Hund in einem Tierheim Symbolbild (Foto: IMAGO, IMAGO / Steffen Schellhorn)

Überlastung durch Ukraine-Krieg

Tierärztin aus Karlsruhe: "Flüchtlingstiere sollten bei ihren Haltern bleiben dürfen"

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AUTOR/IN
Fabiola Germer

Wenn Flüchtende aus der Ukraine in der Landeserstaufnahmeeinrichtung einen Platz suchen, müssen sie ihre Haustiere abgeben. In Karlsruhe sorgt das für Überforderung bei allen Beteiligten.

Unter schweren Bedingungen kommen Menschen aus der Ukraine nach Karlsruhe. Manche von ihnen sogar mit Hund oder Katze im Gepäck, die sie zwischen Panzern und Raketen nicht zurücklassen wollten. Vor der Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) in Karlsruhe trennen sich aber dann die Wege von Mensch und Tier. Zumindest auf unbestimmte Zeit.

Tierschützer in Karlsruhe kommen an ihre Belastungsgrenze

Dadurch werden das Veterinäramt und die Tierschützer in Karlsruhe vor große Herausforderungen gestellt. Das größte Problem seien die begrenzten Kapazitäten des Tierheims in Karlsruhe, so die Deutsche Pressegantur in einer Mitteilung. Das Tierheim selbst hat sich bisher auf SWR-Anfrage nicht zu der aktuellen Situation geäußert.

Auch der Tierschutzhof in Karlsruhe hilft dabei, die Tiere zu versorgen. Aber auch hier komme man schnell an die Grenzen des Möglichen. Platz für neue Hunde gibt es auf dem Gelände leider nicht genügend, so der Leiter Stephan Winterhoff. Das führt dazu, dass kurzfristig passende Pflegestellen für die Tiere gefunden werden müssen und sie irgendwann wieder bei ihren Haltern landen sollen. Nur wie? Das ist noch nicht klar.

"Wir sollten Pflegestellen finden, die bereit sind, die Menschen gemeinsam mit ihren Haustieren aufzunehmen."

Das findet auch Amtstierärztin Alexandra Börner. Auch sie hofft, dass Mensch und Tier schnell wieder vereint sind und plädiert dafür Halter und Haustier nicht voneinander zu trennen.

"Für die Flüchtenden ist das ein riesiges Problem. Und wir merken es auch den Tieren an: Die Tiere sind völlig verängstigt."

Alexandra Börner sagt, es gäbe bereits einen Fall, in dem der Besitzer nach Heidelberg geschickt wurde und der Hund nun in Karlsruhe blieb. Sie hofft nach eigener Aussage, dass Tier und Mensch ohne Probleme am Ende wieder zueinander finden und dafür werde man alles möglich machen.

"Es würde viel Arbeit wegfallen, wenn die Tiere bei den Haltern bleiben dürften. Von der psychologischen Komponente mal abgesehen."

Tiere brauchen Impfung gegen Tollwut

Zusätzlich steckt ein großer tierärztlicher Aufwand dahinter, denn die Tiere müssen nach der Einreise untersucht werden. Die Ukraine gehört nicht zur EU und wird damit als Drittland gelistet, so Amtstierärztin Alexandra Börner. Das bedeutet: Bei Einreise müssen Hunde und Katzen einen aktuellen Impfausweis vorlegen können und nachweislich gegen Tollwut geimpft sein. "Die meisten werden bei ihrer Flucht nicht als Erstes an den Impfausweis des Tieres gedacht haben." sagt Börner.

Die Gefahr, dass die Tiere aus der Ukraine die heimischen Hunde und Katzen anstecken, sei zwar laut Alexandra Börner gering, dennoch müssten die Tiere nach der Ankunft in Deutschland zur Sicherheit geimpft werden.

Pflegestellen müssen her

Bisher waren laut Veterinäramt der Stadt Karlsruhe sieben Hunde, zwei Katzen und eine Ratte auf der Suche nach einem Zuhause auf Zeit. Vier Hunde konnten bisher auf Pflegestellen vermittelt werden. Der Rest ist im Tierheim Karlsruhe untergekommen. Doch es werden weiterhin Pflegestellen gesucht, da man beim Veterinäramt mit noch mehr ankommenden Tieren rechnet.

Pflegestellen müssten nur darauf achten, dass die Tiere aus der Ukraine keinen Kontakt zu heimischen Hunden oder Katzen haben. Ein Spaziergang mit Abstand zu anderen Tieren ist trotzdem erlaubt, so die Tierärztin.

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Heidelberg

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Fabiola Germer