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Nach dem tödlichen Verkehrsunfall auf der A8 bei Pforzheim am Dienstag prüft die Polizei insgesamt 30 Anzeigen gegen Schaulustige. Sie hatten während der Unfallaufnahme das Geschehen im Vorbeifahren gefilmt.

Durch das Verhalten der Gaffer sei es fast zu weiteren Unfällen gekommen, so die Sprecherin der Polizei in Pforzheim, Beatrice Suppes. Wie die Polizei dem SWR am Mittwoch erklärte, wird jetzt geprüft, welcher Straftatbestand erfüllt wurde. Filmt oder fotografiert beispielsweise jemand das tote Unfallopfer, ist das seit dem Januar diesen Jahres eine Straftat nach dem § 201a im Strafgesetzbuch. Unabhängig, ob die Aufnahmen weitergegeben oder veröffentlicht wurden. Ist dieser Straftatbestand erfüllt, droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe.

"Wir haben immer wieder das Problem mit Schaulustigen. Zum einen behindern sie die Einsatzkräfte. Das war jetzt dieses Mal nicht der Fall. Denn die Fahrtrichtung in Richtung Karlsruhe war ja gesperrt. Wir hatten dieses Mal Schaulustige auf der Gegenfahrbahn."

Beatrice Suppes, Pressesprecherin der Polizei Pforzheim

Gaffer an der Grenze zum Pietätlosen

Rund 30 Gaffer hat die Polizei in Pforzheim inzwischen festgestellt. Durch sie kam es auf der Gegenfahrbahn zu teilweise kritischen Situationen. "Zum Teil bremsten die Autofahrer abrupt ab oder drosselten das Tempo - ohne, dass es vom Verkehrsfluss nötig gewesen wäre", erklärt Suppes. Einige versuchten sogar über umliegende Waldwege in die Nähe der Unfallstelle zu kommen und das Ganze mit ihrem Handy zu filmen.

Immer häufiger gebe es bei Unfällen dieser Art das Problem mit Schaulustigen, beobachtet Polizeisprecherin Suppes.

"Die Meisten, die vorbeifahren, werfen mal einen Blick. Aber es gibt eben diese Grenze, wo man sieht, das ist pietätlos. Ich denke immer, man sollte mal überlegen, wenn man selbst in der Situation wäre, ob man sich dann selbst gerne als Opfer im Internet wiederfinden würde."

Beatrice Suppes, Polizei Pforzheim

Zu geringer Abstand oft die Ursache für Unfälle

Seit Jahren ist die Strecke der A8 bei Pforzheim ein Unfallschwerpunkt. Beinahe täglich muss die Polizei ausrücken, weil es mal wieder gekracht hat. Dabei sieht die Sprecherin der Polizei Pforzheim vor allem immer wieder ein Problem:

"Allgemein ist zu sagen, eine Hauptursache ist ein zu geringer Sicherheitsabstand bei den Lastwagen. Es gibt ja auch diese Assistenzsysteme, den Notbremsassistent. Aber da ist auch das Problem, dass es der Fahrer manuell ausschalten kann. Und es ist nicht in allen Fahrzeugen verbaut: Es ist erst ab 2015 Pflicht bei Neu-Fahrzeugen über acht Tonnen.“

Beatrice Suppes, Polizei Pforzheim

Zwei schwere Unfälle in zwei Tagen

Erst am Montag kam es auf der A8 bei Pforzheim zu einem schweren Unfall, weil auch hier ein Lastwagen-Fahrer ein Stauende übersehen hatte. Dabei wurden drei Menschen schwer verletzt. Der Lkw-Fahrer versuchte kurz vor der Abfahrt Pforzheim-Nord noch mit seinem Sattelzug auf den mittleren Fahrstreifen auszuweichen, streifte aber einen Kleinbus. Dieser schob in der Folge ein weiteres Auto auf einen Laster. Die Feuerwehr musste einen eingeklemmten Fahrer aus seinem Fahrzeug befreien. Auch ein Rettungshubschrauber war im Einsatz. Die Strecke wurde zur Bergung voll gesperrt. Der Sachschaden wird auf rund 150.000 Euro geschätzt.

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