Vogelstation Fingermann in Rastatt (Foto: SWR)

Ehemaliger Rastatter Naturschutzbeauftragter in Ungnade

Verstöße gegen Tierschutzgesetz? Streit um die Vogelauffangstation Fingermann in Rastatt

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Wegen gravierender Verstöße gegen das Tierschutzgesetz soll die bekannte Vogelstation von Pierre Fingermann in Rastatt keine Tiere mehr aufnehmen dürfen. Der Kreis hat nach eigenen Angaben tierschutzrechtliche Mängel festgestellt.

Bis Ende September, so schreibt das Veterinäramt des Kreises, dürfe Pierre Fingermann keine Wildvögel mehr aufnehmen. Erst wenn die Mängel abgestellt seien, dürfe die Vogelauffangstation wieder öffnen.

Amt bemängelt falsche Pflege und unzureichende Versorgung

Das Veterinäramt wirft Fingermann unter anderem vor, es habe in den vergangenen zwei Jahren wiederholt bei der Versorgung von Pflegetieren Mängel gegeben. Die Vögel seien falsch oder ungenügend gepflegt worden und kranke oder verletzte Tiere seien nicht oder nicht rechtzeitig einem Tierarzt vorgestellt worden.

Peter Reith, Leiter des Rastatter Veterinäramtes, wirft Fingermann zudem vor, er habe Fehler bei der Auswilderung gemacht. Bei einer Kontrolle seien Vögel gefunden worden, die eine Auswilderung nicht lange überlebt hätten, weil sie entweder noch immer verletzt oder nicht ausreichend auf das neue Leben in der freien Natur vorbereitet gewesen seien.

Fingermann: Vorwürfe völlig überzogen

Pierre Fingermann wehrt sich und hält die Vorwürfe für völlig überzogen. Die Kontrollen seien ungenügend gewesen und zu einem falschen Zeitpunkt gekommen. So könnten morgens um acht Uhr natürlicherweise noch nicht alle Volieren geputzt und sämtliche Tiere gefüttert sein.

Nach Einschätzung des bekannten Vogelexperten, der lange Zeit ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter des Landkreises Rastatt war und der für sein Engagement für kranke Tiere sogar mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, sei die Auseinandersetzung auf eine persönliche Fehde mit einer einzelnen Amtstierärztin zurückzuführen. Diesen Vorwurf wies Amtsleiter Peter Reith allerdings als völlig haltlos zurück.

Zusätzliche Brisanz bekommt die Auseinandersetzung auch dadurch, dass laut Pierre Fingermann die Vogelauffangstation inzwischen mit einer Tierrettungsorganisation zusammenarbeite, die für Rettungseinsätze Rechnungen stelle. Kevin Fingermann, der Enkel von Pierre, hatte vom Kreis darüber hinaus eine Festanstellung gefordert, die er aber nicht bekommen hat.

Persönliche Beleidigungen in den sozialen Medien

Die Affäre Fingermann hat in den sozialen Medien längst einen Sturm der Entrüstung losgetreten. Kevin Fingermann lädt am kommenden Wochenende zu einer Art Tag der offenen Tür ein, um zu belegen, dass die Zustände in der Vogelauffangstation nicht so seien, wie sie vom Landkreis angeprangert werden.

Die Behörde selbst sieht sich massiven Anfeindungen und persönlichen Beleidigungen ausgesetzt. Teilweise seien Mitarbeiter des Veterinäramtes direkt angeschrieben worden. Die Mitarbeiter seien ziemlich fassungslos, beschreibt Amtsleiter Peter Reith die Situation. Deshalb hatte sich der Kreis auch entschlossen, am Donnerstag selbst mit einer Pressekonferenz in die Öffentlichkeit zu gehen.

Behörde hofft auf einvernehmliche Lösung

Man hoffe auf eine einvernehmliche Lösung mit Pierre und Kevin Fingermann, sagt Sebastian Oser vom Amt für Naturschutz und Öffentliche Ordnung. Die beiden hätten nun bis Ende Juli Zeit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Davon werde man das weitere Vorgehen abhängig machen. Fingermann selbst sieht das Tischtuch aber längst als zerschnitten und denkt laut darüber nach, mit allen Vögeln und der gesamten Auffangstation in einen Nachbarkreis umzuziehen. Dort werde man mit Handkuss genommen, ist er überzeugt.

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