Per Drohne suchen die Jäger im Kreis Karlsruhe nach Rehkitzen in hohen Wiesen. (Foto: SWR)

Jungtiere während Mähzeit gefährdet

Karlsruher Regierungspräsidentin will Rettung von Rehkitzen per Drohne vereinfachen

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Die Rettung von Rehkitzen per Drohne soll verbessert werden. Dafür will sich die Karlsruher Regierungspräsidentin einsetzen. Immer wieder erfassen Mähdrescher die Jungtiere.

Bei einem Besuch bei der Kreisjägerschaft Karlsruhe in Bretten kündigte Regierungspräsidentin Felder an, bürokratische Hürden abbauen zu wollen. Aktuell müssen die Jäger im Kreis Karlsruhe drei von vier Anfragen von Landwirten wegen eines Drohnenflugs über ihren Wiesen ablehnen, weil kurzfristig keine Genehmigungen für Flüge über Naturschutzgebieten oder FFH-Wiesen zu bekommen seien, berichten die Jäger.

Rehkitzen fehlt noch der Fluchtinstinkt

Seit rund zwei Wochen haben die Rehe Setzzeit, da kommen die kleinen Rehkitze zur Welt, die von ihren Müttern häufig im hohen Gras abgelegt werden. Das Problem: Rehkitze haben in diesem Alter noch keinen Fluchtinstinkt. Sie bleiben einfach liegen und werden so immer wieder Opfer von mechanischen Mähmaschinen.

Tote Rehkitze in Dettenheim und Kieselbronn

In der vergangenen Woche wurde ein Rehkitz bei Dettenheim an einem Altrheindamm getötet. Am Montag kamen sogar vier Rehkitze bei Mäharbeiten auf Wiesen rund um Kieselbronn zu Tode. Und das, obwohl der Landwirt die Wiesen vorher abgesucht hatte.

Drohne mit Wärmebildkamera hilft bei Suche nach Rehkitzen

Die Kitze seien im hohen Gras nur sehr schwer zu entdecken, beschreibt Susanne Kraft von der Karlsruher Kreisjägerschaft das Problem. Selbst wenn sie unmittelbar vor den Füßen eines Suchers liegen, seien sie oft erst im letzten Moment zu sehen. Bei der mechanischen Suche etwa mit einer Menschenkette werden sie deshalb häufig auch übersehen.

Eine Drohne mit Wärmebildkamera, wie sie von den Karlsruher Jägern eingesetzt wird, sei da sehr viel sicherer. Allerdings müssen die Drohnenjäger vor Tagesanbruch ausrücken, weil nach Sonnenaufgang die Suche per Wärmebildkamera immer schwieriger wird.

Zumeist sind die Drohnenpiloten der Karlsruher Kreisjägerschaft dann mit mehreren ehrenamtlichen Helfern unterwegs, um die Kitze schnell zu finden. Die Jungtiere müssen von der Wiese getragen und beispielsweise in einem Jutesack so lange festgehalten werden, bis die Mahd erledigt ist. Erst danach werden sie an einem sicheren Ort, etwa am Waldrand, wieder abgelegt.

Rettung der Tiere ist aufwändig

Würden die Kitzretter die Tiere einfach laufen lassen, wäre die Gefahr zu groß, dass sie an ihren ursprünglichen Fundort zurückkehren und dann doch von der Mähmaschine erfasst werden. Die Ricken, also die Rehmütter, sind zumeist nicht weit entfernt und nehmen die Jungtiere nach so einer Rettungsaktion wieder in Empfang.

Einsatz von Drohnen soll einfacher werden

Regierungspräsidentin Felder will die Arbeit der ehrenamtlichen Kitzretter mit Drohne einfacher machen. Felder kündigte an, sich auch beim Umweltministerium für eine Entbürokratisierung der Vorschriften einzusetzen. Denkbar seien Genehmigungen für eine ganze Saison von April bis Juli, die möglichst auch für ein ganzes Gebiet und nicht nur für einzelne Wiesen gelten. Die Vorschriften dafür muss allerdings das Land ändern. Deshalb sei frühestens im nächsten Jahr mit so einer Vereinfachung zu rechnen.

Karlsruher Jägerschaft verfügt über drei Drohnen

Der Karlsruher Jägerschaft stehen aktuell drei Drohnen mit 15 Piloten und rund 70 Helfern zur Verfügung. Die Drohnen inklusive Wärmebildkamera kosten in der Anschaffung rund 10.000 Euro und konnten durch Spenden finanziert werden.

In dieser Saison haben die Karlsruher Jäger bereits rund 200 Hektar Wiesen überflogen und dabei vier Rehkitze retten können.

Kitzrettung der Kreisjägerschaft im Internet

Die Kitzrettung per Drohne ist über die Internetadresse der Karlsruher Kreisjägerschaft erreichbar. Hier können Landwirte ihre Flugwünsche eintragen. Anhand von Flurstücknummern können die Piloten dann sehr schnell feststellen, ob sie über der Wiese überhaupt fliegen dürfen oder nicht.

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