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Eine Elfjährige vergleicht auf einer Corona-Demo ihre Lage mit der des jüdischen Mädchens Anne Frank im Zweiten Weltkrieg: Das sorgt für Schlagzeilen. Die Politik in Baden-Württemberg findet für den Vorfall deutliche Worte.

Am Samstag hatte die Elfjährige bei einer Kundgebung der Initiative "Querdenken 721" vor rund 1.000 Menschen ihre Situation während der Corona-Pandemie mit der des jüdischen Mädchens Anne Frank im Zweiten Weltkrieg verglichen. Auf der Bühne schilderte sie, dass sie ihre Geburtstagsfeier während Corona mit ihren Freunden heimlich habe feiern müssen, weil sie sonst vielleicht von Nachbarn verpetzt worden wären. "Ich fühlte mich wie bei Anne Frank, wo sie mucksmäuschenstill sein mussten, um nicht erwischt zu werden", sagte das Mädchen. Die Äußerungen hatten große Empörung ausgelöst.

Nach Prüfung des Falls hatte sich auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die Prüfung habe keine hinreichenden Anhaltspunkte für ein strafbares Verhalten ergeben, so ein Sprecher am Dienstag. Abgesehen davon, dass das Kind selbst strafunmündig sei, werde auch nicht gegen die Eltern ermittelt, so der Sprecher weiter.

Strobl: "Für Verschwörungstheorien instrumentalisiert"

Das Kind sei instrumentalisiert worden, um "krudeste Verschwörungstheorien" zu verbreiten und die Gefahren des Coronavirus zu leugnen, kritisierte der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU). Dass Kinder benutzt würden, um sich mit den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu vergleichen, sei "erbärmlich und perfide". Es zeige, wie skrupellos rechtsextremistisches und verschwörungsideologisches Gedankengut mit der Kritik an den staatlichen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie vermischt werde.

Kretschmann warnt vor rechter Unterwanderung der "Querdenker"

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat unterdessen vor einer zunehmenden Radikalisierung der "Querdenken"-Bewegung gewarnt. Es sei beunruhigend, dass immer mehr Querverbindungen zum Rechtsextremismus und zum Rechtsradikalismus wahrnehmbar sind. Den Vorfall aus Karlsruhe kenne er zwar nicht, so Kretschmann weiter. Falls das Mädchen das gemacht habe, sei das aber "vollkommen abwegig".

"Neu ist, dass Kinder in offensive Rollen und zum Mitmachen gedrängt werden."

Michael Blume, Antisemitismusbeauftragter der Landesregierung

Antisemitismusbeauftragter sieht Tabubruch

Der Antisemitismusbeauftragte der baden-württembergischen Landesregierung, Michael Blume, sprach von einer "neuen Eskalation". NS-Vergleiche habe es die ganze Zeit bei den Protesten gegen die Corona-Politik gegeben.

Baden-Württemberger gründete Chat-Gruppe Wie Kinder und Jugendliche von Corona-Leugnern instrumentalisiert werden

Pandemie-Leugner machen mit Falschbehauptungen Stimmung gegen die Corona-Maßnahmen. Erstmals konnten Recherchen jetzt zeigen, wie in einer geschlossenen Chatgruppe für Kinder und Jugendliche Verschwörungsmythen verbreitet werden. Mit Ursprung in Baden-Württemberg.  mehr...

Trotz Abstandsverstößen friedlich "Querdenken"-Demo mit rund 1.000 Teilnehmern in Karlsruhe

Auf dem Karlsruher Messplatz hat am Samstagnachmittag eine Demonstration der "Querdenken"-Bewegung stattgefunden. Rund 1.000 Teilnehmer protestierten dabei gegen die Corona-Beschränkungen der Bundesregierung.  mehr...

Wie umgehen mit Corona-Leugnern? Söder: Verfassungsschutz soll bei „Querdenkern“ genau hinschauen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat eine Diskussion über die „Querdenker“-Bewegung losgetreten. Er mache sich Sorgen, dass sich die „Querdenker zunehmend sektenartig“ entwickeln und fordert den Verfassungsschutz zum Handeln auf.  mehr...

Politiker sind alarmiert Verfassungsschutz hat "Querdenker" auf dem Schirm

Immer wieder haben sich Rechtsextreme und Verschwörungsmystiker auf Demonstrationen von "Querdenken 711" und seiner Ableger gezeigt. Für BW-Innenminister Thomas Strobl (CDU) ein Fall für den Verfassungsschutz.  mehr...

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