Markus Lüpertz beginnt mit dem Bemalen seines Kunstprojekts "Genesis" (Foto: Pressestelle, Foto Fabry)

Schöpfungsgeschichte auf Keramikreliefs

Projekt "Genesis": Umstrittene Lüpertz-Kunstwerke im Karlsruher Untergrund

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AUTOR/IN
Rebekka Plies

Mit 14 riesigen Keramikreliefs will der Künstler Markus Lüpertz die Schöpfungsgeschichte in den unterirdischen Haltestellen in Karlsruhe darstellen. Doch die Kunstwerke werden nicht rechtzeitig fertig.

"Genesis" - so heißt das Kunstprojekt des Künstlers Markus Lüpertz, das in den sieben unterirdischen Haltestellen der Karlsruher Kombilösung installiert werden soll. Damit soll die siebentägige Schöpfungsgeschichte nacherzählt werden. In jeder Fahrtrichtung wird eine Keramik zu sehen sein. Die 14 Bilder haben eine Größe von jeweils acht Quadratmetern und werden in zehn einzelne Keramiktafeln zerlegt.

"Das ist ein riesiger Imagegewinn für die Stadt Karlsruhe!"

Die Unterstützer des Projekts sehen in der Lüpertz-Kunst einen Touristen-Magnet, sprachen zeitweise von einem "Elbphilharmonie-Effekt", mit dem sie rechnen. Als einer der bedeutendsten deutschen Künstler der Gegenwart ist Lüpertz weltweit ein Begriff. Große Kunst im öffentlichen Raum soll so auch ein anderes Publikum als beispielsweise klassische Ausstellungen erreichen.

Kritik an Vergabe des Kunstprojekts und am Künstler selbst

Viele kritisieren aber, dass der Künstler ohne Wettbewerb beauftragt worden ist. Das gesamte Projekt "Genesis" wird nach Angaben des Vereins "Karlsruhe Kunst Erfahren" durch Spenden und Sponsoren finanziert. Dafür mussten vor dem Start eine Millionen Euro zusammen kommen. Im Sommer 2017 stimmte der Gemeinderat dem Projekt nach langer Diskussion zu. Auch das Thema, die biblische Schöpfungsgeschichte, polarisiert.

"Diese biblischen Themen sind letztendlich falsche Fabeln. Und konfessionelle Kunst gehört in die Kirchen, aber nicht in den öffentlichen Raum."

Der Unmut über das Projekt blieb. Eine Privatinitiative mit wohlhabenden Spendern dürfe nicht darüber entscheiden, welche Kunst im öffentlichen Raum gezeigt wird, so Renate Rastetter von den Karlsruher Grünen.

Zusammenarbeit mit Karlsruher Majolika beendet

Ursprünglich hätten die Keramiktafeln in der Karlsruher Majolika entstehen sollen. Allerdings haben der für das Projekt zuständige Verein "Karlsruhe Kunst erfahren" im vergangenen Jahr ihre Zusammenarbeit mit der Majolika beendet. Die Keramik-Manufaktur selbst bedauerte damals, dass sie sich kapazitätstechnisch, organisatorisch und in dem angedachten Preisrahmen nicht in der Lage sehe, den Gesamtauftrag abwickeln zu können.

Die 14 Keramiken werden nun in Zell am Harmersbach (Ortenaukreis) hergestellt, doch auch dort laufen die Brennvorgänge nicht reibungslos. Die Keramiken müssen behutsam über mehrere Wochen getrocknet werden, bevor sie gebrannt werden können. Bei diesem Prozess besteht die Gefahr von Materialschwund und Rissbildungen. Es kommt also weiterhin zu Verzögerungen

Feinschliff in der Kombilösung (Foto: SWR)
Eine Lüpertz-Keramik hängt bereits in der Haltestelle Kronenplatz - natürlich noch vollkommen verhüllt.

Kleine Vernissage mit deutlicher Verspätung

Eine Vernissage im Rahmen der Kombilösungs-Eröffnung ist nicht möglich. Denn das Brennen der Großkunstwerke dauert länger als erwartet. Zwar seien die Bilder bereits im Sommer fertig modelliert gewesen, aber die Fertigstellung sei eine Herausforderung für die Manufaktur. Im ersten Halbjahr 2022 sollen die Szenen der Schöpfungsgeschichte dann an den Wänden der sieben Haltestellen hängen. Dann wird es wohl nur eine kleinere Eröffnung im laufenden Straßenbahnverkehrs-Betrieb geben können. Anstelle der Keramiktafeln werden vorerst temporäre Kunstwerke die Haltestellenwände zieren.

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