Teures Getreide sorgt für höhere Verbraucherpreise (Foto: SWR)

Schlechte Ernten auf der ganzen Welt

Brot und Nudeln teurer? - Hohe Weizenpreise setzen Müller unter Druck

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Heiner Kunold

Eine weltweite Misere ist inzwischen auch in der Region angekommen: Die Weizenpreise explodieren, denn der Rohstoff ist knapp. Das trifft Verbraucher ein bisschen, regionale Produzenten umso mehr.

Zum Vergleich: Aktuell wird an der Warenterminbörse in Bologna der Hartweizen mit 540 Euro je Tonne gehandelt. Vor einem Jahr lag der Preis noch bei rund 280 Euro je Tonne. Das ist ein Sprung von annähernd hundert Prozent und das bekommen Produzenten bis nach Bretten-Neibsheim (Landkreis Karlsruhe) zu spüren. 

Preissteigerungen in der Neibsheimer Mühle schwer zu verkraften

Für Müller Dominik Frank ist die aktuelle Preisentwicklung eine "Riesen-Zockerei". Er könne nicht vernünftig planen und einkaufen, weil überhaupt nicht klar sei, wie sich die Preise morgen oder in einer Woche entwickeln werden. Bei 200 Tonnen Hartweizen-Tagesproduktion in seiner Neibsheimer Mühle sind solche Preissteigerungen kaum zu verkraften. Zumal er den Weizen vorfinanzieren muss. Da kommt schnell eine halbe Million Euro zusammen, die der Müller abschreiben muss, weil die Kurse mal eben wieder gefallen sind.

"Natürlich schwanken die Weizenpreise immer. Aber hundert Prozent sind ein Wort. Da braucht man viel Kapital. Das sind sehr große Anstrengungen im Moment und Spaß macht das nicht mehr."

Treibstoff- und Fahrermangel treiben die Preise zusätzlich

Für den Müller aus Bretten sind es aber nicht nur die Rohstoffpreise. Oft weiß er gar nicht, wie er seinen Weizen nach Neibsheim bekommen soll. Schiffsfrachten sind teuer geworden und nur schwer zu organisieren. Die Kapazitäten fehlen hier ebenso wie bei Transporten auf der Straße. Auch hier gibt es mittlerweile Engpässe, zum Beispiel fehlen Fahrer. Und die Spritkosten sind ebenfalls auf Rekordhöhe.

Müller Dominik Frank hält Hartweizengries in der Hand (Foto: SWR)
Müller Dominik Frank hält Hartweizengries in der Hand

Was das am Ende für die Nudelpreise bedeuten könnte, das mag der Müller lieber nicht prognostizieren. Aber dass sie nicht steigen werden, kann sich Frank auch nicht vorstellen. Dass es zu Engpässen in den Supermarktregalen kommt, befürchtet der Müller nicht.

Preise für Brotweizen ein Drittel höher

Gleiches gilt auch für den Brotweizen: Hier sind die Preise um rund ein Drittel angestiegen, berichtet Kornelia Dewald von der Mühle Stettfeld in Ubstadt-Weiher (Landkreis Karlsruhe).  Für den sogenannten Weichweizen gelten dieselben Voraussetzungen. Das Wetter hat weltweit nicht mitgespielt. Dementsprechend geringer fiel die Ernte dieses Jahr aus, berichtet die Getreidehändlerin.

"Am backfähigen Weizen mangelt es weltweit. Es hat immer dann geregnet, wenn man den Regen gar nicht mehr brauchte. Der Regen hat einfach nur der Qualität geschadet."

Mittelständische Betriebe besonders stark unter Druck

Die Getreidehändlerin beschreibt die Situation als extrem schwierig. Es gäbe genügend Weizen, aber man müsse ihn von überall zusammenkaufen. Und auch hier gelten dieselben Bedingungen wie beim Hartweizen. Am Ende, befürchtet Dewald, werden vor allem die Produzenten, also mittelständische Unternehmer wie die Frankmühle oder Nudelproduzenten unter der Misere leiden. Denn sie könnten die gestiegenen Preise nicht eins zu eins an den Einzelhandel weitergeben.

Immerhin: Für Verbraucher werden die Preise wohl nicht explodieren. Da ist sich Kornelia Dewald fast sicher. In ihrem Mühlenladen in Stettfeld kostet das Mehl aktuell ein paar Cent mehr. Kein Vergleich jedenfalls zu den gestiegenen Rohstoffpreisen.

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