Steinkauz-Retter in Dettenheim: Dieser kleine Vogel darf in die freie Natur (Foto: SWR, Fabiola Germer)

Einsatz für den Naturschutz

Hilfe für kleine Eulen: Steinkauz-Retter aus Dettenheim

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Fabiola Germer
Ein Bild von Fabiola Germer (Foto: SWR, Patricia Neligan)

Naturschützer aus dem Kreis Karlsruhe versuchen den Fortbestand des Steinkauzes zu sichern. Denn die Art ist stark bedroht. Die Bemühungen zeigen inzwischen Erfolge.

Große gelbe Augen, weiß-braunes Gefieder und gerade mal 20 Zentimeter groß: Der Steinkauz ist nicht nur hübsch anzusehen, er gehört auch zu den stark bedrohten Arten der Eulenfamilie: In ganz Baden-Württemberg gibt es vielleicht noch hundert Steinkauzpaare. In Dettenheim ist der kleine Vogel seit den 70er Jahren verschwunden.

Für Hermann Geyer aus dem Naturschutzzentrum in Dettenheim (Kreis Karlsruhe) sind das bedrohliche Entwicklungen. Er hat es sich deswegen zur Aufgabe gemacht die kleinen Eulen zu züchten und in der Region wieder anzusiedeln. Mit Erfolg.

Lebensraum vom Steinkauz ist bedroht

Besonders gerne lebt der Steinkauz auf Streuobstwiesen in alten Bäumen, sagt Hermann Geyer. Hier findet er in der Regel genügend Nahrung wie Insekten und Platz zum Brüten und den Nachwuchs aufzuziehen. Doch Streuobstwiesen gibt es immer weniger und damit wird es immer schwieriger für den Steinkauz sich fortzupflanzen.

Steinkauz in der Hand von Hermann Geyer im Naturschutzzentrum Dettenheim (Foto: SWR, Hermann Geyer)
Steinkauz in der Hand von Hermann Geyer im Naturschutzzentrum Dettenheim Hermann Geyer

Für Hermann Geyer ist die Steinkauzzucht daher nicht nur die Rettung der kleinen Vögel, sondern auch ganzheitlicher Naturschutz.

"Der Steinkauz verkörpert die Wichtigkeit der Streuobstwiesen. Und für uns ist es wichtig, dass man nicht nur den Steinkauz sieht, sondern den gesamten Lebensraum."

Deswegen sei es wichtig alte Bäume auf Streuobstwiesen stehen zu lassen. Sie dienen als natürliche Bruthöhle und Rückzugsort für Steinkäuze erklärt Hermann Geyer. Junge Bäume könne man auch direkt daneben pflanzen, statt alte abzureißen.

Zucht seit 2013 in Dettenheim

Im Naturschutzzentrum in Dettenheim (Kreis Karlsruhe) züchtet Geyer mit anderen Naturschützern seit fast zehn Jahren Jungkäuze, die dann ausgewildert werden. In einer Voliere direkt auf dem Gelände leben zwei Zuchtpaare. In diesem Jahr ist es die neunte Generation von Jungkäuzen, die in ein neues Leben in der freien Natur beginnen. Bis heute wurden laut Geyer insgesamt 72 Steinkäuze von ihm und seinem Team ausgewildert.

Doch die Zucht ist komplex und leider nicht immer von Erfolg gekrönt: Etwa 70 Prozent der Jungvögel sterben im ersten Jahr. Entweder durch natürliche Feinde wie Krähen und Mader oder durch zu wenig Nahrung, sagt Hermann Geyer.

"Ich habe es nicht glauben können."

Steinkauzpaar zurück in Dettenheim

Und nach neun Jahren der Höhen und Tiefen gibt es nun auch große Erfolge zu feiern: Ein Steinkauzpaar hat sich in der Höhle eines Apfelbaums in Dettenheim niedergelassen und Nachwuchs gezeugt. Besonders stolz macht Hermann Geyer, dass der "Papa" sogar aus der Zucht von ihm stammt. Als er die Naturbrut entdeckte, war er begeistert und auch ein bisschen sprachlos.

"Hier schließt sich ein Kreislauf von der Zucht bis zur Auswilderung. Das ist ein Sechser im Lotto als Naturschützer."

Mit einer Wildkamera hält er jede Bewegung der kleinen Familie fest. Mit einer Holzleiter wechselt er regelmäßig die Speicherkarte der Kamera aus. Für ihn ist der Bruterfolg der Lohn für seine ehrenamtliche Arbeit. Der Erfolg zeige, das auch längst verschwundene Arten erfolgreich wiederangesiedelt werden können.

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