Die stillen Helden am Flughafen Karlsruhe-Baden-Baden (Foto: SWR)

Überblick behalten im turbulenten Alltag

Außergewöhnliche Einblicke - die stillen Helden des Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden

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Rebekka Plies
Ein Bild von Rebekka Plies (Foto: SWR, Patricia Neligan)
Markus Bender
Markus Bender, SWR (Foto: SWR)

Der Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden (FKB) ist gut durch die Pandemie gekommen, anders als andere Flughäfen. Hinter den Kulissen sind dafür viele stille Helden rund um die Uhr im Einsatz.

Personalmangel, lange Schlangen am Check-in, Flugausfälle. Der Start in den Sommerurlaub ist in diesem Jahr mit größeren Herausforderungen als sonst verbunden. Am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden läuft das Fluggeschäft aktuell nahezu reibungslos. Dafür verantwortlich sind die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hinter den Kulissen.

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René Hanke: Streckenkontrolleur unterwegs auf dem Rollfeld

5:30 Uhr am Morgen: Während der Himmel über dem Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden vom Sonnenaufgang in Rottönen getaucht wird, steigt René Hanke in sein Auto und dreht seine erste Runde über das Rollfeld.

Die stillen Helden am Flughafen Karlsruhe-Baden-Baden (Foto: SWR)
Die Augen immer auf der Fahrbahn - René Hanke auf Kontrollfahrt.

Drei Kilometer lang ist die Start- und Landebahn. Beide Streckenseiten werden von René Hanke und seinem Team alle vier Stunden kontrolliert.

"Alles was herumliegt kann ein Flugzeug beschädigen. Das schlimmste Beispiel ist der Concorde-Absturz in Paris - das kann passieren, wenn man eben nicht regelmäßig kontrolliert."

Auch tierische Besucher auf dem Rollfeld können für Probleme sorgen. Im Herbst werfen Krähen beispielsweise Nüsse oder Golfbälle vom nahegelegenen Golfplatz auf die Rollbahn. Die müssen von den Mitarbeitern der Flugaufsicht dann eingesammelt werden.

Die stillen Helden am Flughafen Karlsruhe-Baden-Baden (Foto: SWR)
Bei gutem Wetter macht der job von René Hanke besonders viel Spaß.

Nach der Kontrollfahrt geht es ins Büro. Alle Daten und Vorkommnisse müssen ganz genau protokolliert werden. Die Verantwortung für viele tausend Fluggäste zu tragen ist nicht leicht, aber René Hanke und seine Kollegen sind sich dessen vollkommen bewusst. Die Abwechslung und der Austausch mit vielen unterschiedlichen Leuten, macht seinen Job auch nach über 20 Jahren jeden Tag aufs Neue spannend.

Heiko Glasstetter: Die Koordinations-Schnittstelle des FKB

Die Fäden in der Hand haben am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der "OPS" - der "Operations". Wie viele Gäste haben eingecheckt? Sind auch alle in die Maschine eingestiegen? Wie schwer ist das Flugzeug? Diese Daten werden aufgenommen und weitergegeben. Alle verlassen sich auf die Zahlen und Daten der Kollegen.

"Wir sind hauptverantwortlich für die Abläufe und die Maschinen. Gibt es Schäden oder sitzen alle Passagiere im richtigen Flugzeug? Man muss auf sehr viel achten!"

Wenn sich Heiko Glasstetter seine gelbe Warnweste und Ohrenschützer anzieht, geht es raus zu den Flugzeugen. Gleich kommt eine neue Maschine aus Mallorca an. Glasstetter muss einmal um die gesamte Maschine herumlaufen und prüfen, ob er irgendwo Schäden entdeckt. Ansonsten muss er die Fluggäste genau im Blick behalten.

"Flüge aus Mallorca sind immer ein Spezialfall wegen der Partymeute. Da muss man die Leute immer ein bisschen genauer im Blick behalten, dass sich beispielsweise nicht direkt jemand eine Zigarette ansteckt."

Viel Verantwortung liegt auf den Schultern von Heiko Glasstetter und seinen Kollegen, aber ohne diesen Nervenkitzel kommen sie auch nicht aus.

Die stillen Helden am Flughafen Karlsruhe-Baden-Baden (Foto: SWR)
Heiko Glasstetter liebt die Abwechslung bei seinem Job.

Hermann Metzinger: Herr der tausend Koffer

Es ist ein Knochenjob, für den Hermann Metzinger die Verantwortung trägt. Er ist Kofferverlader und muss Tausende Gepäckstücke anheben, auf verschiedene Ladeflächen packen, sodass sie entweder im Flugzeugbauch landen oder nach der Ankunft wieder auf dem Gepäckband im Flughafen.

