Ukraine-Krieg überschattet Bindung der Russen zu Baden-Baden (Foto: SWR)

Nur ein Privatjet muss bleiben

Folgen des Ukraine-Kriegs: Russen verlassen Baden-Baden

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Ekkehard Jayme

Seit mehr als 200 Jahren ist Baden-Baden ein russischer Sehnsuchtsort. Früher kamen Fürsten und Künstler aus Russland in die Kurstadt, heute sind es Touristen. Der Ukraine-Krieg hat das Verhältnis jedoch getrübt.

In Russland ist Baden-Baden nach Berlin die bekannteste deutsche Stadt. Die Beziehungen beginnen 1793 mit der Hochzeit von Zar Alexander I. und Luise von Baden. Schriftsteller wie Fjodor Dostojewski verspielten im Kasino ihr Geld, reiche Russen besitzen Villen in der Kurstadt. Jetzt aber sorgen die Sanktionen wegen des Ukraine-Krieges dafür, dass immer weniger Russinnen und Russen nach Baden-Baden kommen.

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Beschlagnahmte russische Flieger

Symbol für die ausbleibenden Gäste ist ein beschlagnahmter Jet in russischem Besitz am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden. Zusammen mit drei weiteren Flugzeugen darf der Flieger wegen der Sanktionen auf Weisung des Bundesverkehrsministeriums bis auf Weiteres nicht abheben. Ohnehin kommen auf dem Flughafen kaum noch russische Touristinnen und Touristen an.

Beschlagnahmter Jet am Flughafen KarlsruheBaden-Baden (Foto: SWR)
Beschlagnahmter Jet am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden

"Der Tourismus mit russischen Gästen ist komplett eingebrochen, seitdem der Konflikt in der Ukraine ausgebrochen ist."

Der Schwund russischer Touristen habe schon 2014 mit der Besetzungs der Krim durch Russland begonnen, sagt Nora Waggershauer, die Chefin der Baden-Badener Kur und Tourismus GmbH. Er trifft vor allem die Gastronomie und den Einzelhandel. Hotels, Restaurants und Luxusboutiqen machen weniger Umsatz. Zwar sind die Goldenen Zeiten, in denen russische Gäste noch acht Prozent aller Übernachtungen in Baden-Baden ausmachten, schon länger vorbei. Aber auch die verbliebenen drei bis vier Prozent brachten vor dem Ukraine-Krieg noch viel Geld in die Kurstadt.

Nobelgeschäfte vermissen die russische Kundschaft (Foto: SWR)
Nobelgeschäfte vermissen die russische Kundschaft

Ukraine-Krieg wirkt sich nicht nur auf das Geschäft aus

Früher gab es in der Baden-Badener Haupteinkaufsmeile kaum ein Geschäft ohne den Hinweis, dass Russisch gesprochen wird. Die Schilder in den Schaufenstern sind jetzt nur noch vereinzelt zu finden. Zum Beispiel im Schuhgeschäft von Michael Tchiniaev. Er ist selbst Russe.

"Ich spreche russisch, warum sollte ich das verstecken? Könnte man ja auch die russische Kirche in der Stadt entfernen, um politisch korrekt zu sein."

Nach Einschätzung von Michael Tchiniaev wirkt sich der Krieg Putins auf das Verhältnis zwischen den in Baden-Baden ansässigen Russen und Ukrainern aus. Freundschaften seien kaputtgegangen, so der Schuhhändler. In der Stadt leben über 2.000 Russen und rund 750 Ukrainer. Wie emotionsgeladen die Sitution ist, zeigt das Beispiel eines ukrainischen Kellners eines Baden-Badener Restaurants, der mit einer anti-russischen Wutrede im Internet Furore machte.

Auch die Absage eines Auftritts der russischen Star-Sopranistin Anna Netrebko im Festspielhaus und die Kündigung der Zusammenarbeit mit Dirigent Valery Gergiev wegen ihrer Putin-Nähe zeigt, wie schwer sich Baden-Baden in vielen Bereichen derzeit mit Russland und den Russen tut.

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