder. Ein Nostalgiker, in fast jeder Beziehung.

Auch ohne PC und Handy war damals nicht alles besser

Smartphone und Computer lehnt Krieger komplett ab. In der Vergangenheit würde er trotzdem nicht gerne leben: "Ich bin froh, dass es heute Narkose und medizinische Versorgung gibt. Es gibt viele Dinge, die erstrebenswert sind. Ich würde nicht sagen, dass es früher besser war. Es gibt nur Dinge, die man ablehnen darf als freiheitlicher Mensch", sagt der 60-Jährige.

"Ich muss nicht jeden Mist mitmachen."

Klassische Gitarre unterrichtet der Karlsruher. Während des Lockdowns lief das teilweise über sein Festnetztelefon. Alles was modern ist, hat in der Wohnung von Tobias Krieger nichts zu suchen. Pfeifen sammelt er übrigens auch noch. Und weder die, noch seine Gitarren,  kommen aus dem Online-Shop. "Das wäre für mich indiskutabel, im Internet ein Instrument zu kaufen, ohne es gesehen und gespielt zu haben. Das ist eine sehr körperliche Anlegenheit", sagt der Karlsruher, der lieber zum Instrumentenbauer geht und das Instrument ausprobiert.

"Das ist wie eine Lebenspartnerin, das muss man in die Hand nehmen und sich damit beschäftigen."

Tobias Krieger hat keine E-Mailadresse

Musiklehrer und Nostalgiker Tobias Krieger (Foto: SWR)
Tobias Krieger sammelt in seiner Karlsruher Wohnung unter anderem alte Fahrräder.

Ein Mensch im Berufsleben ohne eigene E-Mailadresse, das ist ja schon exotisch. Auf der anderen Seite wundert sich Tobias Krieger auch immer wieder über seine Mitmenschen. "Wenn jemand den ganzen Tag am Bildschirm sitzt , dann das Auto mit dem Navi in die Garage bewegt, auf dem Simulator für Geld läuft und mit dem Lift wieder nach unten fährt, für Geld und Stromverbrauch, dann schaue ich auch schräg und denke, die sollen auch so gucken, ist mir egal", sagt Krieger.

Vor allem, weil er glaubt, dass er ziemlich gut fährt mit seiner digitalen Enthaltsamkeit. "Ich bin sicher, dass ich mich mit einer Flut von Mails und den ganzen Tag gebeugt über das Smartphone nicht gesund fühlen würde. Ich will da nicht hinkommen, ich seh es ja in meiner Umgebung. Wenn ich Leute um die 20 sehe, die länger die Luft anhalten können, als die Finger vom Smartphone zu lassen." Da bleibt sich Tobias Krieger lieber treu und lebt weiter als konsequenter Nostalgiker.

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