Meistens bleibt ihnen nur eine halbe Stunde, um eine Maschine zu entladen und dann wieder zu beladen. Kofferschleppen ist anstrengende Akkordarbeit:

"Wir müssen Hand in Hand zusammenarbeiten, nur dann geht es. Das ist ein Knochenjob. Bei 30 Grad kommt man ganz schön ins Schwitzen!"

Die Kofferverlader wollen natürlich nicht dafür verantwortlich sein, wenn es zu Verzögerungen kommt. Fehler können ganz schnell hohe Kosten verursachen und sorgen natürlich auch für ein angekratztes Ego bei den Beteiligten. "Einen Koffer verlieren bedeutet einen Kuchen für die Mannschaft", witzelt Hermann Metzinger.

Patrick Nees: Feuerwehrmann und Assistenz-Service

Während sich am Check-in-Schalter Elvis Dibrani um alle Belange der Fluggäste kümmert, warten im Hintergrund weitere Mitarbeiter. Sie kommen bei Passagieren zum Einsatz, die beispielsweise auf einen Rollstuhl angewiesen sind und die es nicht alleine in oder aus einem Flugzeug schaffen.

Patrick Nees ist einer dieser Assistenten. Er ist von der Flughafenfeuerwehr und hat an diesem Tag einen ganz besonderen Auftrag. Sieben Senioren müssen mit ihren Rollstühlen aus einem Flugzeug geholt werden.

Die stillen Helden des Flughafen Karlsruhe-Baden-Baden (Foto: SWR)
Patrick Nees auf dem Weg zum nächsten Assistenz-Einsatz.

Für den Transport kommt ein spezielles Fahrzeug zum Einsatz. Ein Lkw, auf dem ein Container montiert ist. Der kann auf die Höhe der Flugzeugtür gefahren werden. Bei der anschließenden Fahrt zur Ankunftshalle müssen Patrick Nees und seine Kollegen aber ganz besonders sorgfältig sein.

"Wenn mehrere Flugzeuge mit Assistenzbedarf gleichzeitig kommen, kann es auch mal stressig werden. Da müssen wir einfach abklären, welche Maschine Priorität hat."

Patrick Nees arbeitet eigentlich bei der Flughafenfeuerwehr. Aber auch der Assistenz-Service gehört zu seinen Aufgaben. Die Vielfalt macht für ihn den Job aus und das gefällt ihm

Die stillen Helden des Flughafen Karlsruhe-Baden-Baden (Foto: SWR)

"Nur weil man etwas älter ist, heißt das nicht, dass man nicht in den Urlaub fliegen darf."

Sandra und Paul: Zollbeamte auf der Suche nach dem Verbotenen

Während die Passagiere langsam Richtung Ankunftshalle laufen, machen sich Sandra und Paul vom Hauptzollamt Karlsruhe bereit für die Stichprobenkontrollen. Bei einem Passagier ist das Röntgenbild seines Gepäcks auffällig. Er muss zur Nachkontrolle, auch wenn sich im Nachhinein herausstellen wird, dass es sich um eine Spielekonsole gehandelt hat.

Die stillen Helden am Flughafen Karlsruhe-Baden-Baden (Foto: SWR)
Sandra kontrolliert das Handgepäck, ob verbotene Gegenstände oder größere Summen Bargeld transportiert wurden.

"Es ist manchmal schon etwas eklig, muss man ganz ehrlich sagen. Vor allem, wenn man den Inhalt schon am Geruch erkennt, wie beispielsweise gammeligen Käse."

Auch Verstöße gegen das Artenschutzgesetz kommen immer wieder vor. Der skurrilste Fund war vor einiger Zeit ein Walross-Stoßzahn. Die Zollbeamte rät Urlaubern dazu, auf das ein oder andere Souvenir zu verzichten, weil es möglicherweise in den verbotenen Bereich fällt.

Tierische Spürnasen kommen an diesem Tag auch zum Einsatz. Während die Fluggäste einzeln in die Halle hereinkommen, steht der Drogenspürhund bereit und schnüffelt konzentriert. Dieses Mal hat er niemanden erwischt. Doch nicht selten sind die Ertappten kreativ, wenn es um das Thema Ausreden geht. Von "ich dachte das sei Tee" bis "ich weiß nicht, wie das ins Gepäck gelangt ist", ist alles dabei. Ein Vergehen bleibt es trotzdem.

Auch wenn die tägliche Arbeit am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern alles abverlangt, ein Satz fällt dort immer wieder: "Wer einmal in der Luftfahrt arbeitet, kommt nie wieder davon los."

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