Covid-19-Patienten liegen auf Intensivstation eines Krankenhauses, auch im Raum Karlsruhe immer mehr Patieten und wenig Pflegepersonal (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Peter Kneffel)

Krankenhäuser in Stadt und Landkreis Karlsruhe besorgt

Klinikum Karlsruhe: volle Intensivstationen, fehlendes Personal, steigende Corona-Zahlen

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Katharina Raquet
Tobias Zapp

Die vierte Corona-Welle erfasst immer stärker die Krankenhäuser. Am Klinikum Karlsruhe spricht man angesichts voller Intensivstationen von einer hochdramatischen und gefährlichen Lage.

Überall in den Krankenhäusern steigt die Belastung durch Covid-19-Patienten auf den Intensiv- und den Normal-Stationen. Das "Cluster Karlsruhe", also die Krankenhäuser in Stadt und Landkreis Karlsruhe, sei besonders belastet, sagte der Geschäftsführer des Klinikums Karlsruhe, Michael Geißler. Nur acht von 158 betreibbaren Intensivbetten seien noch frei.

"Bis zu 40 Prozent der Intensivbetten in Kliniken der Region sind gesperrt und wir haben ausgelaugtes Pflegepersonal"

Das Klinikum Karlsruhe könne von 66 Intensivbetten nur 38 betreiben, da für mehr das Personal fehle. Das bedeute jetzt schon, dass Operationen verschoben und Patienten verlegt werden müssten. Fast alle Covid-Patienten auf der Intensivstation seien nicht oder unvollständig geimpft. Sie sind zwischen 53 und 72 Jahre alt. Aktuell sterben nach Angaben des Klinikums 36 Prozent der Covid-Intensivpatienten.

Intensiv-Pflegekräfte fehlen

Ein großes Problem bei der Versorgung sind fehlende Pflegekräfte. Derzeit sind zwölf Stellen im Intensiv-Pflegebereich nicht besetzt, weitere elf Kolleginnen und Kollegen müssten noch eingearbeitet werden, da sie frisch aus der Ausbildung kommen. Das Klinikum Karlsruhe will als größter Maximal-Versorger in der Region nun gegensteuern mit einem speziellen Personalkonzept und finanziellen Anreizen.

Finanzielle Anreize für Pflegepersonal

Nach 20 Monaten Pandemie stehe man wieder vor großen Herausforderungen, so Pflegedirektorin Elvira Schneider. Man müsse wieder vermehrt Mitarbeitende aus anderen Bereichen auf die Intensiv- und die Covid-19-Allgemeinstationen verschieben. Damit das auf freiwilliger Basis gelingt, soll es Zulagen, einen individuell gestalteten Dienstplan sowie psychologische Betreuung geben.

Zulagen von bis 700 Euro im Monat

Laut Pflegedirektorin Schneider beträgt die Zulage bei einer Vollzeit beschäftigten Pflegekraft 650 bis 700 Euro im Monat. Zudem sehe das neue Konzept eine klare Organisationsstruktur vor, was Qualifikation der Beschäftigten, Einsatzbereich und -zeitraum sowie Betreuungsschlüssel betreffe. Man habe bereits zahlreiche Anfragen interessierter Mitarbeiter bekommen.

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Klinikum-Geschäftsführer fordert mutigere politische Entscheidungen

Klinikum-Geschäftsführer Geißler fordert allerdings deutlich weit reichendere politische Entscheidungen, wie 2G in Innenräumen und mehr Impfungen. Und er fordert weiter finanzielle Unterstützung der Kliniken durch Bund und Land. Im Laufe der kommenden Woche rechnet er damit, dass erste Patienten aus stark belasteten baden-württembergischen Kliniken in weniger belastete Nachbarländer wie Rheinland-Pfalz verlegt werden müssen.

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