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Im Rastatter Schloss begann vor 74 Jahren einer der größten Kriegsverbrecherprozesse der Nachkriegszeit. Der SWR beleuchtet dieses wenig bekannte Kapitel mit einem Film, der nächstes Jahr ins Fernsehen kommen soll.

Es war der 15. Mai 1946, als das "Tribunal Général“ im Ahnensaal des Rastatter Schlosses zum ersten Mal zusammen trat. Auf der Anklagebank saßen 32 Männer und fünf Frauen. Sie gehörten zum Personal des Gestapo-Lagers Neue Bremm in Saarbrücken. Der von der französischen Militärverwaltung initiierte Prozess war das erste von etwa 20 Verfahren gegen mutmaßliche Nazi-Verbrecher.

Film spielt an Originalschauplätzen

In einer Gemeinschaftsproduktion mit dem Saarländischen Rundfunk und ARTE werden die Geschehnisse im Prozess an Originalschauplätzen in Rastatt gedreht. Die Macher wollen mit dem Dokudrama das Schicksal von Opfern und Tätern lebendig machen. Für den Film mit dem Arbeitstitel "Rastatt - Kriegsverbrecher vor Gericht" wurden Fälle anhand von Akten aus französischen Archiven rekonstruiert und szenisch nachgespielt. Die Dokumente waren jahrelang Verschlusssache und wurden erst kürzlich freigegeben.

Grausame Details aus den Gerichtsakten

Herbert Oehler und Walter Telschow waren unter den Hauptangeklagten 1946 in Rastatt. Der SS-Mann Oehler hatte Handschellen erfunden, die unerträgliche Schmerzen verursachten. Wochenlang ließ er die Lagerinsassen die Handschellen tragen - und erfreute sich an deren Leid. Der Angeklagte Telschow, selbst Häftling in einem Konzentrationslager, erschlug zahlreiche Gefangene grausam. Beide waren für den Tod von hunderten Lagerinsassen verantwortlich.

62 Todesurteile gegen NS-Verbrecher

Insgesamt mussten sich vor dem Generaltribunal in Rastatt von 1946 bis 1954 über 2.000 Angeklagte wegen ihrer Verstrickungen im Nationalsozialismus verantworten. Ihnen wurden Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verbrechen gegen den Frieden vorgeworfen. 62 der Beschuldigten wurden hingerichtet. Nur ein knappes Viertel wurde freigesprochen. Noch heute wird ein Teil der französischen Militärakten unter Verschluss gehalten – erst im Jahr 2052 stehen sie der Öffentlichkeit uneingeschränkt zur Verfügung.

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