Ein ägyptischer Dornschwanzagame, der seit zehn Jahren im Keller des Naturkundemuseums Karlsruhe lebt, frisst aus einer Schale Gras und Blumen. (Foto: SWR)

Tiere im Museumskeller

Naturkundemuseum Karlsruhe: Zuhause für ausgesetzte Exoten

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Immer wieder werden im Naturkundemuseum Karlsruhe ausgesetzte oder beschlagnahmte Reptilien abgegeben. Sie finden im Keller des Museums zumindest vorübergehend ein neues Zuhause.

Man weiß gar nicht, wo man hinschauen soll: Ein grün schillerndes Chamäleon mit drei Hörnern verdreht bizarr seine Augen, keck dreinschauende Echsen flitzen über Äste und Seepferdchen schweben ästhetisch im Wasser. Im Keller des Naturkundemuseums reiht sich Terrarium an Aquarium.

Platzproblem durch ausgesetzte Reptilien

Neben gezüchteten Arten finden sich hier auch ausgesetzte Tiere wie eine Königspython. Die Schlange wurde von ihrem Besitzer einfach in einem Karton vor einem Zooladen abgestellt, der sie dann ins Karlsruher Naturkundemuseum brachte. Doch der Platz im Museumskeller wird immer enger.

Keine offizielle Auffangstation in Baden-Württemberg

Als Problem sieht der Leiter des Vivariums im Naturkundemuseum Karlsruhe, Johann Kirchhauser, dass es keine offizielle Auffangstation für Reptilien in Baden-Württemberg gibt. Es gebe keine festen Strukturen, wie man mit ausgesetzten oder beschlagnahmten Tieren umgehe.

Auch diese Vogelspinne, die auf der Hand des Vivariumsleiter sitzt, hat im Naturkundemusem Karlsruhe eine Zuflucht gefunden. (Foto: SWR)
Auch diese Vogelspinne hat im Naturkundemusem Karlsruhe eine Zuflucht gefunden. Sie wurde in der Schweiz beschlagnahmt, weil der Besitzer nur Papiere für die EU vorweisen konnte.

Selbst Zoos würden manche Exoten aus Angst vor Parasiten oder aus Platzmangel nicht aufnehmen. In Bayern gibt es dagegen eine zentrale Auffangstation in München.

Giftschlange im Karton

Die meisten Tiere, die Johann Kirchhauser im Keller aufnimmt, sind harmlos. Einmal brachte eine junge Frau aber in einem völlig ungesicherten Styropor-Karton eine Gabun-Viper vorbei, die von ihrem Ex-Freund stammte und die sie nicht mehr haben wollte. Man sei aus allen Wolken gefallen, als man die hochgiftige afrikanische Schlange in der Kiste gesehen haben, lacht Kirchhauser.

"Ich plädiere dafür, dass Leute, die sich ein Tier anschaffen, eine Art Führerschein machen sollten. Egal, ob man einen Hund, eine Katze oder eine Schlange will - man sollte sich vorher damit beschäftigen, wie man mit dem Tier umgehen muss."

Einfach in die Ausstellung ein Stockwerk höher kann Johann Kirchhauser die abgegebenen Exoten nicht einbinden. Zum einen sei der Platz begrenzt, vor allem aber müssten die Tiere auch thematisch in die Schau passen.

Naturkundemuseum Karlsruhe züchtet seltene Arten

Gegen illegalen Tierhandel helfe immerhin die eigene Zucht. Im Keller züchtet das Museum etliche Arten - darunter auch die seltenen Blauen Baumwarane oder Mittelmeer-Seepferdchen.

Warum er trotz des Platzmangels immer wieder ausgebüxte oder abgegebene Exoten aufnehme? "Es ist mir ein Anliegen, dass die Tiere nicht auf der Strecke bleiben. Ich kann ja nicht der Polizei sagen, dass sie die Tiere wieder mitnehmen und auf ihren Schreibtisch stellen soll. Das klappt dann nicht."

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