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Ärzte üben erneut Kritik an der Organisation der Karlsruher Impfzentren und wehren sich gegen Unterstellungen. Die Verantwortlichen versprechen Nachbesserungen und fordern Eigenverantwortung.

Mehrere Ärzte haben gegenüber dem SWR ihre Kritik erneuert, dass sie trotz korrekter Angaben und eines offiziellen Termins vom Impfzentrum abgewiesen wurden. Da sie nicht über 80 Jahre alt seien, seien sie nur berechtigt, Impfstoff von AstraZeneca zu bekommen und der sei zu diesem Zeitpunkt (Ende Februar) nicht verfügbar.

"Der Leiter des Impfzentrums unterstellt allen Abgewiesenen, dass sie bewusst falsche Angaben gemacht haben! Und somit selbst Schuld sind. Das ist eine Unverschämtheit."

Ein Karlsruher Allgemeinmediziner

Leiter des Impfzentrums weist Kritik von sich

Der Leiter des Karlsruher Impfzentrums, Andreas Ruf, hatte die Kritik zurückgewiesen und im Gespräch mit dem SWR geäußert, dass Termine nur aufgrund falscher Altersangabe gemacht werden konnten.

Einen Tag später will der Leiter des Karlsruher Impfzentrums die Kritik nochmal präzisieren und appelliert an die Eigenverantwortung der Einzelnen.

"Wenn jeder seinen Impftermin daraufhin kontrolliert, ob man für den angegebenen Impfstoff berechtigt sei, dann würde man Frustration vor Ort vermeiden."

Andreas Ruf, Leiter des Zentralen Impfzentrums Karlsruhe

Bürgermeisterin verspricht Nachbesserungen beim Sicherheitspersonal

Eine weitere Ärztin schildert ähnlich frustrierende Erfahrungen mit dem Karlsruher Impfzentrum. Auch sie wurde demnach bei der Terminanmeldung nicht nach dem Alter gefragt und bei der späteren Terminvereinbarung habe sie ihr Alter normal angegeben. Eine Erklärung zu der vermeintlich fehlerhaften Terminvergabe habe sie nicht erhalten.

"Kein medizinischer Ansprechpartner, kein Informationsblatt, nur eine Mauer von Security. Das war demütigend und sehr ärgerlich. Vor mir ist eine Frau in Tränen ausgebrochen."

Eine Karlsruher Kinderärztin

Die verantwortliche Bürgermeisterin Bettina Lisbach (Grüne) verspricht Nachbesserungen und dass das Sicherheitspersonal vor Ort auf Ausnahmesituationen noch besser vorbereitet werden müsse.

"Wir schreiben alle nochmal per Mail an, damit die Personen Zuhause prüfen können, ob sie einen Impftermin für den richtigen Impfstoff haben, oder ob sie ihren Termin umbuchen müssen."

Bettina Lisbach (Grüne), Bürgermeisterin Karlsruhe

Die Stadt will die Bürger künftig mit mehr Informationen zur Anmeldung und zu den impfstoffspezifischen Terminen versorgen um frühzeitig Probleme zu verhindern. Trotzdem wird auch weiterhin die Security vor Ort die Impftermine prüfen und bei Bedarf Personen abweisen, wenn sie keinen richtigen Impftermin vorweisen können.

Deutlich bessere Versorgung mit Impfstoff

Derzeit werden in der Karlsruher Messehalle täglich bis zu 1.400 Impfungen durchgeführt - mehr als doppelt so viele wie vor vier Wochen. Vor allem die Versorgung mit dem Impfstoff der Mainzer Firma Biontech habe sich deutlich verbessert, erklärte der Leiter des Impfzentrums Andreas Ruf dem SWR.

Impfungen künftig auch außerhalb der Impfzentren

Für die kommenden Wochen ist der Leiter des Zentralen Impfzentrums zuversichtlich. Die erwarteten Impfstofflieferungen könnten jetzt mehrere Wochen im Voraus verplant werden, so Ruf. Weitere Entspannung erwartet er durch die Zulassung des Impfstoffs von Johnson & Johnson. Sie wird in der Europäischen Union im Laufe des Monats erwartet. Dieser Impfstoff sei einfacher zu handhaben als die bisher zugelassenen drei Präparate und könne dann auch in Hausarztpraxen verarbeitet werden.

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