Drittklässler aus Unterreichenbach lernen im Hotelpool schwimmen (Foto: SWR, Peter Lauber)

Außergewöhnliche Kooperation mit Vier-Sterne-Hotel

Unterreichenbacher Drittklässler lernen im Hotelpool schwimmen

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Peter Lauber
Ein Bild von Peter Lauber (Foto: SWR, Patricia Neligan)

Wo schwimmen lernen, wenn es im Ort kein Schwimmbad gibt? Wie viele andere Gemeinden auf dem Land hatte auch Unterreichenbach dieses Problem. Doch die dortige Grundschule kam auf eine pfiffige Idee.

Kinder sollen Schwimmen lernen - deswegen ist Schwimmunterricht sogar im Lehrplan für Grundschulen verankert. Soweit die Theorie. Im echten Leben jedoch oft gar nicht möglich, weil es schlicht kein Schwimmbad im Ort gibt. Ein Problem vor allem auf dem Land. In dem kleinen Schwarzwaldort Unterreichenbach (Kreis Calw) war das bis vor Kurzem genauso.

SWR-Reporter Wolfgang Hörter hat die Kinder beim Schwimmunterricht begleitet:

Als Schulleiterin Kristina Bard im vergangenen Schuljahr ihre neue Stelle an der Unterreichenbacher Tannbergschule antrat, wurde sie sogleich mit einem lang gehegten Wunsch der Eltern konfrontiert. Die suchten schon lange nach einer Möglichkeit für Schwimmunterricht. Bard wandte sich an Bürgermeister Carsten Lachenauer. Der erinnerte sich daran, dass in "Mönchs Waldhotel" im Ortsteil Kapfenhardt vor etlichen Jahren schon mal Babyschwimmen angeboten wurde.

Drittklässler aus Unterreichenbach lernen im Hotelpool schwimmen (Foto: SWR, Peter Lauber)
Die Unterreichenbacher Drittklässler auf dem Weg zum Schwimmunterricht

Hotelchefin: Freue mich auf jeden Donnerstag!

Kurzerhand wandte sich die Rektorin an die Hotelchefin Sabine Blum, die sofort ein offenes Ohr für das Anliegen der Schule hatte. Man setzte sich zusammen und entwickelte einen Plan. Und so findet seit diesem Schuljahr einmal in der Woche Schwimmunterricht für die dritte Klasse statt. Aus Platzgründen teilt man die Kinder in zwei Gruppen ein, die jeweils alle 14 Tage im Hotelpool schwimmen dürfen.

Die Gäste stört es nicht, die haben auch Spaß. Es ist ja nur für kurze Zeit und tut keinem weh.

Drittklässler aus Unterreichenbach lernen im Hotelpool schwimmen (Foto: SWR, Peter Lauber)
Einmal in der Woche findet im Hotelpool Schwimmunterricht statt.

Bislang keine Beschwerden von Hotelgästen

Vor jeder Schwimmstunde teilt der Hausmeister den Pool mit einer rot-weiße Kette in zwei Hälften ein - auf der einen Seite schwimmen die Kinder, auf der anderen die Hotelgäste. Die störten sich an der Kinderschar, die einmal in der Woche einfällt, überhaupt nicht, meint Hotelchefin Sabine Blum. Ganz im Gegenteil - auch sie hätten Spaß daran, dem fröhlichen Treiben zuzusehen. Klassenlehrerin Annsophie Jerome und ihre Chefin sind einfach nur glücklich, endlich Schwimmunterricht anbieten zu können.

Immer weniger Kinder können schwimmen, es gibt immer mehr Ertrinkungstote, wir als Schule müssen dagegen angehen.

Alle Kinder können inzwischen schwimmen

45 Minuten lang toben auch an diesem Donnerstagmorgen die Drittklässler im Hotelpool. Mit Schwimmnudeln und Brettern machen sie unter Anleitung von Klassenlehrerin Annsophie Jerome Spiele und Übungen. Die Kinder haben sichtlich Spaß, sie alle könnten inzwischen schwimmen, erzählen sie stolz. Manche hätten bereits das Seepferdchen oder sogar schon das Schwimmabzeichen in Bronze gemacht. "Und ich kann jetzt sogar mit offenen Augen tauchen", erzählt der neunjährige Leif.

Es ist so schön, dass wir in der Schule auch was anderes außer Mathe und Deutsch haben. Ich wäre ganz traurig, wenn es das nicht gäbe.

Keine Frage: Schwimmen im Hotelpool - für die Unterreichenbacher Drittklässler die schönste Unterrichtsstunde der ganzen Woche!

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