Kerstin Opitz (l) sitzt in einem Corona-Testzentrum in der Festhalle "Schiene" vor Maik Rumpelt, Mitarbeiter Deutsches Rotes Kreuz (DRK). | Aktuell (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Sebastian Kahnert)

Vertrag nach Mängeln gekündigt

Bühl: Betreiber von Corona-Testzentrum weist Vorwürfe zurück

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Nach schwerwiegenden Mängeln hat die Stadt Bühl die Verträge mit dem Gelsenkirchener Betreiber eines Testzentrums am Kirchplatz gekündigt. Der weist die Vorwürfe zurück und spricht von einem Systemfehler.

Nach Angaben der Stadt Bühl gab es Beschwerden aus der Bevölkerung, zum Beispiel über erstaunlich schnelle Testergebnisse oder auch darüber, dass Masken nicht richtig getragen wurden oder die Schutzausrüstung mangelhaft sei. Das bestätigte sich dann bei einer unangekündigten Kontrolle am vergangenen Mittwoch. Außerdem stellten die Kontrolleure fest, dass unter anderem negative Testergebnisse an Menschen verschickt wurden, die an diesem Tag gar keinen Test machen ließen oder positive Ergebnisse nicht dem Gesundheitsamt gemeldet wurden.

Betreiber weist Vorwürfe zurück

Der Geschäftsführer der ehemaligen Betreibergesellschaft, Christian Schnürle, weist die Vorwürfe zurück. Er macht Systemfehler für die Mängel im Bühler Testzentrum verantwortlich.

"Wo Menschen und Technik aufeinander treffen und nicht alles ausgereift ist, gibt es einfach Fehler.

Beim Aufbau der Testzentren sollte alles ganz schnell gehen. Das wäre von Politik und Kommunen gewollt gewesen, um den Menschen wieder mehr Freiheiten zu ermöglichen. Da könne man nicht hundert Prozent erwarten, so Schnürle.

Lange Schlangen vor dem Zelt - Mitarbeiter unter Druck

Ein Sprecher der Stadt Bühl sagte, es habe öfter auch lange Schlangen vor dem Zelt gegeben. Um den Druck auf die Mitarbeiter zu verringern, habe man zunächst angeordnet, dass nur noch mit vorheriger Online-Anmeldung getestet werden dürfe, aber nun wurde auch der Vertrag gekündigt.

Testung ging an ein Subunternehmen

Nach Angaben der Stadt Bühl (Kreis Rastatt) hat der Gelsenkirchener Betreiber die Testung an ein Subunternehmen vergeben, das wiederum 450-Euro-Kräfte beschäftigt. Der neue Betreiber stamme aus der Region und betreibe bereits mehrere Testzentren in Mittelbaden.

Bisher keine weiteren Schließungen von Testzentren im Kreis Rastatt

Das Gesundheitsamt des Landkreises Rastatt hatte sonst noch keinen Fall, bei dem tatsächlich ein Betreiber aufhören musste, sagte ein Sprecher. Allerdings habe es im Vorfeld schon Ablehnungen gegeben, da die Standards nicht erfüllt wurden. Wer ein Testzentrum betreiben will, muss das vorher bei den Behörden anzeigen.

Regelmäßige Kontrollen kann Gesundheitsamt nicht leisten

Allerdings sei es personell schwierig beziehungsweise unmöglich, so das Rastatter Gesundheitsamt, alle etwa 170 Testzentren im Kreis regelmäßig zu kontrollieren. Aktiv werde man nur bei Beschwerden. Wenn es um Vorwürfe, wie Urkundenfälschung gehe, was es auch schon gegeben habe, müsse die Polizei aktiv werden. Meist geht es dann darum, dass Blanko-Negativ-Testbescheinigungen ausgestellt werden. Das zuständige Polizeipräsidium Offenburg bestätigte aber, dass noch kein Testzentrum in seinem Bereich deswegen geschlossen werden musste.

Rund 6.800 Teststationen in Baden-Württemberg

Nach Angaben des baden-württembergischen Gesundheitsministeriums gibt es in Baden-Württemberg etwa 6.800 Teststationen. Angesiedelt sind die beispielsweise in Apotheken oder Arztpraxen, aber auch auf Supermarktparkplätzen oder am Eingang von gastronomischen Betrieben.

Spahn: Betrug "eine Sauerei"

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nannte den Betrug mit den Schnelltestzentren "eine Sauerei". Es gebe viele seriöse Anbieter, aber so etwas werde in jedem Fall strafrechtliche Konsequenzen haben. Bereits jetzt mussten mehrere Testzentren in Baden-Württemberg geschlossen werden.

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