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Auf dem Karlsruher Messplatz hat am Samstagnachmittag eine Demonstration der "Querdenken"-Bewegung stattgefunden. Rund 1.000 Teilnehmer protestierten dabei gegen die Corona-Beschränkungen der Bundesregierung.

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Die Versammlung der Initiative "Querdenken 721" auf dem Karlsruher Messplatz stand unter dem Motto "Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit und Liebe". Nachdem es zum Start der Veranstaltung zu rund 200 Verstößen gegen den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand gekommen war, ließ die Polizei kurzzeitig eine Überwachungsdrohne aufsteigen, um die Situation von oben weiter zu beurteilen.

Die Demonstration verlief jedoch in der Folge laut Polizei weitgehend regelkonform und friedlich. Die Teilnehmer protestierten zumeist ohne Maske, aber hielten sich an den gebotenen Abstand. Das Ordnungsamt hatte für die Teilnehmer das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes vorgeschrieben, wenn der Mindestabstand von 1,50 Metern nicht eingehalten werden kann.

Einige Verstöße gegen die Corona-Regeln

Bei der Abreise sei es erneut zu Verstößen gegen die allgemeinen Hygieneregeln gekommen: "Insgesamt musste die Polizei in 30 Fällen einschreiten. Dabei kam es zu einer Beleidigung gegen einen Polizeibeamten", hieß es in der Abschlussmitteilung der Polizei.

Die Versammlung der "Querdenker" wurde von etwa 130 Gegendemonstranten begleitet, die sich ebenfalls auf dem Messplatz eingefunden hatten, jedoch abseits standen. Ihre Demonstration stand unter dem Motto "Mitdenken statt Querdenken". "Wir überlassen Karlsruhe nicht den Corona-Leugnern", so Mitorganisatorin Olivia Crawford.

BW-Innenminister Strobl warnt vor Extremisten und Verfassungsfeinden

Erst am Freitag hatte der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) mit scharfen Worten vor dem zunehmendem Einfluss von Extremisten und Verfassungsfeinden in Reihen der "Querdenker"-Bewegung gewarnt. "Hier amalgamiert eine toxische Mischung aus Reichsbürgern, Selbstverwaltern, Rechtsextremen und Verschwörungstheoretikern, die die Demonstranten unterwandern und instrumentalisieren", so der CDU-Politiker. Nach eigenen Angaben will er den Innenausschuss über die Bewegung informieren.

Verfassungsschutzbehörden haben "Querdenker" im Blick

Auch die Verfassungsschutzbehörden von Bund und Ländern haben die "Querdenken"-Bewegung nach Angaben des Bundesinnenministeriums im Blick. Sie beobachteten verfassungsfeindliche Tendenzen, hieß es. "Insofern ist eine Beobachtung auch dieser Bewegung naheliegend und sie findet auch statt." Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erklärte im einem Interview mit dem "Münchner Merkur", die Entwicklung mache ihm "große Sorgen".

Hinter der Initiative "Querdenken 0711" - der Mutter der "Querdenken"-Bewegungen - steckt der Stuttgarter Unternehmer Michael Ballweg. In den vergangenen Monaten sind er und Ableger der Bewegung in zahlreichen deutschen Städten gegen Beschränkungen in der Corona-Krise auf die Straße gegangen. Am Samstag gab es laut Polizei auch "Querdenken"-Demos in Lörrach, Freiburg und Waldshut.

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