Stadtjäger von Pforzheim (Foto: SWR)

Wenn Wildtiere zur Plage werden

Stadtjäger geht in Pforzheim gegen Wildtiere vor

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AUTOR/IN
Peter Lauber
Ein Bild von Peter Lauber (Foto: SWR, Patricia Neligan)

Waschbären, Füchse und Marder fühlen sich in der Pforzheimer Innenstadt immer mehr zu Hause. Weil das ein Problem ist, ist dort nun ein Stadtjäger unterwegs.

Die Stadt Pforzheim hat seit Ende Dezember ihren ersten Stadtjäger - Klaus-Peter Schliffka. Der Grund: In den letzten Jahren gab es in den Wohngebieten vermehrt Vorfälle mit Wildtieren. Mal geht es um kranke Füchse, die sich in Gärten und Höfen zu schaffen machten, mal gibt es Fragen zu Waschbären, Nutrias oder Mardern.

Pforzheim: Kranke Füchse kommen auf Höfe am Stadtrand

Am nördlichen Stadtrand von Pforzheim betreibt Wolfram Golderer einen landwirtschaftlichen Hof. Rund 900 Freilandhühner bevölkern dort die Wiesen. Die Hühner bekommen in letzter Zeit immer öfter ungebetenen Besuch von Füchsen: "Das Problem ist: das sind keine gesunden Füchse, die zu uns auf den Hof kommen. Die sind schon sehr krank. Es ist nicht schön, die Tiere leiden zu sehen", sagt Golderer.

Kranke Wildtiere sind für Kinder gefährlich

Er hat deshalb Stadtjäger Klaus-Peter Schliffka um Rat gefragt. Viel zu viele Füchse seien in der Stadt unterwegs, weiß er. Und diese Überpopulation sei das eigentliche Problem. "Denn die begünstigt die Ansteckung untereinander mit Räude. Wenn hier in der Nähe ein Kindergarten ist, ist das für die Kinder immer mit einem erheblichen Risiko verbunden", erklärt der Experte.

Schliffka überlegt nun, ob er die kranken Tiere einfängt und im Notfall einschläfert. Nur ein Beispiel für Konflikte zwischen Mensch und Wildtier in der Stadt. "Der Waschbär zum Beispiel plündert die Bodenbrüter, die Gänse verkoten die Liegewiesen in den Freibädern. Die Nutrias höhlen die Hochwasserdämme aus", weiß Schliffka.

Immer mehr Wildtiere in Pforzheim zu Hause

Die Zahl der Wildtiere in Siedlungsgebieten nehme ständig zu, erzählt der erfahrene Jagdpächter, der als einer der ersten im Land eine Ausbildung zum Stadtjäger absolviert hat. Kein Wunder, träfen die Tiere doch in den Städten auf geradezu paradiesische Zustände.

"Hier leben mehr Wildtiere bezogen auf eine Flächeneinheit als draußen in Wald und Forst", sagt Schliffka. Die Gründe: in der freien Natur herrsche immer mehr Besucherdruck und gebe es immer mehr frei laufende Hunde. In der Stadt dagegen dürfe nicht gejagt werden, die Tiere fühlten sich sicher und fänden Futter ohne Ende, wie z. B. Pizzareste auf Parkplätzen oder in Mülltonnen.

"In der Stadt haben sie keinen Jagddruck und Futter ohne Ende."

Stadtjäger will in Pforzheim aufklären

Und wenn es dann zu Problemen kommt, ist der Stadtjäger zur Stelle. Mit dem Jagdgewehr allerdings nur selten, klärt er auf. "Die Aufgabe des Stadtjägers ist es nicht mit dem Gewehr in der Stadt rumzulaufen. Sondern Menschen zu beraten, was man machen kann." Geeignete Maßnahmen könnten die Vergrämung mit Ultraschallgeräte oder Duftstoffen sein oder auch Fallen aufzustellen.

Gänzlich vertreiben ließen sich die Tiere nicht mehr aus der Stadt, weiß Hans Peter Schliffka - das sei auch nicht sein Ziel. Sein Rat daher: "Versuchen Sie, die Wildtiere zur tolerieren. Wir müssen damit leben und werden auch damit leben."

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