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Der Generalintendant des Badischen Staatstheaters in Karlsruhe, Peter Spuhler, bleibt im Amt. Das hat der Verwaltungsrat des Theaters am Freitag beschlossen.

Der Verwaltungsrat hat sich auf ein Maßnahmenpaket zur Befriedung der Situation am Staatstheater geeinigt. Man wolle die weitere Entwicklung eng begleiten, sagte die baden-württembergische Kunstministerin Theresia Bauer (Grüne) nach der Sitzung.

Regelmäßige Befragung der Mitarbeiter

Mit den Maßnahmen soll das Vertrauen zwischen Spuhler und der Belegschaft des Staatstheaters wiederhergestellt werden. Unter anderem ist vorgesehen, Mitarbeiter regelmäßig zu den Arbeitsbedingungen zu befragen und anzuhören. Außerdem soll eine Vertrauensperson an Spuhlers Seite gestellt und ein Vertrauensanwalt etabliert werden.

Rund 300 Mitarbeiter des Staatstheaters haben  am Freitagvormittag vor und während der Verwaltungsratssitzung auf dem Karlsruher Festplatz für einen Neuanfang demonstriert. Zuletzt hatte es scharfe Kritik von Beschäftigten und Personalrat an Spuhlers Führungsstil gegeben.

"Ich bedanke mich für das Vertrauen des Verwaltungsrats. Ich anerkenne den Bedarf, zeitnah und nachhaltig die Maßnahmen und Veränderungen anzugehen. Das Vertrauen innerhalb des Hauses wiederherzustellen, hat oberste Priorität.

Peter Spuhler, Intendant Badisches Staatstheater Karlsruhe

"Große Enttäuschung" beim Personalrat

Die größtenteils langfristig angelegten Maßnahmen entsprechen nicht dem Gewicht der akuten Missstände, so der Personalrat nach der Sitzung der Verwaltungsrats. Die Maßnahmen habe man bereits im Rahmen einer Mediation 2015 gehört, nur wenig davon sei umgesetzt worden, so David Panzer, Mitglied des Personalrats gegenüber dem SWR. Der Verwaltungsrat mit Kunstministerin Bauer und Oberbürgermeister Mentrup wälze die Verantwortung ab und habe Vertrauen verspielt.

"Kein Wort der Entschuldigung, kein Wort der Eingeständnisse von Verfehlungen. Hier muss man wirklich sagen: Vertrauen verspielt!"

David Panzer, Personalrat Badisches Staatstheater, zum Vorgehen von Kunstministerin Bauer und Oberbürgermeister Mentrup

Die Beschäftigen des Theaters wurden am Freitagnachmittag über die Ergebnisse der Verwaltungsratssitzung informiert. Viele waren unzufrieden mit dem vorgelegten Maßnahmenpaket. SWR-Reporter Bernd Hocke:

CDU und Die Linke kritisieren scharf

Die Karlsruher CDU verlangt Aufklärung darüber, wann Oberbürgermeister Mentrup Kenntnis erhalten hat von möglichen Problemen mit der Personalführung des Intendanten Spuhler. Das Agieren von Ministerin Bauer und Oberbürgermeister Mentrup habe Vertrauen zerstört und die Staatstheater-Affäre zu einer politischen Affäre werden lassen, so die CDU weiter.

Auch Die Linke im Karlsruher Gemeinderat hat das Vorgehen des Verwaltungsrats scharf kritisiert. Die vom Verwaltungsrat vorgeschlagenen Maßnahmen seien völlig unzureichend und im Wesentlichen die gleichen, unwirksamen Rezepte, welche der Verwaltungsrat, allen voran Oberbürgermeister Mentrup und Ministerin Bauer, dem Theater bereits 2015 erfolglos verordnet hätten, heißt es in einer Mitteilung.

Demonstration vor der Halle

Der Personalrat des Badischen Staatstheaters hatte in einem offenen Brief angebliche Missstände angeprangert. Darin war von "Kontrollzwang, beständigem Misstrauen, oder cholerischen Ausfällen" seitens Spuhler die Rede. Es herrsche ein toxisches Arbeitsklima, hieß es unter Berufung auf vertrauliche Gespräche des Personalrates mit Mitarbeitern. Spuhler hatte sich zuvor in einer Personalversammlung bei seinen Mitarbeitern entschuldigt.

"Ich werde mit dem Personalrat darüber reden, wie wir einen noch unmittelbareren Zugang zu mir an der Stadtspitze schaffen, dass man hier die Informationen direkt fließen lässt."

Frank Mentrup (SPD), Karlsruher Oberbürgermeister

"Vertrauen ist zerstört"

Mit einem Protest-Spalier waren die Demonstranten für einen Neuanfang an dem Haus eingetreten. "Das Vertrauen in die Theaterleitung ist zerstört", sagte ein Orchestermitglied bei der Protestkundgebung. Die Demonstranten warfen Generalintendant Peter Spuhler schlechten Führungsstil und mangelhafte künstlerische Leistungen vor.

Spuhler ist seit 2011 Generalintendant am Badischen Staatstheater. Unter seiner Leitung hat das Haus auch bundesweit viel Beachtung erfahren. Vor etwas mehr als einem Jahr hatte er seinen bis 2021 laufenden Vertrag um fünf Jahre bis zum August 2026 verlängert.

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