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Im Kaufhaus Leitz in Knittlingen konnte man jahrzehntelang alles kaufen, was das Herz begehrte. Jetzt hat sich das Nostalgie-Geschäft in ein Pop-up-Museum verwandelt.

Bis vor ein paar Jahren hatte Annelore Leitz ihren ganz besonderen Laden noch täglich geöffnet. Jetzt hat die 86-Jährige ihr kleines Kaufhaus im Ortskern von Knittlingen (Enzkreis) den Ausstellungssmachern des Museums für Alltagskultur aus Waldenbuch (Kreis Böblingen) überlassen - für die nächsten drei Wochenenden.

Im Laden bei Leitz haben sich über Jahrzehnte viele Waren angesammelt. Ski-Jacken, Unterhosen, Bleistifte und Koffer. Alles Gegenstände, die früher richtig gut weggingen, wenn die Knittlinger ihre Verwandtschaft in der DDR besuchen wollten.

Das Pop-up-Kaufhaus in Knittlingen zeigt Gegenstände der Alltagsgeschichte (Foto: SWR)
Die ehemalige Ladenbesitzerin Annelore Leitz in ihrem einstigen Kaufhaus in Knittlingen.

Das Kaufhaus als Treffpunkt für Knittlinger

Das kleine Kaufhaus Leitz war mehr als 50 Jahre Treffpunkt und Anlaufstelle in Knittlingen. Markus Speidel vom Museum für Alltagskultur will mit der Pop-up-Austellung zeigen, wie früher der Alltag der Menschen aussah und wie sich das Einkaufen verändert hat. Das ist der komplette Kontrast zu heutigen Zeiten und genau den soll die Ausstellung dokumentieren.

SWR Reporterin Susann Bühler war in dem Kaufhaus in Knittlingen:

"Es war nicht so, wie wir es heute kennen - man macht das Internet auf, sucht sich was und bestellt es dann. Das, was es hier gab, gab es nur hier oder man musste in den nächsten größeren Ort fahren."

Während heute Restposten über Online-Portale verschleudert werden, hat die ehemalige Ladenbesitzerin Leitz nie aufgehört zu hoffen, dass sie ihre nicht verkaufte Ware doch irgendwann los bekommt. So ist die Kinderbekleidung noch aus den 80er Jahren, die Ski-Jacken könnten noch älter sein. Dankbar ist Speidel vom Museum für Alltagskultur für die Schätze der Vergangenheit, besonders für die Schlüpfrigen.

"Es gibt auf der einen Seite Negligees, auf anderen Seite Literatur für die werdende Ehefrau - das ist ein Sittenbild, das wir so nicht mehr kennen."

Laden-Öffnung nicht ausgeschlossen

Ausstellungsbesucher sollen übrigens aktiv werden beim Gang durch das Nostalgie-Kaufhaus. Sie können einen Gegenstand heraussuchen und notieren, welche Erinnerungen und Sehnsüchte sie mit ihm verbinden. Wer besonders begeistert ist, für den würde Leitz auch noch mal den Laden öffnen, wenn die Ausstellung vorbei ist. Aber nur bei echtem Kaufinteresse.

"Dass ich mich hier reinstelle, für nichts und abends ohne was nach Hause gehe, dafür bin ich zu alt."

Knittlingen

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